Mo, 15:30 Uhr
14.01.2019
Diskussion zur Netzerweiterung
Quo Vadis, Straßenbahn?
Mit der Straßenbahn zum Sportpark und noch weiter: kurz vor dem Ende des alten Jahres konkretisierte Landrat Jendricke seine Vorstellungen zu einem möglichen Ausbau des Straßenbahnnetzes. Umsetzen kann der Landrat seine Pläne nicht, zumindest nicht ohne den Nordhäuser Stadtrat. Wir haben nachgefragt, was die Fraktionen von den Vorschlägen aus dem Landratsamt halten...
Diskussion um Straßenbahnerweiterung (Foto: nnz)
Die SPD hält ihrem Landrat die Treue, das stand schon im Dezember fest. Man wolle "einen großen Wurf", hieß es Mitte Dezember aus dem Ortsvorstand der Genossen. Im Zuge der Ertüchtigung des Albert-Kuntz-Sportpark solle über die Entwicklung des gesamten Stadtteils nachgedacht werden, so die SPD damals. Dazu gehöre einerseits die Anbindung durch den ÖPNV, zudem wäre die Erschließung neuen Wohnraums möglich. In Reihenbauweise könne bezahlbarer Wohnraum für Familien entstehen, der momentan vielerorts fehle. Im Grunde also das, was Jendricke, um ein paar Details erweitert, zwischen den Feiertagen der Öffentlichkeit präsentierte.
Auch die in diesem Zusammenhang ins Spiel gebrachte Ausweisung von Wohnbauflächen rings um den Albert-Kuntz-Sportpark ist für die Nordhäuser CDU nicht nachvollziehbar. "Eine Stadt sollte von innen heraus wachsen. Und im Zentrum gibt es ausreichend Flächen für den Neubau, wie zum Beispiel im Bereich Grimmel/Neuer Weg oder der Bäckerstraße", so Iffland weiter.
Innerstädtische Brachflächen zu beleben und zu bebauen sei nachhaltiger, als beliebte grüne Naherholungsgebiete zu versiegeln, dazu gehöre auch der Bereich hinter der Parkallee und an der Gumpe und am Kuhberg. "Darüber hinaus dürfte das Wohnen in diesem Bereich sehr teuer werden, da sämtliche Infrastrukturen (Wasser, Abwasser, Gas und Strom) unter großem Aufwand an diese Stelle gebracht werden müssten. "Das sind Kosten, die am Ende auf den Hausbesitzer umgelegt werden", so Iffland.
Aus Sicht der Grünen-Fraktion sei es richtig, dass der Landrat die Straßenbahnerweiterung und auch das Thema Wohnraumschaffung in die öffentliche Diskussion gebracht habe, teilte der Fraktionsvorsitzende Holger Richter mit. "Unsere Fraktion unterstützt den Gedanken des Ausbaus unseres ÖPNV-Netzes sehr. Die konkrete Erweiterung der Straßenbahn nach Krimderode jedoch, sehen wir mit Skepsis und grundlegendem Diskussionsbedarf"
Mit ähnlichem Aufwand könne es auch gelingen, die Straßenbahn in die andere Richtung der Stadt, beispielsweise in den Ortsteil Bielen bei gleichzeitiger Erschließung des Hochschulcampus zu erweitern.
Ähnlich sähe es bei einer Verlängerung des Straßenbahnnetzes von Nordhausen-Ost aus: Hier könnten Himmelgarten und Leimbach ebenfalls erschlossen werden, teilte Richter mit. "Es gibt aus unserer Sicht vor einer Verlängerung der Straßenbahn nach Krimderode durchaus Handlungsbedarf in andere Richtungen. Krimderode und AKS sind über die Harzquerbahn und Linie 10 bereits zumindest randständig erschlossen."
Zudem gehe eine Erweiterung der Straßenbahn mit erheblichen Investitionen für das Schienennetz und Unterhaltung einher. Die Straßenbahn habe ihren Vorteil bislang vor allem aufgrund des elektrischen Antriebs und der damit verbundenen Emissionsfreiheit. Ob dies nun eine erhebliche Investition begründe, sollte vor dem Hintergrund der fortschreitenden Entwicklung alternativer Antriebe für Linienbusse nochmal gründlich durchdacht werden. "Busse mit Wasserstoff- oder E-Antrieb könnten den AKS, die Kiesseen in Bielen und viele andere Orte bedarfsgerecht und mit geringeren Investitionen erreichen.", sagte Richter.
Ebenfalls skeptisch sei man bezüglich einer Bebauung zu Wohnzwecken zwischen AKS und Gumpetal. "Es gibt derzeit noch genügend bereits versiegelte Flächen, die zu Wohnzwecken genutzt werden könnten", meinte der Fraktionsvorsitzende, das beste Beispiel dafür sei das Vorhaben des Landkreises das alte Gaswerk zu entwickeln. "Beim genaueren Hinschauen werden wir noch viele weitere solcher Orte finden, die sich für Wohnbebauung eignen, ohne dafür vorhandene Grünflächen und Baumbestand zu opfern."
Die Fraktionen der Linken und der FDP haben sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht zur Anfrage der nnz geäußert. Ob die Diskussion tatsächlich bis in den Stadtrat getragen wird, muss die Zukunft zeigen. Eine konkrete Reaktion bezüglich des Randthemas "Wohnungsbau" gibt es bereits: die CDU teilt mit, das man die "Arbeitsgruppe Wohnen" wiederbeleben wolle. Neben den beiden großen Wohnungsunternehmen WBG und SWG sei es wichtig, dass auch die privaten Akteure auf dem Nordhäuser Wohnungsmarkt mit geladen würden, erklärte Steffen Iffland hierzu, in Nordhausen gäbe es zwar kein akutes Wohnungsproblem, es fehlten jedoch vor allem große Wohnungen für Familien über vier Personen.
Und noch etwas darf zumindest vermutet werden: der Landrat wird sein Pulver in Sachen Straßenbahn noch nicht gänzlich verschossen haben.
Angelo Glashagel
Autor: red
Diskussion um Straßenbahnerweiterung (Foto: nnz)
Die SPD hält ihrem Landrat die Treue, das stand schon im Dezember fest. Man wolle "einen großen Wurf", hieß es Mitte Dezember aus dem Ortsvorstand der Genossen. Im Zuge der Ertüchtigung des Albert-Kuntz-Sportpark solle über die Entwicklung des gesamten Stadtteils nachgedacht werden, so die SPD damals. Dazu gehöre einerseits die Anbindung durch den ÖPNV, zudem wäre die Erschließung neuen Wohnraums möglich. In Reihenbauweise könne bezahlbarer Wohnraum für Familien entstehen, der momentan vielerorts fehle. Im Grunde also das, was Jendricke, um ein paar Details erweitert, zwischen den Feiertagen der Öffentlichkeit präsentierte.
Quo vadis, Straßenbahn?
Nun sitzen die Genossen nicht allein im Stadtrat und die Kollegen im Ratssaal stehen den Plänen des Landrates eher kritisch gegenüber. Die CDU Fraktion teilte mit das man eine Anbindung an Krimderode für überflüssig halte. "Krimderode ist mit drei Bushaltestellen sowie zwei Straßenbahnhaltestellen ausreichend an den Öffentlichen Nahverkehr angebunden", erklärte Steffen Iffland, der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion. Sowohl die Bus- als auch die Straßenbahnlinie seien nicht überfüllt. "Der Bau einer weiteren Straßenbahntrasse nach Krimderode wäre wirtschaftlicher Unsinn", so Iffland weiter.Auch die in diesem Zusammenhang ins Spiel gebrachte Ausweisung von Wohnbauflächen rings um den Albert-Kuntz-Sportpark ist für die Nordhäuser CDU nicht nachvollziehbar. "Eine Stadt sollte von innen heraus wachsen. Und im Zentrum gibt es ausreichend Flächen für den Neubau, wie zum Beispiel im Bereich Grimmel/Neuer Weg oder der Bäckerstraße", so Iffland weiter.
Innerstädtische Brachflächen zu beleben und zu bebauen sei nachhaltiger, als beliebte grüne Naherholungsgebiete zu versiegeln, dazu gehöre auch der Bereich hinter der Parkallee und an der Gumpe und am Kuhberg. "Darüber hinaus dürfte das Wohnen in diesem Bereich sehr teuer werden, da sämtliche Infrastrukturen (Wasser, Abwasser, Gas und Strom) unter großem Aufwand an diese Stelle gebracht werden müssten. "Das sind Kosten, die am Ende auf den Hausbesitzer umgelegt werden", so Iffland.
Aus Sicht der Grünen-Fraktion sei es richtig, dass der Landrat die Straßenbahnerweiterung und auch das Thema Wohnraumschaffung in die öffentliche Diskussion gebracht habe, teilte der Fraktionsvorsitzende Holger Richter mit. "Unsere Fraktion unterstützt den Gedanken des Ausbaus unseres ÖPNV-Netzes sehr. Die konkrete Erweiterung der Straßenbahn nach Krimderode jedoch, sehen wir mit Skepsis und grundlegendem Diskussionsbedarf"
Mit ähnlichem Aufwand könne es auch gelingen, die Straßenbahn in die andere Richtung der Stadt, beispielsweise in den Ortsteil Bielen bei gleichzeitiger Erschließung des Hochschulcampus zu erweitern.
Ähnlich sähe es bei einer Verlängerung des Straßenbahnnetzes von Nordhausen-Ost aus: Hier könnten Himmelgarten und Leimbach ebenfalls erschlossen werden, teilte Richter mit. "Es gibt aus unserer Sicht vor einer Verlängerung der Straßenbahn nach Krimderode durchaus Handlungsbedarf in andere Richtungen. Krimderode und AKS sind über die Harzquerbahn und Linie 10 bereits zumindest randständig erschlossen."
Zudem gehe eine Erweiterung der Straßenbahn mit erheblichen Investitionen für das Schienennetz und Unterhaltung einher. Die Straßenbahn habe ihren Vorteil bislang vor allem aufgrund des elektrischen Antriebs und der damit verbundenen Emissionsfreiheit. Ob dies nun eine erhebliche Investition begründe, sollte vor dem Hintergrund der fortschreitenden Entwicklung alternativer Antriebe für Linienbusse nochmal gründlich durchdacht werden. "Busse mit Wasserstoff- oder E-Antrieb könnten den AKS, die Kiesseen in Bielen und viele andere Orte bedarfsgerecht und mit geringeren Investitionen erreichen.", sagte Richter.
Ebenfalls skeptisch sei man bezüglich einer Bebauung zu Wohnzwecken zwischen AKS und Gumpetal. "Es gibt derzeit noch genügend bereits versiegelte Flächen, die zu Wohnzwecken genutzt werden könnten", meinte der Fraktionsvorsitzende, das beste Beispiel dafür sei das Vorhaben des Landkreises das alte Gaswerk zu entwickeln. "Beim genaueren Hinschauen werden wir noch viele weitere solcher Orte finden, die sich für Wohnbebauung eignen, ohne dafür vorhandene Grünflächen und Baumbestand zu opfern."
Die Fraktionen der Linken und der FDP haben sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht zur Anfrage der nnz geäußert. Ob die Diskussion tatsächlich bis in den Stadtrat getragen wird, muss die Zukunft zeigen. Eine konkrete Reaktion bezüglich des Randthemas "Wohnungsbau" gibt es bereits: die CDU teilt mit, das man die "Arbeitsgruppe Wohnen" wiederbeleben wolle. Neben den beiden großen Wohnungsunternehmen WBG und SWG sei es wichtig, dass auch die privaten Akteure auf dem Nordhäuser Wohnungsmarkt mit geladen würden, erklärte Steffen Iffland hierzu, in Nordhausen gäbe es zwar kein akutes Wohnungsproblem, es fehlten jedoch vor allem große Wohnungen für Familien über vier Personen.
Und noch etwas darf zumindest vermutet werden: der Landrat wird sein Pulver in Sachen Straßenbahn noch nicht gänzlich verschossen haben.
Angelo Glashagel

