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Do, 09:42 Uhr
16.01.2020
Mieten im 10-Jahresvergleich:

Wohnen in Großstädten um bis zu 104 Prozent teurer

Die Mieten in deutschen Großstädten sind in den vergangenen 10 Jahren überproportional gestiegen. Das belegt eine aktuelle Analyse von immowelt.de. Während die Inflation bei 14 Prozent lag, sind die Mieten in vielen Großstädten durch die Decke gegangen...

pitzenreiter ist Berlin, wo sich die Mieten mit einem Plus von 104 Prozent mehr als verdoppelt haben. Aber auch in München, Hamburg oder Frankfurt übertrafen die Mieten bei weitem die allgemeine Preissteigerung. Untersucht wurden die Angebotsmieten von Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter) in 80 deutschen Großstädten. In 77 der untersuchten Städte lag die Mietsteigerung über der Inflation.

Die große Attraktivität, der anhaltend hohe Zuzug und der Mangel an günstigem Wohnraum haben dafür gesorgt, dass die Preise in Berlin explodiert sind. Vor 10 Jahren zahlten Mieter in der Hauptstadt noch 5,60 Euro pro Quadratmeter, heute müssen sie bei Neuvermietung im Median mit 11,40 Euro rechnen. Die Politik reagiert darauf mit dem geplanten Mietendeckel. Damit soll ein Rückgang der Mieten und eine geringere Belastung der Bevölkerung erreicht werden. Inwiefern das Gesetz erfolgreich ist, wird sich zeigen.

„Die Attraktivität vieler Großstädte ist ungebrochen und die Mieten steigen. Im vergangenen Jahrzehnt ist es den Kommunen offensichtlich nicht gelungen, die richtigen Weichen für mehr bezahlbaren Wohnraum zu stellen“, sagt Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt. „Mietpreisbremse und Mietendeckel werden das Problem nicht lösen – es müssen vielmehr Anreize geschaffen werden, um den Bau von Wohnungen im preisgünstigen Segment anzukurbeln.“

München bleibt mit Abstand teuerste Stadt Deutschlands
Von den Berliner Mieten können Münchner hingegen nur träumen. Die Preise in der bayerischen Landeshauptstadt befanden sich bereits 2009 auf dem heutigen Berliner Niveau. In der teuersten deutschen Großstadt sind die Mieten allerdings um weitere 61 Prozent gestiegen, sodass der mittlere Quadratmeterpreis inzwischen bei 17,70 Euro liegt. Das ist der absolute Spitzenwert, mit großem Abstand zu Frankfurt – mit 13,50 Euro die zweitteuerste der untersuchten Städte. Zwar sind die Löhne in München ebenfalls hoch, sind aber schon vor 10 Jahren den Mieten enteilt. Diese Situation hat sich durch die weiteren Anstiege nochmal verschärft.

Metropolregionen im Aufschwung
Die größten Mietsteigerungen verzeichnen wirtschaftsstarke Städte und Regionen. Neben Frankfurt am Main (+44 Prozent) und Hamburg (+42 Prozent), befindet sich auch die Metropolregion Nürnberg im Aufschwung. In Nürnberg und Fürth (je +52 Prozent) liegen die Mieten noch unter der 10-Euro-Marke, in Erlangen (+47 Prozent) ist diese bereits überschritten. Die vielfältigen Bildungsmöglichkeiten und das breite Jobangebot machen das Städtedreieck zunehmend attraktiv – die stetig steigenden Einwohnerzahlen verdeutlichen das. Ein vergleichbares Bild zeichnet sich auch in Niedersachsen ab. In Hannover, Göttingen (je +48 Prozent) und Braunschweig (+43 Prozent) ist Wohnen deutlich teurer geworden. Die Region fällt durch wirtschaftliche Stärke, eine renommierte Wissenschaftslandschaft und die Lage an bedeutenden europäischen Verkehrsachsen auf.

Zweitgrößte Steigerung in Heilbronn
Neben den Metropolen haben auch viele kleinere Städte einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Das lockt besonders Studenten und Jobanfänger an. Die erhöhte Nachfrage führt auch dort zu steigenden Mieten. Bestes Beispiel ist Heilbronn: Mit einem Plus von 67 Prozent ist dort der Preiszuwachs bei den Angebotsmieten am zweitgrößten – hinter Berlin. Das liegt an der gestiegenen Nachfrage, aber auch an zahlreichen Neubauten, die teuer angeboten werden. Mit einem mittleren Mietpreis von 10,70 Euro ist Heilbronn aber nach wie vor günstiger als das rund 50 Kilometer entfernte Stuttgart (12,70 Euro). Eine ähnliche Entwicklung hat auch Würzburg (+57 Prozent) durchlaufen. Die ansässige Universität und die zahlreichen Hochschulen sorgen dafür, dass rund ein Viertel aller Einwohner Studenten sind. Dies führt zu erhöhtem Druck auf den Mietmarkt.

Geteiltes Bild im Osten und NRW
Während im Osten Deutschlands die Strahlkraft Berlins alles überragt, zeigt sich ansonsten eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Leipzig (+42 Prozent) und Dresden (+36 Prozent) gewinnen weiterhin an Attraktivität, während in Städten wie Chemnitz (+11 Prozent) oder Cottbus (+14 Prozent) die Einwohnerzahlen stagnieren und die Anstiege gerade einmal der Inflation entsprechen. Besonders junge Erwachsene locken die günstigen Mieten von rund 7 Euro pro Quadratmeter nach Dresden oder Leipzig. Auch die Berufschancen sind deutlich besser als in den strukturschwachen Regionen in der Lausitz oder dem Erzgebirge. Die einzige aller untersuchten Städte mit sinkenden Mieten ist Rostock (-5 Prozent). Innerhalb der Hansestadt sind die Preisunterschiede enorm: sehr günstige Plattenbau-Wohnungen am Stadtrand bestimmen den Mietmarkt, teure Neubauten im Touristenmagnet Warnemünde sind eher selten.

Wie im Osten treffen auch in Nordrhein-Westfalen strukturschwache und wirtschaftsstarke Städte aufeinander. Die Mieten in Studentenstädte wie Aachen, Paderborn (je +42 Prozent) und Münster (+40 Prozent) sind stark gestiegen. Auch die beiden Rheinmetropolen Köln (+34 Prozent) und Düsseldorf (+36 Prozent) zählen zu den begehrtesten Städten, was Mieten jenseits der 10-Euro-Marke zur Folge hat. Auf der anderen Seite weisen besonders die Städte im Ruhrgebiet wie Gelsenkirchen (+19 Prozent), Duisburg (+22 Prozent) oder Hagen (+17 Prozent) geringere Anstiege auf. Die Mieten bewegen sich aktuell auf niedrigem Niveau bei circa 6 Euro pro Quadratmeter.
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Kommentare

16.01.2020, 10.30 Uhr
tannhäuser | Böhse Vermieter und Eigentümer!
Lasst die (Enteignungs)Spiele beginnen!

Dass bei diesem Thema die Marktwirtschaft ihr hässlichstes Gesicht zeigt, wenn sogar Staatsbeamte wie Polizisten sich keine Wohnung in München leisten können...

Gibt es da nur die rotgrüne Lösung im Stile der Jakobiner? Eigentum weg, Rübe ab?

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16.01.2020, 11.31 Uhr
Leo 1A5 | Angebot u. Nachfrage
regeln den Preis hab ich mal irgendwo gehört.

Warum gibt es den schon seit Jahren ,,WG"s erst bei Studenten und jetzt auch bei älteren Bürgern?

Vielleicht übernehmen wir ja irgendwann das Japanische Wohnsystem da passen 20 Leute in eine 3 Zimmerwohnung mit 75qm ist doch was und spart Heizkosten auch da ist uns Japan schon 20 Jahre voraus.

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16.01.2020, 11.52 Uhr
tannhäuser | Ja, auch das ist Marktwirtschaft..
Eigentum verpflichtet nun mal und sollte nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Gewinn generieren. Sonst ist es nur ruinöser Ballast.

Mich stört nur, dass diejenigen Staatsdiener (Daher mein Beispiel), die ihre Köpfe täglich hinhalten, nicht genug verdienen, um ihre Miete in Innenstadtlage bezahlen zu können, während die Entscheidungsträger ganz oben wie Maden im Speck mit Zweitwohnsitz und Ferienvilla leben und keinerlei Bezug mehr zu denen haben, die täglich malochen und auf die Fresse bekommen.

Trotzdem ist Enteignung keine Lösung. Warum sollte jemand per se bestraft oder nackig gemacht werden, der das Glück oder Pech hat, ein Haus zu erben?

Vor nicht allzulanger Zeit wurde Immobilienbesitz noch als Altersvorsorge angepriesen. Heutzutage ist man damit ein kapitalistischer Enteignungskandidat?

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16.01.2020, 14.08 Uhr
Leser X | Auch hier lohnt ein Blick zu den Nachbarn
Zum Beispiel auch nach Österreich. Mit einer entsprechenden Politik bleibt oder wird auch das Wohnen erschwinglich.

In Deutschland, einem der erzkapitalistischsten Länder überhaupt, sind Wohnungen in erster Linie Spekulationsobjekte, am meisten natürlich in den Großstädten.

Die Politik tut seit Jahren so, als wolle sie etwas dagegen unternehmen, erfand einen Papiertiger namens Mietpreisbremse. Ein ähnlich erfolgreich umgangenes Gesetz wie der Mindestlohn.

Alles, was politisch nicht gewollt ist, funktioniert nun mal nicht. Und dass die deutsche Politik seit Jahrzehnten immer auf der Seite der Absahner steht, ist ja kein Geheimnis.

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16.01.2020, 15.17 Uhr
Mueller13 | Märchen der Mietpreisexplosion
Die Marktwirtschaft hat kein hässliches Gesicht. Sie zeigt uns nur gnadenlos auf, wenn wir Fehler machen. Was ich Euch jetzt aufzeige, wird Euch nicht gefallen, es ist aber die Wahrheit und für jeden nachzulesen.
Es gilt festzuhalten, dass:

1. Die Mietpreise in Deutschland sind die letzten 50 Jahren de facto nicht gestiegen (im Verhältnis zum allgemeinen Preisindex). Nehmen wir das Musterländle BaWü und setzen wir 2015 = 100% dann entstehen folgende Preisentwicklungen:
Miete: 1968 = 25,3; 2019 = 106,5
Preisindex: 1968 = 28,6: 2019 = 105,7
Ich fasse zusammen: Die Abweichung zur allgemeinen Preisentwicklung sind minimal und zu vernachlässigen -> nix Mietpreisexplosion

2. Gestiegen sind vor allem die Betriebskosten (durch staatliche Einflüsse, wie Energiesteuer)

3. Die Wohnfläche pro Einwohner ist exorbitant gestiegen: 1960 = 19,5m² pro Person; 2015 = 46m² pro Person: mehr m² pro Person -> höhere Mieten

4. Die Städte weisen keine neuen Baugebiete mehr aus, weil man eher auf Verdichtung und Lückenbebauung setzt: knappes Angebot -> höhere Preise

5. Die Baupreise haben sich wesentlich erhöht. Das liegt an höheren Bodenpreisen, teuren Bauvorschriften und teureren Baumaterialien, höheren Handwerkerkosten: höhere Baupreise -> führen zwangsläufig zu höheren Mietpreisen

6. Es gibt derzeit einen starken Zuzug in die Städte (Urbanisierung, Zuzug von Migranten, die vor allem in die Städte wollen): Höhere Nachfrage -> höhere Preise

ABER - als Staat kann man das abbremsen, es gäbe ein paar einfache Maßnahmen: das Umfeld besser an den ÖVPN anschließen, neue Baugebiete ausweisen, Bauvorschriften runtersetzen, den Zuzug von Migranten stoppen. Aber an tatsächlichen Problemlösungen hat man kein Interesse, lieber installiert man eine investitionsfeindliche Mietbremse, um auch die letzten Bauvorhaben abzuwürgen. Aber so sind sie eben in Berlin und Berlin (absichtliche Doppelnennung).

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16.01.2020, 15.33 Uhr
PIMI | @Mueller13
Wo wohnen und wohnten Sie bisher ? Kann man sie vom Planetarium in Jena aus irgendwo sehen ? Um Ihren Stil zu kopieren- Es gilt festzuhalten, dass Sie vom Wohnen berufsbedingt im Westen -ihre Auslassung zu BaWü- Null Ahnung aus eigenem Erleben besitzen ! Habe die Ehre...

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16.01.2020, 16.36 Uhr
tannhäuser | Hässliches Gesicht der Marktwirtschaft?
Doch das gibt es täglich zu bewundern, Mueller13.

Weil der Staat der grösste Profiteur von Kaufen und Verkaufen ist.

Oder ist Ihnen noch nie die Kinnlade heruntergefallen, wenn Sie auf Ihrer Tank- oder Telefonrechnung den Posten "MwSt" gesehen haben?

Ja, das ist nun mal Marktwirtschaft und der Staat funktioniert mit und lebt von Steuereinnahmen.

Das müssen wir akzeptieren, aber nicht gut finden. Und schon gar nicht deshalb bei Ihnen einen Crashkurs in BWL oder VWL buchen.

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17.01.2020, 08.34 Uhr
N. Baxter | GrESt
genau, wer verdient denn %tual sehr gut an den steigenden Preisen mit - richtig es wurde bereits erwähnt.
Und auch die Bevölkerungsexplosion, vorrangig in den Städten durch Importe, ist nicht außer acht zu lassen.

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17.01.2020, 09.05 Uhr
Wolfi65 | @tannhäuser
Ich muss Ihnen da zustimmen.
Vor Jahren sollte man mit dem Kauf einer Immobilie für das Alter vorsorgen.
Jetzt fällt dieser Umstand dem Eigentümer unter Umständen auf die Füße.
Da man gerade beim Kauf einer Immobilie in der Stadt nicht all zu weit in die Zukunft sehen kann, ist dieser Kauf schon zum Glücksspiel geworden.
Ich entnehme Ihren Zeilen, dass Sie selbst ein Eigentümer einer Immobilie sind.
Wenn ja, da braucht Ihnen Niemand erklären, was sich im Moment auf dem Immo-Markt so abspielt.
Da muss man sich noch erklären, wieso man überhaupt gekauft hat.
So ändern sich die Zeiten.
PS: Selbstverständlich hält sich mein Mitleid für Polizeibeamte in Grenzen, welche sich mit der Staatskohle keine Mietwohnung in München leisten können.

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17.01.2020, 18.43 Uhr
PIMI | Grunderwerbssteuer
Ich möchte einigen Vor- Kommentaren zustimmen. Der größte Profiteur ist das Finanzamt, und das in Thüringen zu 6,5 % des Kaufpreises. Im Unterschied zu Bayern, das sich mit 3,5 % begnügt, da stimmen die Verhältnisse nicht, und das liegt nicht an den Bayern !

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