eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
So, 09:06 Uhr
01.03.2026
Heimatgeschichte

Das Erbe jüdischer Bürger in Bleicherode

Was wäre aus Bleicherode geworden ohne die Leistung der jüdischen Unternehmer? Dieser Frage geht Heimatforscher Dr. Dirk Schmidt nach und erinnert an die beiden Fabrikanten Samuel Rothenberg und Felix Helft...

Die Verfolgung der Deutschen jüdischen Glaubens, die Vernichtung der Synagoge in der Obergebraer Straße in Beicherode, die Vertreibung und letztlich die Shoah sind auf Dauer ein Schandfleck in unserer Geschichte.

Portrait des Fabrikanten Samuel Rothenberg. (Foto: Repro: Dirk Schmidt) Portrait des Fabrikanten Samuel Rothenberg. (Foto: Repro: Dirk Schmidt)
Eine historische Hypothek. Aber um so mehr muss daneben die Erinnerung an die Leistung dieser Menschen wach bleiben, die sich bis heute auswirkt.

Was wäre aus Bleicherode geworden ohne die Leistung der jüdischen Unternehmer? Wie sähe das Stadtbild wohl aus ohne die von ihnen errichteten Wohnhäuser und Webereibauten? Wie hat sich der Lebensstandard in der Stadt durch ihre Initiative und ihr Wirken entwickelt, der ab zirka 1900 sicher vor allem durch den Aufbau des Kaliwerks gefördert wurde?

Neben dem Gedanken an die Verbrechen der Verfolgung muss die Erinnerung an die Leistung der jüdischen Bürger stehen, die mit der mechanischen Webereiindustrie den ersten Industrialisierungsschub nach Bleicherode brachten.

Dazu gehört das Zusammenleben mit der christlichen Gesellschaft. Die Koopertion zwischen Bürgern christlichen und jüdischen Glaubens war ein wichtiger Beitrag für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Die jüdischen Bürger waren im gesellschaftlichen Leben aktiv. Fritz Beyth gründete den Männerturnverein, dessen Ehrenpräsident er später wurde. Samuel Rothenberg und Felix Helft waren hoch respektierte Stadtverordnete.

Todesanzeige zum Ableben von Felix Heldt.  (Foto: Repro: Dirk Schmidt) Todesanzeige zum Ableben von Felix Heldt. (Foto: Repro: Dirk Schmidt)
Rothenberg wurde 1908 Ehrenbürger der Stadt und wurde mit dem Roten Adlerorden ausgezeichnet, jahrelang war er Stadtverordneter und Vorsitzender des Stadtparlaments. Der Fabrikant und Stadtverordnete Felix Helft erhielt nach seinem plötzlichen Tod 1917 von der Stadt einen beeindruckenden Nachruf, in dem es unter anderem hieß: …mit seinen kommunalpoltischen Leistungen und seiner Opferwilligkeit für soziale Einrichtungen habe „er sich nicht nur ein ehrendes Andenken gesichert, sondern auch ein bleibendes Denkmal für alle Zeiten gesetzt“.

Portrait des Fabrikanten Felix Helft (Foto: Repro: Dirk Schmidt) Portrait des Fabrikanten Felix Helft (Foto: Repro: Dirk Schmidt) Bleicherode war ihre Heimat, oft seit Generationen. Sie identifizierten sich mit der Stadt. Helft und Rothenberg spendeten zum Beispiels jeweils 10.000 Goldmark für den Bau des Krankenhauses.

Im allgemeinen Vereins- und Gesellschaftsleben waren die jüdischen Familien integriert. Ihren nationalen Pflichten kamen sie nach, sie leisteten Militärdienst. Hans Frühberg war im Ersten Weltkrieg 1914-18 dekorierter Offizier. In dem Krieg fielen drei jüdische Bleicheröder: Beyth, Rothenberg, Schönheim.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wurde maßgebend bestimmt durch die Gründung der mechanischen Webereien. Unternehmer waren Schlesinger, Schönheims Wwe. ( Samuel
Rothenberg), Carl Helft. Die folgenden Verarbeitungsbetriebe wie die Nähereien und Bekleidungsbetriebe Michaelis und Katz komplettierten die Produktion. Hunderte von Arbeitsplätzen entstanden, vor allem auch für Frauen.

Das Stadtbild veränderte sich durch den wirtschaflichen Aufschwung. Die jüdischen Unternehmer errichteten große stattliche und moderne Bauten, deren Anzahl noch heute das Stadtbild prägt, auch
mit moderner Architektur in der Nordhäuser Straße, am Bahnhof, in der Haupt-, Linden-, Burg-, Löwentor-, Niedergebraer- und Obergebraer Straße. Erwähnt werden muss die zerstörte große Synagoge in der Obergebraer Straße. Hinzu kommen die Wirtschaftsbauten im Stadtbereich.
Anzeige Refinery (lang)

Diese Aktivitäten hatten zugleich Signal- und Vorbildwirkung für weitere Bauvorhaben. Felix Helft engagierte sich maßgebend für die Planung der Bahnstrecke Bleicherode-Herzberg. Die Erinnerung an diese wirtschaftliche und gesellschaftliche Leistung der jüdischen Einwohner von Bleicherode zum Wohl der Stadt könnte intensiver sein. Es darf nicht nur um ihre Verfolgung gehen, der jüdische Beitrag zur Entwicklung der Stadt darf nicht vergessen werden. Es ist beipspielsweise schwer verständlich, dass von dem langjährigen Stadtverordnetenvorsteher, Träger des Roten Adlerordens,
Mäzen und 1908 Ehrenbürger gewordenen Samuel Rothenberg keine Rede mehr ist. Es gibt in den Archiven auch keine Unterlagen über ihn oder Fotos von ihm. Seine Beisetzung im November 1935
erfolgte sang- und klanglos. Die Teilnahme wurde untersagt (Geheimberichte des Bürgermeisters). Es galten bereits die berüchtigten „Nürnberger Gesetze“. Die Nazis hatten dafür gesorgt: Keine Beteiligung, keine Presse. Kein Dank. Felix Helft ist vergessen und bekam kein „bleibendes Denkmal für alle Zeiten.“ Alles heute: peinlich.
Dr. Dirk Schmidt
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)