Sa, 09:15 Uhr
09.05.2026
Nordhäuser Wohnungsunternehmen wird 75 Jahre
SWG dankt zum Jubiläum Mietern: "Ohne Sie, kein wir"
Die SWG Nordhausen feierte am Freitagabend ihren 75. Geburtstag mit einer besonderen Zeitreise in der Altendorfer Kirche. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Mieter...
Ingrid und Manfred Jakob leben seit 73 Jahren in einer SWG-Wohnung am Bebel-Platz. SWG-Chefin Inge Klaan zeichnet sie dafür aus. (Foto: ssc)
Eine ältere Dame im grauen Bademantel und mit Lockenwicklern im Haar. Strickend vertieft saß sie in einem gelben Ohrensessel. Dass es sich dabei um SWG-Chefin Inge Klaan handelte, bemerkten die meisten der rund 80 Gäste in der Altendorfer Kirche erst auf den zweiten Blick. Dorthin hatte das kommunale Unternehmen am Freitagabend anlässlich seines 75. Geburtstages zu einer Festveranstaltung geladen.
Für 15 Minuten wurde Klaan zu Oma Hilde aus der Hesseröder Straße. Prokurist Pascal Wetzler spielte ihren Enkel Felix. In einem Küchentisch-Gespräch der beiden wurde nicht nur ein persönliches Leben in einer SWG-Wohnung erzählt, sondern auch ein Stück Nordhäuser Stadtgeschichte lebendig.
Wenn die Geschäftsführerin und der Prokurist in Kostüme schlüpfen und die Geschichte der SWG anhand des Lebens einer Mieterin erzählen. (Foto: ssc)
Von Kindesbeinen an lebte Oma Hilde in derselben Wohnung und übernahm sie später von ihren Eltern. Heute lebt die über 90-Jährige allein in der Vier-Raum-Wohnung. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie noch immer den großen Baum, den sie einst als Kind gepflanzt hat. Sie berichtete vom Krieg, der so viele Wohnungen in Nordhausen zerstörte. Verwandte wurden obdachlos und zogen mit in die Vier-Raum-Wohnung ein. Plötzlich lebten hier gleich mehrere Familien unter einem Dach, erzählt Klaan. Sie sprach von Toiletten, die sich mehrere Familien auf dem Flur teilen mussten, davon, dass Mieter früher die Miete selbst in der Hausgemeinschaft einsammelten, und vom schwierigen Neubeginn nach dem Krieg. Wohnraum wurde nur mit entsprechender Berechtigung vergeben. Manchmal mussten Familien bis zu drei Jahre auf eine Wohnung warten. Wer Kinder hatte, wurde bevorzugt. Wer eine Wohnung bekam, entschied der Rat der Stadt Nordhausen. Ein Fakt, der bei den anwesenden Stadt- und Aufsichtsräten für Lachen sorgte.
Nach dem Krieg, in den 1950er-Jahren, war Wohnraum in der Rolandstadt knapp, viele Häuser zerstört. Aus dieser Situation entwickelte sich zunächst der VEB Kommunale Wohnungsverwaltung, später die heutige SWG. Mit dem industriellen Wachstum Nordhausens entstanden Tausende Wohnungen, vor allem in Nord und Salza, später auch in Ost. Wer damals eine moderne, fernbeheizte Wohnung bekam, konnte sich glücklich schätzen. Dennoch blieb die Nachfrage stets größer als das Angebot. Bis zur politischen Wende 1990 wurden in Nordhausen nach dem Krieg rund 15.000 Wohnungen gebaut. Gereicht haben sie dennoch nie. Zwischenzeitlich gab es sogar einen Zuzugsstopp in die Rolandstadt.
Klaan berichtete außerdem von Arbeitsstunden, die geleistet werden mussten, bevor man in eine dieser modernen Wohnungen einziehen durfte. Stellen Sie sich vor, Sie müssten erst für die Abwasserleitungen ausschachten, bevor Sie einziehen dürfen. Heute unvorstellbar, sagte Klaan alias Oma Hilde.
Als Vorlage für Oma Hilde diente das Leben einer Mieterin, die tatsächlich seit 92 Jahren in derselben Wohnung in Nordhausen lebt. Leider war sie gesundheitlich verhindert und konnte heute nicht kommen, sagte Klaan. Doch auch andere Familien wohnen seit vielen Jahrzehnten und fast ihr ganzes Leben in Wohnungen der SWG. Sie wurden beim Festakt in der Altendorfer Kirche geehrt.
Wurden ausgezeichnet: Hans Bischleb (in Begleitung seiner Tochter), Anneliese Huijer (in Begleitung ihrer Tochter) sowie Ingrid und Manfred Jakob. Auf dem Foto fehlen: Reiner Pommer und Nobert Schulze. (Foto: ssc)
Ingrid und Manfred Jakob beispielsweise. Sie sind seit 73 Jahren am Bebel-Platz zu Hause. Reiner Pommer wohnt seit 68 Jahren in einer Wohnung der SWG und übernahm einst den Mietvertrag seiner Eltern. Weg von hier wollte ich nie, sagt der Rentner. Auch Familie Bischleb, Nobert Schulze sowie Anneliese Huijer leben seit 62, 70 beziehungsweise 69 Jahren in einer Wohnung der SWG. Sie alle erhielten einen hölzernen Stadtplan mit den Koordinaten ihres Zuhauses. Ohne Sie, kein Wir, sagte Klaan. Ohne all die Mieter hätte das Unternehmen nicht so erfolgreich werden können.
Die enge Bindung der SWG zur Stadt besteht seit Beginn: 1951 wurde das SWG-Vorgängerunternehmen, die VEB Kommunale Wohnungsverwaltung (KVW), unter Regie der Stadt Nordhausen gegründet. 40 Jahre später entstand daraus die heutige SWG. Aufsichtsratschef und Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) bezeichnete das Unternehmen als Vorreiterin und Stadtgestalterin.
Heute bewirtschaftet die SWG rund 5000 Wohnungen in allen Stadtgebieten und bietet etwa 15.000 Menschen in der Rolandstadt ein Zuhause. Rund 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen jährlich. Rund fünf Millionen fließen jedes Jahr in die Instandhaltung, weitere 10 bis 15 Millionen Euro in die Sanierung, so Buchmann.
Michael Kube, Prüfungsdirektor beim Verband Thüringer Wohnungswirtschaft, sagte in seiner Festrede: Wir feiern 75 Jahre SWG und damit auch ein Stück Stadtgeschichte. Bei der Prüfung der SWG-Wirtschaftsunterlagen könne er immer sehr gut schlafen. Das Unternehmen sei wirtschaftlich stabil. Die durchschnittliche Miete liege bei 5,42 Euro pro Quadratmeter. Kube: Bezahlbarer Wohnraum ist hier Realität. Die SWG sei ein Unternehmen, das auf die vielen derzeitigen Herausforderungen nicht nur reagiere, sondern agiere. Die Zukunft ist bei Ihnen in guten Händen.
Die Festveranstaltung in der Altendorfer Kirche war nur der Auftakt der Feierlichkeiten: Öffentlich wird am Samstag, dem 13. Juni, im Rahmen des Nordhäuser Rolandsfestes mit einem großen Familien- und Kinderfest auf dem Petersberg gefeiert. Höhepunkt ist das Konzert der Band Juli. Es ist für alle kostenlos.
Susanne Schedwill
Autor: ssc
Ingrid und Manfred Jakob leben seit 73 Jahren in einer SWG-Wohnung am Bebel-Platz. SWG-Chefin Inge Klaan zeichnet sie dafür aus. (Foto: ssc)
Für 15 Minuten wurde Klaan zu Oma Hilde aus der Hesseröder Straße. Prokurist Pascal Wetzler spielte ihren Enkel Felix. In einem Küchentisch-Gespräch der beiden wurde nicht nur ein persönliches Leben in einer SWG-Wohnung erzählt, sondern auch ein Stück Nordhäuser Stadtgeschichte lebendig.
Wenn die Geschäftsführerin und der Prokurist in Kostüme schlüpfen und die Geschichte der SWG anhand des Lebens einer Mieterin erzählen. (Foto: ssc)
Nach dem Krieg, in den 1950er-Jahren, war Wohnraum in der Rolandstadt knapp, viele Häuser zerstört. Aus dieser Situation entwickelte sich zunächst der VEB Kommunale Wohnungsverwaltung, später die heutige SWG. Mit dem industriellen Wachstum Nordhausens entstanden Tausende Wohnungen, vor allem in Nord und Salza, später auch in Ost. Wer damals eine moderne, fernbeheizte Wohnung bekam, konnte sich glücklich schätzen. Dennoch blieb die Nachfrage stets größer als das Angebot. Bis zur politischen Wende 1990 wurden in Nordhausen nach dem Krieg rund 15.000 Wohnungen gebaut. Gereicht haben sie dennoch nie. Zwischenzeitlich gab es sogar einen Zuzugsstopp in die Rolandstadt.
Klaan berichtete außerdem von Arbeitsstunden, die geleistet werden mussten, bevor man in eine dieser modernen Wohnungen einziehen durfte. Stellen Sie sich vor, Sie müssten erst für die Abwasserleitungen ausschachten, bevor Sie einziehen dürfen. Heute unvorstellbar, sagte Klaan alias Oma Hilde.
Als Vorlage für Oma Hilde diente das Leben einer Mieterin, die tatsächlich seit 92 Jahren in derselben Wohnung in Nordhausen lebt. Leider war sie gesundheitlich verhindert und konnte heute nicht kommen, sagte Klaan. Doch auch andere Familien wohnen seit vielen Jahrzehnten und fast ihr ganzes Leben in Wohnungen der SWG. Sie wurden beim Festakt in der Altendorfer Kirche geehrt.
Wurden ausgezeichnet: Hans Bischleb (in Begleitung seiner Tochter), Anneliese Huijer (in Begleitung ihrer Tochter) sowie Ingrid und Manfred Jakob. Auf dem Foto fehlen: Reiner Pommer und Nobert Schulze. (Foto: ssc)
Die enge Bindung der SWG zur Stadt besteht seit Beginn: 1951 wurde das SWG-Vorgängerunternehmen, die VEB Kommunale Wohnungsverwaltung (KVW), unter Regie der Stadt Nordhausen gegründet. 40 Jahre später entstand daraus die heutige SWG. Aufsichtsratschef und Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) bezeichnete das Unternehmen als Vorreiterin und Stadtgestalterin.
Heute bewirtschaftet die SWG rund 5000 Wohnungen in allen Stadtgebieten und bietet etwa 15.000 Menschen in der Rolandstadt ein Zuhause. Rund 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen jährlich. Rund fünf Millionen fließen jedes Jahr in die Instandhaltung, weitere 10 bis 15 Millionen Euro in die Sanierung, so Buchmann.
Michael Kube, Prüfungsdirektor beim Verband Thüringer Wohnungswirtschaft, sagte in seiner Festrede: Wir feiern 75 Jahre SWG und damit auch ein Stück Stadtgeschichte. Bei der Prüfung der SWG-Wirtschaftsunterlagen könne er immer sehr gut schlafen. Das Unternehmen sei wirtschaftlich stabil. Die durchschnittliche Miete liege bei 5,42 Euro pro Quadratmeter. Kube: Bezahlbarer Wohnraum ist hier Realität. Die SWG sei ein Unternehmen, das auf die vielen derzeitigen Herausforderungen nicht nur reagiere, sondern agiere. Die Zukunft ist bei Ihnen in guten Händen.
Die Festveranstaltung in der Altendorfer Kirche war nur der Auftakt der Feierlichkeiten: Öffentlich wird am Samstag, dem 13. Juni, im Rahmen des Nordhäuser Rolandsfestes mit einem großen Familien- und Kinderfest auf dem Petersberg gefeiert. Höhepunkt ist das Konzert der Band Juli. Es ist für alle kostenlos.
Susanne Schedwill
























































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