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Mi, 17:00 Uhr
13.05.2026
Gedanken eines Desinteressierten

Ein Verein wie jeder andere

Wenn Wacker 90 in der letzten Zeit in die Schlagzeilen kam, dann meist nicht mit guten Nachrichten. Laufen die Dinge schlecht, steht der Fußballverein in ein paar Wochen vor dem Aus. Wie man an diesen Punkt gekommen ist, dazu kann man viel lesen, was bleibt ist aber die Frage, was für ein Verein das einstige Aushängeschild der Region eigentlich noch sein soll…

Ein Bild aus einer anderen Zeit: ein Wacker-Heimspiel gehörte für die nnz zum Pflichttermin (Foto: nnz-Archiv) Ein Bild aus einer anderen Zeit: ein Wacker-Heimspiel gehörte für die nnz zum Pflichttermin (Foto: nnz-Archiv)

Dieser Text sollte ein anderer werden. Eine Chronologie der letzten Wacker-Jahre aus Sicht derer, die sich für Fußball eher weniger interessieren. Die Nachlese eines Laien der, die Krümel des bröckelnden Vereins zusammenkehrend, auf die sich überstürzende Nachrichtenlage rund um Wacker blickt.

Material gibt es genug - Ultra-Ärger, Geisterspiel, Beben in der Führungsriege hier, da und dort, interne "Schlammschlacht" und schwere Vorwürfe der Spieler gegen die Vereinsführung, ein Vorstand auf dem Absprung, Verfahrenseröffnung gegen den Ex-Präsidenten, Abgang des amtierenden Vereinschefs, das drohende Aus des Vereins, sollte sich kein neuer Vorstand finden.

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Eine Gesprächsanfrage an die Vereinsführung bleibt - das ist symptomatisch - unbeantwortet, die Recherche im Umfeld des Vereins liefert bekannte, längst niedergeschriebene Argumente: die Zeit der Insolvenz war hart, der Weg zurück für den Vorstand schwere wie ehrenwerte „Drecksarbeit“, die sportliche Leistungsfähigkeit der 1. Mannschaft gleichwohl unbefriedigend, Netzwerkarbeit und Kommunikation quasi nicht vorhanden, Beratungsresistenz an der Spitze, aber auch Hoffnung für die Zukunft und einen Neustart.

Zu all dem wurde schon einiges geschrieben. Der Versuch hier noch etwas hinzuzufügen, muss fruchtlos bleiben und kann, nach einigem Ringen mit der Fülle des Themas, aufgegeben werden. Stattdessen rückt ein anderer Gedanke in den Vordergrund: Was ist Wacker heute eigentlich noch? Für die nnz, für die Stadt, für die Region.

Pflichttermin am AKS
Ein Wacker-Heimspiel, das war bei der nnz einmal ein Pflichttermin, auch der Fußball-Laie in der Redaktion musste da, im Anschein größtmöglicher Kompetenz und tatsächlich mangelhafter Kenntnis, im Live-Ticker berichten, wie der Ball von A nach B fliegt. Diese „Sonderbehandlung“ erfuhren sonst nur die Damen des Thüringer HC, wenn die in der Wiedigsburghalle dafür sorgten, dass die europäische Handball-Elite auflief oder wenn vereinzelte „Events“ wie das internationale Kugelstoßen, Spitzensport in den Südharz brachten.

Dazu muss man wissen, dass unsere kleine nnz in Nordhausen seit langen von zwei Redakteuren „bespielt“ wird, die sich um alles kümmern, auch um den Sport und entsprechend ihrer Zeit und Kraft Gewichten müssen. Wacker war in diesem Sinne lange „Schwergewicht“ ist inzwischen aber, so ehrlich wollen wir sein, federleicht geworden. Die Tage da man die Spiele von der Sprecherkanzel aus live mitverfolgt hat, sind lang vergangen, nicht jede Wacker-Partie schafft es heute bis in die nnz und schon gar nicht bis zum „Aufmacher“ und das hat seine Gründe.

Eine Ursache findet sich Redaktionsintern. Mit den Herren Greiner und Schulze hatten wir ausgemachte Fußball- und Wacker-Fans in den eigenen Reihen, die oft ein Ohr am Verein hatten, nun aber ihren verdienten (Teil-) Ruhestand genießen und die von der Berichterstattung im Alltag wie auch dem sportlichen Geschick Wackers mehr Abstand genommen haben. Es verbleiben die Fußball-Laien Glashagel und Schedwill, denen der Kick um König Fußball nur nachrangig durch den Hinterkopf geistert und die gerade noch die Trikotfarbe der Mannschaft sicher benennen können, aber nicht viel mehr. Periodisch und oft zu spät stellt man in der Redaktion dann fest: Wir müssten mal wieder was zu Wacker machen.

Das sportliche Aushängeschild von einst ist auch aus der Disposition der Redakteure heraus und den sportlichen Mühen der Mannschaft sicher zu Unrecht, zum Nachgedanken geworden.

Ein Verein wie jeder andere?
Der Gedanke hebt sein Haupt vor allem dann, wenn der Verein bei den Kollegen mit eigener Sportredaktion in die Schlagzeilen kommt und das hat in der letzten Zeit selten auch wirklich sportliche Gründe gehabt. Ärger mit den Ultras, Ärger mit den Spielern, Abgang hier, Abgang da, unschöne Szenen am Spielfeldrand, ungewisse Zukunft allenthalben, etc., etc.

Daran knüpft sich die andere Seite der Münze - die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Die hat in den letzten Wochen wieder an Fahrt aufgenommen, mutmaßlich aber vor allem, weil das Vereins-Schiff, welches meist windstill mit gestrichenem Segel im sportlichen Alltag der Stadt lag, nun unter Volldampf in stürmischer See auf die Klippen zusteuert und zu zerschellen droht.

Derlei rege Aktivität an Bord war in der Post-Kleofas-Ära eher die Ausnahme, „Pressearbeit gleich Null“ fast Kollege Schulze seine Erfahrung der letzten Jahre zusammen, der Vorstand, der sich aus den alten Kreisklasse-Kadern der zweiten Mannschaft zusammenfand, habe den Weg in die Professionalität nie recht gefunden und „vor sich hin gewurschtelt“. Spielberichte aus dem Liga-Alltag muss sich die Redaktion mitunter aus der Live-Berichterstattung Dritter zusammen klauben, vom Verein sei außer Floskeln nicht viel gekommen, bei Anfragen wurde auf die Website verwiesen. In der jüngsten Pressemitteilung bittet der Verein unter anderem darum, dass "Öffentlichkeit und Presse nicht auf Grundlage von Vermutungen oder Unwahrheiten berichten", was schön und richtig ist, aber auch voraussetzt, dass man selber nach außen kommuniziert - zur Presse, zur allgemeinen Öffentlichkeit und zu den Fans und das passierte, wenn überhaupt, nur spärlich.

Das Fundament solcher Hybris mag sich im Abglanz der Regionalliga-Jahre finden, eine gewisse Arroganz habe mancher dem Verein aber schon in den längst vergangenen „Motor“-Ära und der Zeit in der DDR-Liga nachgesagt, erzählt der Kollege, der einst selbst aktiv bei Wacker mitgewirkt hatte. Sollte der Verein wirklich den Bach runtergehen, es würde in Nordhausen nicht nur Tränen geben, meint Schulze.

Wacker hat sich der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit lange sicher sein können, inzwischen muss die Frage erlaubt sein, ob das „Gewicht“ des Vereins den lang gewohnten Sonderstatus noch rechtfertigt. Die Region erfreut sich an einer Fülle an Vereinen und den meisten gelingt es, ihre Aktivitäten und Erfolge, seien sie sportlicher Natur oder auch nicht, in die Öffentlichkeit zu tragen, auch durch eigene Zuarbeit an die Presse.

Wir müssten mal wieder was zu Wacker machen. Müssen wir? Ist Wacker heute nicht, Abseits der ganz und gar unsportlichen Schlagzeilen, ein Verein wie jeder andere? Hat der FSV die Aufmerksamkeit gegenüber all den anderen, engagierten und ehrenamtlich geführten Vereinen noch verdient? In den Gesprächen selbst mit Fußball-Enthusiasten neigt die Antwort darauf dem „Nein“ entgegen.

Die Frage möchten wir, zu guter Letzt, auch der Leserschaft stellen. Den Wacker-Fans und denen, die mit Fußball nichts am Hut haben. Was soll Wacker sein? Ein Verein wie jeder andere oder das Aushängeschild von einst, das wieder hochgepäppelt werden muss?
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Alex Gösel
13.05.2026, 18:15 Uhr
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