Do, 17:12 Uhr
28.05.2026
Baustellenbesuch am Theater
Hinter den Kulissen
Erst der Besuch von Thüringens Kulturminister Christian Tischner (CDU) machte es möglich: Journalisten durften heute erstmals einen Blick in Nordhausens größte Baustelle werfen. Wie stark sich das Theater verändert hat...
Das Parkett ist bereits verlegt, wenn auch noch sorgfältig abgedeckt. Maler spachteln und streichen die Wände, während im großen, einst babyblauen Theatersaal inzwischen ruhige Grün- und Beigetöne dominieren. Noch steht das sechsetagige Gerüst, das bis unter die Decke reicht. Dorthin, wo später wieder der große Kronleuchter hängen soll. Doch schon bald soll abgerüstet werden. Gleiches gilt für die Fassade des Theaters, an der das Gerüst noch im Juni verschwinden wird.
Auf allen Etagen des 1910 erbauten Nordhäuser Theaters wird derzeit noch gearbeitet. Von oben nach unten nimmt der Fertigstellungsgrad kontinuierlich ab. Im Keller haben wir noch einen Rohbau, sagt Architekt Mario Peters. Knapp ein Jahr liegt man inzwischen mit dem zweiten Bauabschnitt, der die Sanierung des Bestandsgebäudes umfasst, im Verzug. Erst in der vergangenen Woche musste Theaterintendant Daniel Klajner deshalb verkünden, dass eine Wiedereröffnung des Theaters erst im Herbst 2027 erfolgen wird.
Ministerbesuch öffnet erstmals die Großbaustelle
Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Christian Tischner (CDU) (Foto: agl)
Einen Einblick in den aktuellen Stand der Sanierung gab es am Donnerstagnachmittag allerdings nur wegen hohen Besuchs: Thüringens Bildungs- und Kulturminister Christian Tischner machte im Rahmen seiner Thüringen-Tour Station am Nordhäuser Theater. Erst durch seinen Besuch öffnete sich die Baustelle erstmals auch für Journalisten.
Ich will mir in diesem Jahr alle Theater im Freistaat anschauen, begründete Tischner sein Interesse. Wohlmöglich wollte er sich dabei auch ansehen, wie die Fördermittel verbaut werden, die das Land Thüringen für die Theatersanierung zur Verfügung stellt.
Rund 44 Millionen Euro wird die Sanierung des Theaters kosten. Mit inbegriffen sind die komplett neue Technik für Haus und Bühne, aber auch der Neubau, in dem sich die Interimsspielstätte befindet. 75 Prozent der Baukosten übernimmt das Land Thüringen.
Kosten fast verdoppelt und viele Überraschungen im Bestand
Architekt Mario Peters (Foto: agl)
Dass sich die Kosten seit 2019 nahezu verdoppelt haben, habe verschiedene Gründe. Zum einen seien die Baupreise nach Corona-Pandemie und Ukrainekrieg massiv gestiegen. Zum anderen bringe das Bauen im Bestand immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Hier erlebt man immer Überraschungen, sagte Nordhausens Bauamtschef Kay Alert.
Tatsächlich sei deutlich mehr gemacht worden als ursprünglich vorgesehen. So mussten unter anderem Decken in den Toilettentrakten und an der Seitenbühne erneuert werden, weil sie statisch nicht mehr ausreichend tragfähig gewesen seien. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen. Die Ränge wiederum hätten sich zwar als statisch sicher erwiesen, doch allein deren Prüfung habe deutlich mehr Zeit und Geld gekostet als ursprünglich eingeplant.
Die neue Bühnentechnik wurde über den Theaterbrettern eingehangen, was im Vergleich zu früher auch Platz am Boden spart (Foto: agl)
Besonders aufwendig waren die Arbeiten im Untergrund. Der Keller, der bislang recht verschachtelt und vergleichsweise flach war, musste rund einen Meter tief ausgeschachtet werden, um anders genutzt werden zu können. Gleichzeitig musste das gesamte Gebäude neu abgestützt werden, weil beim Ausschachten deutlich wurde, dass die einzelnen Stützen teilweise kein richtiges Fundament hatten. Das alte Haus hat einmal neue Füße bekommen, bringt es Architekt Mario Peters auf den Punkt.
Peters betonte, man habe nicht nur das Nötigste gemacht, gleichzeitig aber auch keine goldenen Türgriffe verbaut. Wir haben hier keinen Mercedes, sagte er. Im Vergleich zu anderen Theatern, deren Sanierungen noch teurer gewesen seien, habe man in Nordhausen viele neue Funktionen und einen erheblichen Mehrwert geschaffen.
Der 2023 eröffnete Neubau diene derzeit als Interimsspielstätte. Dadurch habe man auf ein Zelt als Übergangslösung verzichten können, sagte Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann. Nach Abschluss der Sanierung im Haupthaus sollen außerdem alle derzeit noch dezentralen Theaterbereiche wie Werkstätten und die Probenbühnen für das Ballett dann erstmals im Theater zusammengeführt werden.
Neue Bühnentechnik für vier Millionen Euro
Wie stark sich das über 100 Jahre alte Theater technisch verändert, zeigt allein der Blick auf die neue Bühnentechnik. Mehr als vier Millionen Euro fließen in diesen Bereich, also rund zehn Prozent der gesamten Baukosten. Wo früher vieles noch per Hand betrieben wurde, sorgen künftig mehr als 20 elektrische Züge für moderne Bühnenabläufe.
Zusätzlich wurde eine Drehbühne eingebaut, die in den ursprünglichen Planungen noch gar nicht vorgesehen war. Auch der Orchestergraben wurde deutlich erweitert. Künftig soll dort das komplette Loh-Orchester Platz finden. Zudem ist die Vorbühne hydraulisch absenkbar.
Für den Brandschutz entstand unter der Bühne zudem ein großer Wassertank für die Sprühflutanlage. Auch die Lüftungsanlage im großen Zuschauerraum wurde komplett erneuert. Sie befindet sich künftig unter den Sitzen, sodass es im Saal nicht mehr so stickig werden soll.
Dämmung, Aufzug und neue Theaterkasse
Auch energetisch wurde das Theater modernisiert. Das Dach wurde komplett gedämmt und auch das war in den ursprünglichen Planungen noch nicht vorgesehen. Das sei nicht nur für die Energiebilanz des Hauses wichtig, sondern gerade auch für Aufführungen im Theater unterm Dach von großer Bedeutung. Im Sommer konnte es dort bislang unerträglich heiß werden. Diese Zeiten sollen nun vorbei sein.
Weitere Veränderungen betreffen die Infrastruktur des Hauses. So wird ein neuer Außenaufzug gebaut, um das Theater barriereärmer zu gestalten. Der alte Kassenbereich im Eingangsbereich des Hauses wurde zurückgebaut. Die Theaterkasse soll künftig im Keller untergebracht werden. An der Nordseite, wo sich früher auch das Theaterrestaurant befand.
Das Restaurant wiederum wechselt auf die gegenüberliegende Seite zur Stadtseite und soll dort künftig auch eine Terrasse erhalten.
Auch der Theaterplatz werde erschließungstechnisch noch einmal aufgewertet, sagte Kay Alert. Gemeint seien unter anderem neue Stromanschlüsse, die beispielsweise für Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt benötigt würden.
Eröffnung frühestens im Herbst 2027
Einen festen Eröffnungstermin gibt es bislang noch nicht. Klar ist lediglich, dass das Theater mit Beginn der Spielzeit 2027 im Herbst den Spielbetrieb in der altehrwürdigen Spielstätte wieder aufnehmen soll. Womit die Wiedereröffnung gefeiert wird, verriet Intendant Daniel Klajner noch nicht. Nur so viel: Beethoven könnte dabei eine Rolle spielen.
Minister Christian Tischner kündigte bereits an, zur Eröffnung wieder nach Nordhausen kommen zu wollen. Von den Bauarbeiten zeigte sich der 44-Jährige beeindruckt. Aus einem bekannten Ort entsteht etwas ganz Neues und ein Anziehungspunkt für ganz Nordthüringen.
Susanne Schedwill
Autor: redDas Parkett ist bereits verlegt, wenn auch noch sorgfältig abgedeckt. Maler spachteln und streichen die Wände, während im großen, einst babyblauen Theatersaal inzwischen ruhige Grün- und Beigetöne dominieren. Noch steht das sechsetagige Gerüst, das bis unter die Decke reicht. Dorthin, wo später wieder der große Kronleuchter hängen soll. Doch schon bald soll abgerüstet werden. Gleiches gilt für die Fassade des Theaters, an der das Gerüst noch im Juni verschwinden wird.
Auf allen Etagen des 1910 erbauten Nordhäuser Theaters wird derzeit noch gearbeitet. Von oben nach unten nimmt der Fertigstellungsgrad kontinuierlich ab. Im Keller haben wir noch einen Rohbau, sagt Architekt Mario Peters. Knapp ein Jahr liegt man inzwischen mit dem zweiten Bauabschnitt, der die Sanierung des Bestandsgebäudes umfasst, im Verzug. Erst in der vergangenen Woche musste Theaterintendant Daniel Klajner deshalb verkünden, dass eine Wiedereröffnung des Theaters erst im Herbst 2027 erfolgen wird.
Ministerbesuch öffnet erstmals die Großbaustelle
Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Christian Tischner (CDU) (Foto: agl)
Einen Einblick in den aktuellen Stand der Sanierung gab es am Donnerstagnachmittag allerdings nur wegen hohen Besuchs: Thüringens Bildungs- und Kulturminister Christian Tischner machte im Rahmen seiner Thüringen-Tour Station am Nordhäuser Theater. Erst durch seinen Besuch öffnete sich die Baustelle erstmals auch für Journalisten.Ich will mir in diesem Jahr alle Theater im Freistaat anschauen, begründete Tischner sein Interesse. Wohlmöglich wollte er sich dabei auch ansehen, wie die Fördermittel verbaut werden, die das Land Thüringen für die Theatersanierung zur Verfügung stellt.
Rund 44 Millionen Euro wird die Sanierung des Theaters kosten. Mit inbegriffen sind die komplett neue Technik für Haus und Bühne, aber auch der Neubau, in dem sich die Interimsspielstätte befindet. 75 Prozent der Baukosten übernimmt das Land Thüringen.
Kosten fast verdoppelt und viele Überraschungen im Bestand
Architekt Mario Peters (Foto: agl)
Dass sich die Kosten seit 2019 nahezu verdoppelt haben, habe verschiedene Gründe. Zum einen seien die Baupreise nach Corona-Pandemie und Ukrainekrieg massiv gestiegen. Zum anderen bringe das Bauen im Bestand immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Hier erlebt man immer Überraschungen, sagte Nordhausens Bauamtschef Kay Alert.Tatsächlich sei deutlich mehr gemacht worden als ursprünglich vorgesehen. So mussten unter anderem Decken in den Toilettentrakten und an der Seitenbühne erneuert werden, weil sie statisch nicht mehr ausreichend tragfähig gewesen seien. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen. Die Ränge wiederum hätten sich zwar als statisch sicher erwiesen, doch allein deren Prüfung habe deutlich mehr Zeit und Geld gekostet als ursprünglich eingeplant.
Die neue Bühnentechnik wurde über den Theaterbrettern eingehangen, was im Vergleich zu früher auch Platz am Boden spart (Foto: agl)
Peters betonte, man habe nicht nur das Nötigste gemacht, gleichzeitig aber auch keine goldenen Türgriffe verbaut. Wir haben hier keinen Mercedes, sagte er. Im Vergleich zu anderen Theatern, deren Sanierungen noch teurer gewesen seien, habe man in Nordhausen viele neue Funktionen und einen erheblichen Mehrwert geschaffen.
Der 2023 eröffnete Neubau diene derzeit als Interimsspielstätte. Dadurch habe man auf ein Zelt als Übergangslösung verzichten können, sagte Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann. Nach Abschluss der Sanierung im Haupthaus sollen außerdem alle derzeit noch dezentralen Theaterbereiche wie Werkstätten und die Probenbühnen für das Ballett dann erstmals im Theater zusammengeführt werden.
Neue Bühnentechnik für vier Millionen Euro
Wie stark sich das über 100 Jahre alte Theater technisch verändert, zeigt allein der Blick auf die neue Bühnentechnik. Mehr als vier Millionen Euro fließen in diesen Bereich, also rund zehn Prozent der gesamten Baukosten. Wo früher vieles noch per Hand betrieben wurde, sorgen künftig mehr als 20 elektrische Züge für moderne Bühnenabläufe.
Zusätzlich wurde eine Drehbühne eingebaut, die in den ursprünglichen Planungen noch gar nicht vorgesehen war. Auch der Orchestergraben wurde deutlich erweitert. Künftig soll dort das komplette Loh-Orchester Platz finden. Zudem ist die Vorbühne hydraulisch absenkbar.
Für den Brandschutz entstand unter der Bühne zudem ein großer Wassertank für die Sprühflutanlage. Auch die Lüftungsanlage im großen Zuschauerraum wurde komplett erneuert. Sie befindet sich künftig unter den Sitzen, sodass es im Saal nicht mehr so stickig werden soll.
Dämmung, Aufzug und neue Theaterkasse
Auch energetisch wurde das Theater modernisiert. Das Dach wurde komplett gedämmt und auch das war in den ursprünglichen Planungen noch nicht vorgesehen. Das sei nicht nur für die Energiebilanz des Hauses wichtig, sondern gerade auch für Aufführungen im Theater unterm Dach von großer Bedeutung. Im Sommer konnte es dort bislang unerträglich heiß werden. Diese Zeiten sollen nun vorbei sein.
Weitere Veränderungen betreffen die Infrastruktur des Hauses. So wird ein neuer Außenaufzug gebaut, um das Theater barriereärmer zu gestalten. Der alte Kassenbereich im Eingangsbereich des Hauses wurde zurückgebaut. Die Theaterkasse soll künftig im Keller untergebracht werden. An der Nordseite, wo sich früher auch das Theaterrestaurant befand.
Das Restaurant wiederum wechselt auf die gegenüberliegende Seite zur Stadtseite und soll dort künftig auch eine Terrasse erhalten.
Auch der Theaterplatz werde erschließungstechnisch noch einmal aufgewertet, sagte Kay Alert. Gemeint seien unter anderem neue Stromanschlüsse, die beispielsweise für Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt benötigt würden.
Eröffnung frühestens im Herbst 2027
Einen festen Eröffnungstermin gibt es bislang noch nicht. Klar ist lediglich, dass das Theater mit Beginn der Spielzeit 2027 im Herbst den Spielbetrieb in der altehrwürdigen Spielstätte wieder aufnehmen soll. Womit die Wiedereröffnung gefeiert wird, verriet Intendant Daniel Klajner noch nicht. Nur so viel: Beethoven könnte dabei eine Rolle spielen.
Minister Christian Tischner kündigte bereits an, zur Eröffnung wieder nach Nordhausen kommen zu wollen. Von den Bauarbeiten zeigte sich der 44-Jährige beeindruckt. Aus einem bekannten Ort entsteht etwas ganz Neues und ein Anziehungspunkt für ganz Nordthüringen.
Susanne Schedwill






















































