Warum faszinieren uns Krimis gerade dann, wenn die Welt da draußen ohnehin schon beängstigend genug ist? Das Mordsharz-Festival gibt darauf eine spannende Antwort und feiert sie im September an vier Abenden in Wernigerode, Goslar, Nordhausen und Walkenried...
Das Mordharz-Festival findet im September statt. (Foto: Veranstalter)Warum Mordsharz? Warum ist das Krimifestival für viele zwischen Wernigerode, Goslar, Nordhausen und Walkenried und auch weit darüber hinaus immer wieder ein kulturelles Highlight des Jahres? Sind Krimis und Thriller, in denen Angst ja nun auch oft eine zentrale Emotion ist, überhaupt noch zeitgemäß? Unsere Welt wird gefühlt immer unübersichtlicher und immer unsicherer. Kriege, auseinanderbrechende Wirtschaftsstrukturen, Angriffe auf die Gesellschaft, so wie wir sie kennen. All das macht uns in der realen Welt doch schon genug Angst.
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Tatsächlich geht die Psychologie davon aus, dass gerade darin einer der Gründe liegt, warum wir Krimis lesen. Ja, wenn beispielsweise eine Leiche in einem Wald gefunden wird und der Kommissar sich an die Aufklärung des Mordes macht, dann löst das in unserem Gehirn Adrenalin aus. Allerdings ist es eine Spannung ohne reales Risiko. Wir wissen auch, dass uns jenseits der Buchseiten nichts passieren kann.
Mehr noch: Wenn der Fall am Ende geklärt wird, dann stellt das eine Ordnung wieder her und bestärkt uns darin, dass das Gute am Ende siegt. Oft reicht schon eine klare Zuordnung in Gut und Böse, die unser Gerechtigkeitsempfinden stimuliert. Und noch viel früher kann uns das Geschehen im Krimi dabei helfen, unsere eigenen Ängste zu verstehen. Die natürliche Angst vor dem Bösen im nächtlichen Wald, bei psychologischen oder gesellschaftlich-politischen Krimis und Thrillern aber auch subjektive Ängste, die uns im Alltag befallen.
Natürlich ist es auch die Faszination für Abgründe, in der Welt oder in der menschlichen Seele. Beim Lesen aber wagen wir uns gefahrlos an die Klippe und sehen hinab. Das hilft uns, erweitert unser Verständnis und schärft unsere Empathie. Im Buch gelingt es uns, diverse Schrecken zu greifen und beim Zuklappen letztlich zwischen den Buchdeckeln einzusperren. All das hilft unserem Gehirn, weil es Struktur und Erklärungen in die Unsicherheit bringt, die wir im echten Leben oft viel schwerer erkennen können.
Krimis erzeugen also Adrenalin, aber in einem überschaubaren Rahmen. Das Adrenalin spüren wir als Mordsharz-Team nicht nur beim Lesen von Krimis selbst, sondern auch in der Vorbereitung des Festivals. Das ist Jahr für Jahr ebenfalls ein Krimi, wenn wir – Christoph Lampert, Roland Lange, Andreas Sack und Christian Dolle – uns auf die Suche nach besonders spannenden Büchern und interessanten Autor*innen machen.
Den gewohnten Rahmen versuchen wir dabei aber immer wieder zu verlassen. Sicher gibt es die sogenannten Wiederholungstäter wie in diesem Jahr den sechsfachen Preisträger des Deutschen Krimipreises, Oliver Bottini, der 2018 schon einmal bei Mordsharz war, Peter Godazgar, den wir im vorletzten Jahr erleben durften, oder auch Julia Nachtmann, die schon mehreren Mordsharz-Autorinnen ihre deutsche Stimme lieh. Außerdem natürlich Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock als Gewinner des Harzer Hammers 2025, die in diesem Jahr ihr neuestes Buch vorstellen.
Darüber hinaus suchen wir aber auch immer nach neuen Gesichtern, den aufstrebenden Stars des europäischen Krimis und nach Büchern, die das Genre auf ihre Art erweitern. Camilla Sten ist in diesem Jahr erstmals beim Festival dabei, ebenso Andrea Mara und Anne Stern. Auch bei Jan Beck, Åsa Hellberg oder Monalishan Santhalingam sind wir gespannt, was genau uns und euch erwartet. Roland Lange, der sozusagen der Vater von Mordsharz ist, wird ebenfalls dabei sein und seine neue Krimireihe vorstellen, die sich deutlich von seinen bisherigen Werken unterscheidet. Auf jeden Fall sind wir dankbar, dass wir den Rahmen des Festivals immer noch in verschiedene Richtungen erweitern können.
Letztlich hat Lesen ja immer auch mit Neugier zu tun. Mit der Lust auf etwas Neues, auf das Unbekannte und auf positive Überraschungen – und damit ist nicht nur der Harzer Hammer gemeint. Jedes Buch erweitert den Horizont, ist kulturelle Bildung und ein Herangehen an Themen, die uns helfen können, die Welt da draußen besser zu verstehen.
Darauf freuen wir uns auch in diesem Jahr und laden Sie und Euch ein, in unserem kleinen Safe Space gemeinsam der negativen Stimmung des Alltags zu trotzen und diese Spannung ohne reales Risiko zu erleben.
Das gesamte Programm
Wernigerode (Remise), Mittwoch, 16. September