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Sa, 18:05 Uhr
06.06.2026
Seltene Pflanzen im Südharz

Spezieller Artenschutzeinsatz beim Katzenpfötchen

Im Landkreis Nordhausen kämpft das Gewöhnliche Katzenpfötchen ums Überleben. Eine Art, die einst auf Waldwiesen und Heiden als Allerweltspflanze galt. Jetzt zählt sie in Thüringen zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Ehrenamtliche Artenschützer waren jetzt stundenlang in einem Naturschutzgebiet im Einsatz und die Rettung hängt ausgerechnet von der Emanzipation ab...
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Händisches Grasrupfen gestern zur Erhaltung des Gewöhnlichen Katzenpfötchens. Das ist ökologische Basisarbeit im Wortsinne. (Foto: Bodo Schwarzberg)

Stadt und Landkreis Nordhausen sind reich an floristischen Schätzen. Ein Schatz heißt Gewöhnliches Katzenpfötchen. Um dieses erhalten zu können, ist die Emanzipation beider Geschlechter gefragt. Es gibt nur wenige Pflanzenarten in Deutschland, die lang- und kurzfristig so stark zurückgingen bzw. -gehen, wie das Gewöhnliche Katzenpfötchen. Für die alten Nordhäuser Botaniker Carl Angelrodt und Adolf Vocke war die Art noch eine Allerweltspflanze: „Waldwiesen, Triften und Heiden, häufig“, schrieben sie 1886 in ihrer „Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend.“ An den von ihnen dann angegebenen Örtlichkeiten ist sie heute jedoch nicht mehr zu finden.
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In einigen Bundesländern wird heute mit großem Aufwand versucht, die letzten Exemplare des Katzenpfötchens durch Vermehrungsprogramme und Biotoppflege zu erhalten. Oftmals vergeblich. Denn hat man wie so oft zu lange gewartet und dem Rückgang zugesehen, liegt die Populationsgröße irgendwann unter einem kritischen Schwellenwert, dann ist es für eine Trendumkehr mitunter schon zu spät. Der ökologische Begriff „Flaschenhalseffekt“ drückt das Phänomen treffend aus. Seit 2021 gilt die Art in Thüringen als "vom Aussterben bedroht" (Rote Liste 1)

Auch im Landkreis Nordhausen, bisher noch eine Insel mit mehreren Vorkommen inmitten einer zunehmenden Katzenpfötchen-Wüste, geht die Art tendenziell weiter zurück, jedoch haben wir hier zumindest noch ein großes, besonders wertvolles Vorkommen: Denn in ihm gibt es noch „Männer und Frauen“ dieser Art, männliche und weibliche Pflanzen. An den meisten anderen, überwiegend schon stark geschrumpften Vorkommen zwischen Stempeda und Branderode sind nur noch weibliche Exemplare vorhanden.
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Die Anwesenheit beider Geschlechter ist für das Korbblütengewächs Katzenpfötchen (Antennaria dioica) überlebenswichtig: Hier sind zwei weißliche männliche und zahlreiche rosafarbene weibliche Pflanzen zu sehen. (Foto: Achiv: Bodo Schwarzberg)

Denn das Katzenpfötchen ist zweihäusig. Nur wenn die staubfeinen Pollen männlicher Pflanzen die Griffel weiblicher Pflanzen erreichen, können letztere Früchte bilden, die entscheidend für die geschlechtliche Fortpflanzung, und damit für die Sicherung des Genotyps sind. Nur so ist die Zukunft einer Population langfristig sicher.

Fehlt eines der beiden Geschlechter, tickt die biologische Uhr, denn allein durch die vorhandenen Ausläufer, also die vegetative Fortpflanzung, ist ein Vorkommen kaum dauerhaft sicher in seiner Umwelt.
Derzeit ist das unscheinbare Katzenpfötchen am Verblühen, aber immerhin noch besser zu erkennen als ohne seine rosafarbenen oder weißen Blütenstände. Wir nutzten die Chance, kartierten in einem Naturschutzgebiet des Landkreises erneut die rund zehn noch vorhandenen Teilbestände, rupften alten Rasenfilz ab, und mähten kleinflächig zu dichten Rasen in ihrer nächsten Umgebung. Denn zur erfolgreichen Keimung müssen die nussartigen kleinen Früchte mit ihrem „Löwenzahn“-schirmchen offenen Boden erreichen können. Die seitwärts ausstreichenden vegetativen Triebe benötigen solche Bodenlücken auch, um einwurzeln zu können. - Daher mussten wir jetzt aktiv werden.
Wir stießen mehrfach auf Rosetten im tiefen, verfilzten Gras, die auf Dauer keine Überlebenschance haben.Wie ein tödlicher Kranz schiebt sich die zu dichte Pflanzendecke über Jahre hinweg immer weiter in Richtung der kleinen Rosetten. Dann wird der Bestand lückiger, bis er tief unten im schattig- dichten Rasen zusammenbricht.

Fehlende oder zu intensive Bewirtschaftung sowie die allgegenwärtigen Nährstoffeinträge aus der Luft, durch Düngerverdriftung und Verbrennungsprozesse, sind die Hauptursachen für den Rückgang der Art von wohl mindestens 90 Prozent in nur wenigen Jahrzehnten, für die zunehmende Verfilzung der Bestände, für den Konkurrenzdruck anderer Pflanzen gegenüber dem konkurrenzschwachen Katzenpfötchen.

Dessen Rosetten liegen dem Boden flach auf. Früher wurden die Gräser und Kräuter darüber von gehüteten Schafen gefressen, was das bodendeckende Katzenpfötchen förderte: Durch Auflichtung und Aushagerung. Beides ist unabdingbar für seine Existenz.

Vermutlich ist die Art nach der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren von Osten und Süden her bei uns eingewandert und hat die damaligen ausgedehnten Kältesteppen besiedelt. Mit der zunehmenden Waldentwicklung sorgte dann der Mensch mit seiner extensiven Landwirtschaft für seine Erhaltung und Ausbreitung.

Wir waren gestern zu viert sechs Stunden lang an zunächst acht der zehn bekannten Teilbestände des Katzenpfötchens in einem Naturschutzgebiet im Einsatz, bei unserer 875. Einzelmaßnahme seit 2003.

In diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit mit dem Pächter der Fläche zu loben, mit dem wir unsere Aktionen vereinbarungsgemäß abstimmen.
Als nächstes soll geschaut werden, ob die weiblichen Pflanzen 2026 keimfähige Früchte bilden. Denn das würde bedeuten, dass die oft weit voneinander entfernt stehenden „Männer und Frauen“ miteinander erfolgreich Kontakt hatten, dass die staubfeinen Pollen auf eine empfängnisbereite Narbe trafen und so ihre Art vor Ort erhalten können, die richtige Bewirtschaftung vorausgesetzt.

Übrigens: Wer das Katzenpfötchen gern selbst kultivieren möchte, der wird in Gärtnereien bzw. im geärtnerischen Versandhandel leicht fündig. Die Art lässt sich leicht halten und vermehrt sich durch ihre Ausläufer zuverlässig, - zumindest wenn man ihr die notwendigen Bedingungen bietet.
Bodo Schwarzberg, für das Team der ehrenamtlichen Nordhäuser Artenschützer
Autor: red

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