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Do, 07:12 Uhr
21.08.2008

Am Freitag ist „Rio“

„Der Freitag, das wird noch mal meine Show.“ Der das sagt, hat in seinem Leben Zehn-Jahres-Pläne aufgestellt und abgearbeitet. Am Freitag, also morgen, wird er seinen Löffel abgeben – Gott sei Dank nur den Kochlöffel...

Und Tschüss (Foto: nnz) Und Tschüss (Foto: nnz)

Zugegeben, es war manchmal schon knüppelhart im „Stepel“ zu dinieren. Anstrengend war es dann, wenn der Koch nicht allzu viel zu tun hatte. Dann saß Martin Höfer nebenan, redete über Gott und die Welt, die meistens ihren Mittelpunkt in Nordhausen, genauer gesagt, im „Stepel“ hatte und man sich nicht mehr sicher war, ob denn Kugel oder Scheibe. Oft hatte ich den Eindruck, dass es den Höfer nicht sonderlich anhob, wenn er hinter der Pendeltür verschwinden und kochen musste. Die Zeit in der Küche nutzte ich, das wohlschmeckende Essen zu genießen, bevor Martin wieder am Tisch saß.

Gerade aber diese Spannung war es, die den „Stepel“ ausmachte. Die urige Kneipe, die mehrfach im Marco-Polo-Reiseführer erwähnt wurde, war mit dem Koch verwachsen. Was wäre der „Stepel“ ohne den ungelernten Koch, der vieles bei Biolek geklaut hat, wie er jetzt blinzelnd zugibt. Am Freitag feiert Martin Höfer seinen Abschied. Vom Stepel, von einem seiner Lebensabschnitte. In genau die scheint er sein Leben eingeteilt zu haben: Elf Jahre und 18 Tage Küche liegen hinter ihm, davor zehn Jahre Polstermeister, davor zehn Jahre Lehrmeister. Vielleicht will der Kreis jetzt schließen – dazu mehr in wenigen Zeilen.

Und Tschüss (Foto: nnz) Und Tschüss (Foto: nnz) Zurück zum „Stepel“. Martin erinnert sich immer noch an den 4. August 1997, den ersten Tag in seiner Kneipe, in seinem Haus. „Ich hatte Todesangst, fragte immer wieder: kann ich das? Ich habe dann täglich dazugelernt, versuchte kreativ zu sein, ohne mein ICH gänzlich aufzugeben“, erzählt er mir, Zuhause habe er höchstens das Rostbrätel auf den Grill gelegt.

Was wird ihm fehlen? „Die vielen Gespräche, manchmal fühlte ich mich wie in einem Kommunikationszentrum. Nur schade, dass ich viel Zeit in der Küche verbringen musste...“ Macht er sein Späßchen? Ein wenig Wirklichkeit ist dabei – siehe oben.

War dabei. Martin Höfer will den Kreis schließen: Zehn Jahre Lehrmeister sollen folgen. Eine Anstellung hat er gefunden, am 1. September geht es los. Nach 21 Jahren pädagogischer Abstinenz eine neue Herausforderung. Abgucken wie bei Biolek? Fehlanzeige. Jeden Tag bewähren, dafür den Abend endlich frei. Frei für die Familie, seine Frau. Auch mal Zeit fürs Theater und danach der Gang in den „Stepel“?

„Na klar gehe ich wieder als Gast zurück, könnte schon sein, dass es meine Stammkneipe wird.“ Da ist es wieder das Gefühl: Der meint es nicht ernst. Doch werden da auch die anderen Gäste sein – seine Freunde, die Bekannten, die „Politischen“ aus dem Stadtrat. Die Debatten wird er vermissen, von PDS bis CDU – das politische Spektrum war so breit wie die Speisekarte lang.

Nur einmal, da hatte er „Bammel“. Vor sechs Jahren, da saßen plötzlich in „seinem Stepel“ zehn Rechts- und zehn Linksradikale. „Es war das berühmte Hüten eines Sacks voller Flöhe“, erinnert sich Martin Höfer. Doch Höfer wäre nicht Höfer, wenn er sich nicht zum Dompteur aufgeschwungen hätte und klare Anweisungen erteilte. Zum Beispiel die Regeln der Toilettenbenutzung, wer wann auf Örtchen gehen darf und wann nicht.

All das, Martin Höfer, wird ab Freitag Geschichte sein. Ob er will oder nicht, er wird eine Phase des Entzugs durchmachen müssen. Ob nun Lehrmeister oder Polstermeister: Der „Stepel“ war Martin Höfer und Martin Höfer war der „Stepel“. Um einen neuen Pächter kümmert er sich jetzt noch, zwei BewerberInnen soll es geben. Am Freitag wird sich noch einmal ein illustreres Völkchen versammeln. Die Weltverbesserer, die Alles-Besser-Wisser, die Diskutanten, Professoren und Studenten, Regierende und Regierte. So wie das immer war im „Stepel“ des Martin H.

Ich kann nur sagen: Vielen Dank für die schönen Stunden im „Stepel“ und die wenigen Minuten, in denen "er" in der Küche war.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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