Mi, 09:29 Uhr
17.12.2008
nnz-Betrachtung: Wann wird agiert
Die nnz hatte sich in den zurückliegenden acht Jahren mehrfach über die Entwicklung des geplanten Industriegebietes in der Goldenen Aue berichtet. Mit einem zeitlichen Abstand jetzt wieder eine Betrachtung...
Der Planungsverband hat sich kaum verändert. Das ist schlecht. Denn immer noch denken dessen Mitglieder, daß sie im stillen Kämmerlein die Zukunft beraten und beschließen können. Sicher, da wird zu den Versammlungen des Planungsverbandes per Bekanntmachung eingeladen, Mehr aber auch nicht.
Erst als die Bürgerinitiative zur Rettung der Goldenen Aue in der nnz zum Sturm blies, da wurde reagiert und seitens der Stadtverwaltung Nordhausen (nicht seitens des Verbandes) eine Pressemitteilung verschickt. Genau, es wurde erneut wieder nur reagiert – der Igel war längst angekommen, der Planungshase hechelt hinterher.
Diese permanente Unfähigkeit zum öffentlichen Agieren kann mehrfache Ursachen haben. Entweder wird eine aufklärende und für die eigene Arbeit werbende Öffentlichkeitsarbeit für nicht so wichtig angesehen, oder: Man treibt in der eigenen Arroganz und Ignoranz vor sich hin, getreu nach dem Motto: Das Gesetz ist auf unserer Seite.
Das reicht nicht aus, meine Damen und Herren. Das ist bei weitem zu wenig, was eine 100 Hektar große Fläche verdient, die das Heil der Arbeitsplatzbeschaffung sein soll. Und genau deshalb, weil es vielleicht um Hunderte neuer Arbeitsplätze im primären Bereich und wieder Hunderte im sekundären Bereich geht, hat das Vorhaben mehr verdient. Es schreit nach Aufklärung, Information und Disput.
Den Planern gegenüber stehen Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich fachlich besser vorbereiten als so manches Mitglied des Planungsverbandes. Und deshalb überläßt man die Antworten auf konkrete Fragen auch lieber den Fachleuten oder vertagt sie auf die Anwesenheit von Fachplanern. In der BI agiert eine Gruppe von Menschen, die sich gewissenhaft mit der gesamten Thematik eines Industriegebietes auseinandersetzen. Das, mit Verlaub, muß respektiert werden. Auch die nnz respektiert das, in dem die Statements der BI immer ihren Platz fanden und finden werden.
Ich persönlich ziehe den Hut davor, bin jedoch immer noch ein Befürworter des Industriegebietes. Für mich zählen einige Argumente nur bedingt. Ob die Goldene Aue heutzutage die Menschen in Nordhausen immer noch ernähren würde, kann durchaus bezweifelt werden. Kartoffeln gibt es heute aus Albanien oder Griechenland, aber eben auch aus der Goldenen Aue in den Supermärkten. Übrigens, kommen die einzelnen Agra-Unternehmen in regelmäßigen Abständen sogar in die verschlafene Dehmel-Straße, um ihre Kartoffeln zentnerweise anzubieten. Von einer bedrohten Produktion kann man also kaum sprechen.
Auch sollte sich die Diskussion über Umweltverschmutzung, qualmende Schornsteine und dem Lärm einer Hammerschmiede erübrigen. Vielleicht siedelt sich ja ein Investor aus der Biotechnologie- oder Kommunikationsbranche bei Nordhausen an? Es muss kein Teerwerk sein.
Dennoch muß die Diskussion weiter gehen, auch seitens der BI. Schon allzuoft sind gesetzlich festgelegte Grenzen nicht das Optimale gewesen. Bessere Bedingungen für die Menschen jenseits der 100 Hektar zu schaffen, das muß jetzt das Ziel sein. Über all dem steht für mich jedoch: Jeder neue Arbeitsplatz ist allemal besser ein abgewanderter junger Mensch. Die heute von der nnz veröffentlichten Fakten des Focus-Money-Rankings sprechen da eine deutliche Sprache.
Und insofern kann man schon von einem Totschlagsargument reden. Jeder neue Arbeitsplatz ist ein kleines Stück Zukunft dieser Region, die statistisch vielleicht schon totgesagt wird. Und vielleicht findet sich für einen wieder gesehenen Hamster auch noch eine Ausgleichsfläche. Es muß ja nicht gleich ein Koi-Aquarium wie im Ohrdrufer Industriegebiet sein.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzDer Planungsverband hat sich kaum verändert. Das ist schlecht. Denn immer noch denken dessen Mitglieder, daß sie im stillen Kämmerlein die Zukunft beraten und beschließen können. Sicher, da wird zu den Versammlungen des Planungsverbandes per Bekanntmachung eingeladen, Mehr aber auch nicht.
Erst als die Bürgerinitiative zur Rettung der Goldenen Aue in der nnz zum Sturm blies, da wurde reagiert und seitens der Stadtverwaltung Nordhausen (nicht seitens des Verbandes) eine Pressemitteilung verschickt. Genau, es wurde erneut wieder nur reagiert – der Igel war längst angekommen, der Planungshase hechelt hinterher.
Diese permanente Unfähigkeit zum öffentlichen Agieren kann mehrfache Ursachen haben. Entweder wird eine aufklärende und für die eigene Arbeit werbende Öffentlichkeitsarbeit für nicht so wichtig angesehen, oder: Man treibt in der eigenen Arroganz und Ignoranz vor sich hin, getreu nach dem Motto: Das Gesetz ist auf unserer Seite.
Das reicht nicht aus, meine Damen und Herren. Das ist bei weitem zu wenig, was eine 100 Hektar große Fläche verdient, die das Heil der Arbeitsplatzbeschaffung sein soll. Und genau deshalb, weil es vielleicht um Hunderte neuer Arbeitsplätze im primären Bereich und wieder Hunderte im sekundären Bereich geht, hat das Vorhaben mehr verdient. Es schreit nach Aufklärung, Information und Disput.
Den Planern gegenüber stehen Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich fachlich besser vorbereiten als so manches Mitglied des Planungsverbandes. Und deshalb überläßt man die Antworten auf konkrete Fragen auch lieber den Fachleuten oder vertagt sie auf die Anwesenheit von Fachplanern. In der BI agiert eine Gruppe von Menschen, die sich gewissenhaft mit der gesamten Thematik eines Industriegebietes auseinandersetzen. Das, mit Verlaub, muß respektiert werden. Auch die nnz respektiert das, in dem die Statements der BI immer ihren Platz fanden und finden werden.
Ich persönlich ziehe den Hut davor, bin jedoch immer noch ein Befürworter des Industriegebietes. Für mich zählen einige Argumente nur bedingt. Ob die Goldene Aue heutzutage die Menschen in Nordhausen immer noch ernähren würde, kann durchaus bezweifelt werden. Kartoffeln gibt es heute aus Albanien oder Griechenland, aber eben auch aus der Goldenen Aue in den Supermärkten. Übrigens, kommen die einzelnen Agra-Unternehmen in regelmäßigen Abständen sogar in die verschlafene Dehmel-Straße, um ihre Kartoffeln zentnerweise anzubieten. Von einer bedrohten Produktion kann man also kaum sprechen.
Auch sollte sich die Diskussion über Umweltverschmutzung, qualmende Schornsteine und dem Lärm einer Hammerschmiede erübrigen. Vielleicht siedelt sich ja ein Investor aus der Biotechnologie- oder Kommunikationsbranche bei Nordhausen an? Es muss kein Teerwerk sein.
Dennoch muß die Diskussion weiter gehen, auch seitens der BI. Schon allzuoft sind gesetzlich festgelegte Grenzen nicht das Optimale gewesen. Bessere Bedingungen für die Menschen jenseits der 100 Hektar zu schaffen, das muß jetzt das Ziel sein. Über all dem steht für mich jedoch: Jeder neue Arbeitsplatz ist allemal besser ein abgewanderter junger Mensch. Die heute von der nnz veröffentlichten Fakten des Focus-Money-Rankings sprechen da eine deutliche Sprache.
Und insofern kann man schon von einem Totschlagsargument reden. Jeder neue Arbeitsplatz ist ein kleines Stück Zukunft dieser Region, die statistisch vielleicht schon totgesagt wird. Und vielleicht findet sich für einen wieder gesehenen Hamster auch noch eine Ausgleichsfläche. Es muß ja nicht gleich ein Koi-Aquarium wie im Ohrdrufer Industriegebiet sein.
Peter-Stefan Greiner


