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Do, 13:46 Uhr
15.01.2009

nnz-Forum: Unterwandert

In der kommenden Woche wird es im Ellricher Lindenhof wieder ein Konzert der besonderen Art geben, gegen das sich erneut Widerstand regt. Warum? Das versucht ein Beitrag im Forum der nnz zu erläutern...


Bei diesem und anderen Texten in der nnz geht es nicht darum "angebliche" NeoNazis zu enttarnen, sondern rechtsextreme und braune Tendenzen innerhalb des Black-Metal und der Szene aufzudecken.

Waren frühere Black-Metal-Bands noch auf reine Provokation aus, wurde mit der Renaissance des Black-Metal daraus später blutige Realität. Dem Christentum wurde der Krieg erklärt und Kirchenbrandstiftungen, Friedhofsschändungen, Gewalttaten und Morde prägen bis heute das Image der Szene. Jenseits des "Black-Metal-Mainstreams" entwickelte sich eine brisante Mischung aus Nazi-Satanisten und völkisch Germanophilen.

Eine klare Trennlinie zum Neonazismus ist heute oftmals nicht möglich. Interpreten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Gleichwohl ordnen sich Szenegänger und Interpreten häufig dem unpolitischen Spektrum zu, immer wieder wird auch eine Nähe zum Neonazismus verschwiegen oder geleugnet. Andere Szenegänger sehen neonazistische Bands nur als "Teil der Szene", wieder andere begrüßen sie einhellig.

Black-Metal ist keine freiheitlich orientierte Musikrichtung, sondern ganz im Gegenteil: reaktionär, gewaltverherrlichend, intolerant, frauenfeindlich und ein idealer Nährboden für faschistische Ideologie! In einer Szene, in der die Verherrlichung von Mord und Krieg die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt, das Heidentum als ein "natürlicher" Ausdruck des germanischen Volkes gilt und misanthropische Schimären die Vorstellungen eines sozialen Miteinander verdrängen, müssen sich Rechte im Black-Metal nicht verstecken.

Ganz offen werden Nationalsozialismus und Shoah glorifiziert, wird die Vernichtung alles Schwachen propagiert und die Rasse zur Grundlage des Denkens und Handelns erklärt. Über den engen Rand des "NS-Black-Metal" (National-Socialist-Black-Metal) hinaus gehören dabei Rassismus und Antisemitismus schon längst zum guten Ton der Szene.

Mittlerweile haben die meisten Bands jedoch gelernt, sich hinsichtlich ihrer politischen Meinung eher bedeckt zu halten. Dennoch gibt es Gruppen/-Mitglieder, die um ihre rechte Gesinnung oder ihre antisemitische und rassistische Position keinen Hehl machen und diese teilweise auch in die Musik einfließen lassen.

Ein Beispiel ist die Band "Sargeist" aus Finnland, welche am 24. Januar 2009 in Ellrich/Lindenhof spielen soll. "Sargeist" ist ein Seitenprojekt von Gitarrist "Shatraug", welcher in der finnischen Band "Horna" spielt, und den beiden Mitgliedern "Torog" und "Horns", welche in der ebenfalls finnischen Band "Behexen" spielen.

In einem Interview auf die finnische Black-Metal-Szene angesprochen, lobt „Shatraug” die lokale Neonazi-band „Satanic Warmaster”, deren Frontmann „Nazgul” der Sänger von „Horna” war (1) und zu der man offenbar engste Kontakte pflegt. Im Jahr 2001, noch bevor man sich von “Nazgul” trennte, bekannte sich “Shatraug” ganz offen zur nationalsozialistischen Ideologie: “Ja, ich unterstütze ihn [den Nationalsozialismus, Anmerkung) und von Warmaster (Nazgul) kann ich das gleiche sagen. Meiner Ansicht nach bedeutet der Nationalsozialismus, stolz auf sein eigenes Erbe und sein eigenes Land zu sein, an die Waffenbrüder zu glauben sowie an jene Werte zu glauben, die jeden fremden Einfluss oder Religion ausschließen.” (2)

Dass "Shatraug" nach wie vor und trotz einer Distanzierung der Band von politischen Inhalten seine Einstellung nicht geändert hat, belegte er in einem 2006 geführten Interview: „Zurückblickend kann ich ehrlich sagen, dass sich an meinen Ansichten nicht viel geändert hat". (3) Gemeinsam mit „VilwolfHeim”, der bei den neonazistischen Gruppen „Sombre Chemin” und „Heidenwelt” aktiv ist, spielt „Shatraug” in der Band „Blutschrei”. Die Liedtitel der Band „Blutschrei” passen in die neonazistische Ideologie: „Voice of Blood” („Die Stimme des Blutes), „White Agony” („Weiße Wut”).

Die Band "Horna" dürfte zu der Zahl "88" (ein Kürzel, das von Neonazis häufig verwendet wird und für zwei mal den achten Buchstaben des Alphabets steht. “HH” steht wiederum für “Heil Hitler”) eine ganze besondere Beziehung haben, immer wieder kommt sie in verschiedenen Zusammenhängen vor: In einem “Wordrap” im Rahmen eines Interviews mit dem Internetmagazin “Final War” antwortet “Shatraug”, auf die Frage nach Politik im Black Metal lediglich mit “88´´, In der Email-Adresse der Band findet sich ebenfalls dieses Kürzel. (4) Die LP-Version des Tonträgers “Viha Ja Viikate”, die bei dem deutschen Label “Obscure Abhorrence” erschienen ist, erschien in einer Auflage von 400 Stück, wobei bei den ersten 88 Stück ein Band-Aufnäher und ein Aufkleber inkludiert waren.

Diverse Tonträger der Band “Horna” oder des Nebenprojektes „Sargeist” wurden bei einschlägigen Labels wie „Sombre Records”, „W.T.C. Productions” oder „Blut und Eisen Productions” hergestellt. Die Produktion von “Horna-Buttons” wird von dem neonazistischen Label “Schwarze MaSSenvernichtung” durchgeführt.

Über sein Label „Grievantee Productions” vertreibt „Shatraug” Tonträger von Bands wie „Aryan Art”, „Aryan Blood”, „Endlösung”, „Holocaustus” und unzähligen anderen neonazistischen Musikgruppen. Für einen Tonträger der Band „Desolation Triumphalis”, die aus Mitgliedern der neonazistischen Bands „Kristallnacht”, „Chemin de Haine”, „Seigneur Voland”, usw. besteht, komponierte „Shatraug” das Lied „The eternal revolution”.

Das Konzert am 24.Januar 2009 findet unter dem Namen "The Heinous Path - German/Finnish Alliance" statt. Veranstalter sind erneut die "Calling for Battle"-Leute. "CfB" veranstaltete unter gleichem Namen bereits Konzerte mit einschlägig bekannten extrem rechten Bands wie Nachtfalke, Permafrost oder Forgotten Tomb. Nicht zum ersten Mal wird auf ein Konzert dieser Art hingewiesen. Und zum wiederholten Male spielt eine extrem rechte Black-Metal-Band wie "Sargeist" mit "normalen" Black-Metal-Bands zusammen.

Wie eingangs beschrieben, eine klare Trennlinie ist schwer bis gar nicht zu erkennen und so ist es auch nicht verwunderlich das eine "CfB"-Veranstalterin, Rebekka T., alles politische von sich weist (5). Allerdings, und auch darauf wurde schon öfters hingewiesen, verwundert es dann, wenn auf der "CfB"-Internetseite sich distanziert wird, aber einmal Konzerte mit einschlägig bekannten extrem rechten Bands durchgeführt werden und zum anderen Bands wie "Permaforst" verlinkt werden. Es wird damit nicht gesagt, dass die Veranstalter rechts seien. Es wird auf die rechtsextremen und braunen Tendenzen hingewiesen. Wenn sich die Veranstalter/-innen damit nicht auseinandersetzen wollen, dann sind sie nicht unbedingt das Problem, aber zumindest ein Teil davon. Veranstalter die vorgeben von der Einstellung der Bands bzw. einzelner Mitglieder nichts gewusst zu haben, wirken angesichts der stark in sich geschlossenen Szene nicht sehr glaubhaft. Zumal heutzutage das Internet und diverse (Szene)-Publikationen genügend Informationen bieten.

Überall ist der rechte Rand der Black-Metal-Szene heute wahrnehmbar. Und kaum ein Besucher von Underground-Konzerten, zu denen auch die in Ellrich gehören, stört sich an Metallern, die mit T-Shirts von eindeutig rechten Bands rumlaufen, oder daran, dass an den Verkaufsständen Platten mit neonazistischen Inhalt vertrieben werden. Ähnliches zeigt sich auch bei den verschiedenen Labels und Mailordern - auch hier gehören Platten rechter Bands zum selbstverständlichen Repertoire.

Es muss die Diskussion und die Auseinandersetzung um die Inhalte geführt werden, die von den Bands, Musikern und Szene-Gängern transportiert werden. Diese Auseinandersetzung kann nur bedingt von "außen" geführt werden. Viel mehr liegt es an den Black-Metal-Bands, Fans und den Veranstalter-innen, dieser Entwicklung in ihrer Szene Einhalt zu gebieten und den (extremen) Rechten das Terrain streitig zu machen.

Doch, so lange dies zu den Konzerten in Ellrich und/oder zu dem für den 07.Februar 2009 geplanten Konzert in Sundhausen/Festhalle nicht geschieht, so lange werden wir auf die Tendenzen aufmerksam machen und die Bands, Band-Mitglieder und deren Texte bzw. Aussagen an die Öffentlichkeit bringen.

Anmerkungen:
(1) Interview mit dem “La Horde Noire”-Onlinemagazin, 2003, http://lahordenoire.free.fr/interview.php?art=227
(2) zitiert in Dornbusch/Killguss 2005 - Unheilige Allianzen - Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Seite 254
(3) zitiert in: http://de.wikipedia.org/wiki/Horna
(4) Interview mit dem "Final War"-Onlinemagazin, 2003 http://finalw.fi.funpic.de/main.php?cmd=interviews&datei=horna, abgerufen am 18.08.2005
(5) Artikel: "Auseinandersetzen" vom 04.Dezember 2008 auf nnz-online.de
textliche Anleihen - „Unheilige Allianzen“ von C.Dornbusch und H.-P. Killguss
Thorsten Platow, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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