Mi, 07:47 Uhr
28.01.2009
Die Silver-Surfer
Dem Internet kann sich wohl kaum jemand entziehen. Die Faszination und die Möglichkeiten des WWW machen auch vor älteren Menschen keinen Halt. Anfangs belächelte man sie als die Silver-Surfer. Jetzt sind sie zur Zielgruppe mutiert. In Nordhausen gibt es sogar einen Klub...
Peter Kuk (links) mit Wolfgang und Annemarie Stülzebach
Nachdem ich drei-, viermal die Wohnung renoviert hatte, hat meine Frau gesagt, das kostet nur Geld und besser wird’s auch nicht. Mach doch mal was anderes, erinnert sich Peter Kuk und schmunzelt. Die ungewohnte Freizeit als Rentner stellte den heute 74-Jährigen erst einmal vor Herausforderungen, aber er befolgte den guten Rat seiner Frau und tauschte Pinsel und Werkzeug – gegen Tastatur und Maus. Ich hab mir einen Computer gekauft. Ich hatte natürlich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Also habe ich mich da so reingefuchst, ganz autodidaktisch – ohne Kurs und Buch. Aber mit vielen Telefonaten mit seinem Schwager, der als studierter Informatiker Peter Kuk auf den Computertrichter gebracht hatte.
In seinem Beruf als Betriebsschlosser im Apparatebau hatte er mit Computern noch nichts zu tun. Doch nur allein vorm Bildschirm zu sitzen, reichte dem gebürtigen Berliner bald nicht mehr aus. Ich habe etwas gesucht, um aus dem Haus zu kommen. Da hat mir meine Frau erzählt, dass sich an der Volkshochschule Leute treffen und was mit Computern machen. Sie meinte, geh doch da mal hin, erzählt Peter Kuk. Er kam damals genau zum richtigen Zeitpunkt in die Volkshochschule: Die Internetseniorengruppe suchte gerade einen Nachfolger als Leiter und es war kein Kandidat in Sicht.
Peter Kuk ergriff die Initiative und leitet nun seit fast sieben Jahren den Senioren-PC- und Internetclub. Der Club hat sich auch durch Mundpropaganda weiterentwickelt. Da hat zum Beispiel einer in der Gartenkolonie seinem Nachbarn vom Club erzählt und ihn dann einfach mal mitgebracht. Heute hat der Seniorenclub rund 20 Mitglieder in verschiedenen Altergruppen, die sich jeden Mittwoch treffen. Mein ältestes Mitglied hier ist 84 Jahre alt. Er kommt gerade nur noch ab und an, weil er hier nebenan dreimal in der Woche im Fitnessstudio ist, um etwas für seine Gesundheit zu tun, erzählt der Clubchef. Aber auch nach unten gibt es keine offizielle Altersgrenze und so kommen öfter auch Leute in den Club, die die 60er-Grenze noch nicht erreicht haben.
Der Senioren-PC- und Internetclub ist zu einer Institution geworden in der VHS. An den Start gegangen ist er 2002 mit dem Ziel, neue Welten zu entdecken und durch das Internet die Kommunikation in der älteren Generation zu verbessern – virtuell und auch real bei den wöchentlichen Treffen. Dabei erlebte Peter Kuk in seinen Anfangsmonaten bei der VHS, dass seine Idee, Senioren und Computer und Internet zusammenzubringen, häufig belächelt wurde. Selbst viele Senioren kamen nicht auf diese Idee. Heute möchte den Club keiner mehr missen, ist sich Peter Kuk sicher. Und seine Clubkollegen geben ihm Recht. Ich will die grauen Zellen anregen, ein bisschen im Internet surfen und Spaß haben, sagt Wolfgang Stülzebach, der mit seiner Frau Annemarie seit vier Jahren im Seniorenclub ist. Ich komme hierher, um ein bisschen in Gesellschaft zu sein, Erfahrungen auszutauschen und um fit zu bleiben, meint auch Klaus-Peter Brodmann, der gemeinsam mit seiner Frau Doris kommt.
Und Herr Kuk lässt es sich trotz seiner gesundheitlichen Probleme nicht nehmen, hier jeden Mittwoch zu erscheinen, sagt er anerkennend. Die mangelnde Gesundheit bremst zwar die Mobilität von Peter Kuk, aber nicht sein Engagement im Club. Mein Kollege Heinz Schmidt nimmt mich seit Monaten mit dem Auto mit, obwohl er am anderen Ende der Stadt wohnt", erzählt Peter Kuk. Dafür danke ich ihm. Ohne diesen selbstlosen Einsatz könnte ich meine Funktion wegen meines gesundheitlichen Problems schon lange nicht mehr ausüben."
Sein Leitspruch von Senioren für Senioren treibt den 74-Jährigen jede Woche wieder in die VHS. Urlaub kennt er nicht. Bis auf meine Krankenhausaufenthalte war ich immer hier. Dabei spukt noch ein Wunsch in seinem Kopf herum: Mein Traum war eigentlich immer eine Vereinsgründung. Der hat sich noch nicht erfüllt, erzählt Peter Kuk, der sich schon an die erforderliche Satzung gemacht hatte. Allerdings müsste ein Verein auch Mitgliedsbeiträge erheben, die vielleicht einige abschrecken würden. Jetzt zahlen meine Leute nur einen Euro für den Nachmittag hier.
Viele Clubmitglieder kommen wie Peter Kuk jede Woche. Oft sind es so viele, dass die Arbeitsplätze in einem Computerraum gar nicht ausreichen. Und sie treffen sich nicht nur, um gemeinsam am Bildschirm zu sitzen und sich über neue Hard- und Software zu unterhalten. Sie veranstalten regelmäßig einen Kaffeeklatsch oder unternehmen gemeinsam Ausflüge wie im vergangenen Herbst in die Gedenkstätte KZ Buchenwald.
Hauptbeschäftigung der Mitglieder ist und bleibt aber der Computer. Im Club sitzen auch einige Bastler und kleine Reparaturen an der Hardware sind ihre Spezialität – und Peter Kuk ist natürlich einer von denen, der sich Computern auch mal mit dem Schraubendreher nähert. Bei mir in der Wohnung stehen fünf Computer. Zwei sind vernetzt, dann noch ein Laptop und meine Frau hat einen eigenen Computer, berichtet Peter Kuk. Und einer ist eigentlich immer im Bau.
Jessica Piper
Autor: nnzPeter Kuk (links) mit Wolfgang und Annemarie Stülzebach
Nachdem ich drei-, viermal die Wohnung renoviert hatte, hat meine Frau gesagt, das kostet nur Geld und besser wird’s auch nicht. Mach doch mal was anderes, erinnert sich Peter Kuk und schmunzelt. Die ungewohnte Freizeit als Rentner stellte den heute 74-Jährigen erst einmal vor Herausforderungen, aber er befolgte den guten Rat seiner Frau und tauschte Pinsel und Werkzeug – gegen Tastatur und Maus. Ich hab mir einen Computer gekauft. Ich hatte natürlich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Also habe ich mich da so reingefuchst, ganz autodidaktisch – ohne Kurs und Buch. Aber mit vielen Telefonaten mit seinem Schwager, der als studierter Informatiker Peter Kuk auf den Computertrichter gebracht hatte.
In seinem Beruf als Betriebsschlosser im Apparatebau hatte er mit Computern noch nichts zu tun. Doch nur allein vorm Bildschirm zu sitzen, reichte dem gebürtigen Berliner bald nicht mehr aus. Ich habe etwas gesucht, um aus dem Haus zu kommen. Da hat mir meine Frau erzählt, dass sich an der Volkshochschule Leute treffen und was mit Computern machen. Sie meinte, geh doch da mal hin, erzählt Peter Kuk. Er kam damals genau zum richtigen Zeitpunkt in die Volkshochschule: Die Internetseniorengruppe suchte gerade einen Nachfolger als Leiter und es war kein Kandidat in Sicht.
Peter Kuk ergriff die Initiative und leitet nun seit fast sieben Jahren den Senioren-PC- und Internetclub. Der Club hat sich auch durch Mundpropaganda weiterentwickelt. Da hat zum Beispiel einer in der Gartenkolonie seinem Nachbarn vom Club erzählt und ihn dann einfach mal mitgebracht. Heute hat der Seniorenclub rund 20 Mitglieder in verschiedenen Altergruppen, die sich jeden Mittwoch treffen. Mein ältestes Mitglied hier ist 84 Jahre alt. Er kommt gerade nur noch ab und an, weil er hier nebenan dreimal in der Woche im Fitnessstudio ist, um etwas für seine Gesundheit zu tun, erzählt der Clubchef. Aber auch nach unten gibt es keine offizielle Altersgrenze und so kommen öfter auch Leute in den Club, die die 60er-Grenze noch nicht erreicht haben.
Der Senioren-PC- und Internetclub ist zu einer Institution geworden in der VHS. An den Start gegangen ist er 2002 mit dem Ziel, neue Welten zu entdecken und durch das Internet die Kommunikation in der älteren Generation zu verbessern – virtuell und auch real bei den wöchentlichen Treffen. Dabei erlebte Peter Kuk in seinen Anfangsmonaten bei der VHS, dass seine Idee, Senioren und Computer und Internet zusammenzubringen, häufig belächelt wurde. Selbst viele Senioren kamen nicht auf diese Idee. Heute möchte den Club keiner mehr missen, ist sich Peter Kuk sicher. Und seine Clubkollegen geben ihm Recht. Ich will die grauen Zellen anregen, ein bisschen im Internet surfen und Spaß haben, sagt Wolfgang Stülzebach, der mit seiner Frau Annemarie seit vier Jahren im Seniorenclub ist. Ich komme hierher, um ein bisschen in Gesellschaft zu sein, Erfahrungen auszutauschen und um fit zu bleiben, meint auch Klaus-Peter Brodmann, der gemeinsam mit seiner Frau Doris kommt.
Und Herr Kuk lässt es sich trotz seiner gesundheitlichen Probleme nicht nehmen, hier jeden Mittwoch zu erscheinen, sagt er anerkennend. Die mangelnde Gesundheit bremst zwar die Mobilität von Peter Kuk, aber nicht sein Engagement im Club. Mein Kollege Heinz Schmidt nimmt mich seit Monaten mit dem Auto mit, obwohl er am anderen Ende der Stadt wohnt", erzählt Peter Kuk. Dafür danke ich ihm. Ohne diesen selbstlosen Einsatz könnte ich meine Funktion wegen meines gesundheitlichen Problems schon lange nicht mehr ausüben."
Sein Leitspruch von Senioren für Senioren treibt den 74-Jährigen jede Woche wieder in die VHS. Urlaub kennt er nicht. Bis auf meine Krankenhausaufenthalte war ich immer hier. Dabei spukt noch ein Wunsch in seinem Kopf herum: Mein Traum war eigentlich immer eine Vereinsgründung. Der hat sich noch nicht erfüllt, erzählt Peter Kuk, der sich schon an die erforderliche Satzung gemacht hatte. Allerdings müsste ein Verein auch Mitgliedsbeiträge erheben, die vielleicht einige abschrecken würden. Jetzt zahlen meine Leute nur einen Euro für den Nachmittag hier.
Viele Clubmitglieder kommen wie Peter Kuk jede Woche. Oft sind es so viele, dass die Arbeitsplätze in einem Computerraum gar nicht ausreichen. Und sie treffen sich nicht nur, um gemeinsam am Bildschirm zu sitzen und sich über neue Hard- und Software zu unterhalten. Sie veranstalten regelmäßig einen Kaffeeklatsch oder unternehmen gemeinsam Ausflüge wie im vergangenen Herbst in die Gedenkstätte KZ Buchenwald.
Hauptbeschäftigung der Mitglieder ist und bleibt aber der Computer. Im Club sitzen auch einige Bastler und kleine Reparaturen an der Hardware sind ihre Spezialität – und Peter Kuk ist natürlich einer von denen, der sich Computern auch mal mit dem Schraubendreher nähert. Bei mir in der Wohnung stehen fünf Computer. Zwei sind vernetzt, dann noch ein Laptop und meine Frau hat einen eigenen Computer, berichtet Peter Kuk. Und einer ist eigentlich immer im Bau.
Jessica Piper


