Mi, 09:08 Uhr
28.01.2009
Von Aabel bis Zeederli
Wissen Sie, was Aabel oder ein Zeederli sind? Wenn nicht, dann sind Sie vermutlich nicht der Nordhäuser Mundart, dem Platt, mächtig. Das kann sich jetzt ändern, ein allbekannter Verein hat sich der Wissensvermittlung angenommen.
Peter Schwarz (r.) bedankt sich bei Sandra Schmalbauch für die Fleißarbeit
Der Rolandgruppen-Verein ist nicht nur die Vereinigung von einer gelaunten Frau und drei Männern. Deren Mitglieder, insgesamt 14 an der Zahl, kümmern sich vor allem um die Pflege von Nordhäuser Traditionen. Und wer das Parade-Quartett vor, während und auch manchmal nach dem alljährlichen Rolandsfest hört, der weiß: Das Nordhäuser Platt steht bei denen hoch im Kurs.
Der Rolandgruppe e.V. hatte im vergangenen Jahr eine ABM genehmigt bekommen. Eine junge Frau aus Niedersachswerfen, Sandra Schmalbauch, hatte das Wörterbuch des Nordhäuser Platt, das Idioticon der Nordthüringischen Mundart von 1874, das Platt ins Hochdeutsche übersetzt, Seite für Seite abgeschrieben und in die Schrift des 21. Jahrhunderts transferiert. Im Original ist Frakturschrift verwendet worden. Das Ergebnis ihrer halbjährlichen Arbeit hat die Frau dann noch in einer PDF-Datei verewigt.
Parallel dazu nahm sich Frau Schmalbauch ein zweites Buch vor, das kausal mit dem Idioticon zu tun hat. Es ist ein Jahrbuch des Königlichen Gymnasiums zu Quedlinburg aus dem Jahr 1882. Dieses Jahrbuch listet nicht nur genauestens Stundenpläne, Lehrer und Schüler auf, sondern widmet sich in seinem wissenschaftlichen Teil der Nordthüringer Mundart.
Jochen Napiralla, im Hauptberuf Bürgermeister in Niedersachswerfen und nebenbei Mitglied des Vereins und vormals der Alte Ewersberg, steht auf Mundart. Er berichtete gestern der nnz, dass die Nordthüringer Mundart bis hinaus nach Harzgerode gesprochen wurde und ein wenig mit dem Mansfeldischen verwandt ist. Wir müssen uns mehr mit unseren Wurzeln beschäftigen. Dazu gehören nicht nur historische Gebäude in der Stadt, sondern auch die Pflege der Mundart. Im 19. Jahrhundert wurde an den Nordhäuser Grundschulen noch in Platt unterrichtet, erst ab der fünften Klasse wurde das Hochdeutsche gelehrt, so Napiralla, der sich auch darüber wundert, dass es beide Bücher wohl auch im Nordhäuser Tabakspeicher gebe, bislang sich jedoch niemand darum gekümmert habe.
Jetzt wollen die Mitglieder des Rolandgruppenvereins das Nordhäuser Platt wieder salonfähig machen. Die nnz wird die Frauen und Männer dabei unterstützen. Beide Übersetzungen von Sandra Schmalbauch können Sie hier downloaden.
Übrigens: Die Antwort auf die eingangs gestellten Fragen sind wir noch schuldig. Als Aabel wird Mistjauche bezeichnet und ein Zeederli ist Sellerie.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzPeter Schwarz (r.) bedankt sich bei Sandra Schmalbauch für die Fleißarbeit
Der Rolandgruppen-Verein ist nicht nur die Vereinigung von einer gelaunten Frau und drei Männern. Deren Mitglieder, insgesamt 14 an der Zahl, kümmern sich vor allem um die Pflege von Nordhäuser Traditionen. Und wer das Parade-Quartett vor, während und auch manchmal nach dem alljährlichen Rolandsfest hört, der weiß: Das Nordhäuser Platt steht bei denen hoch im Kurs.
Der Rolandgruppe e.V. hatte im vergangenen Jahr eine ABM genehmigt bekommen. Eine junge Frau aus Niedersachswerfen, Sandra Schmalbauch, hatte das Wörterbuch des Nordhäuser Platt, das Idioticon der Nordthüringischen Mundart von 1874, das Platt ins Hochdeutsche übersetzt, Seite für Seite abgeschrieben und in die Schrift des 21. Jahrhunderts transferiert. Im Original ist Frakturschrift verwendet worden. Das Ergebnis ihrer halbjährlichen Arbeit hat die Frau dann noch in einer PDF-Datei verewigt.
Parallel dazu nahm sich Frau Schmalbauch ein zweites Buch vor, das kausal mit dem Idioticon zu tun hat. Es ist ein Jahrbuch des Königlichen Gymnasiums zu Quedlinburg aus dem Jahr 1882. Dieses Jahrbuch listet nicht nur genauestens Stundenpläne, Lehrer und Schüler auf, sondern widmet sich in seinem wissenschaftlichen Teil der Nordthüringer Mundart.
Jochen Napiralla, im Hauptberuf Bürgermeister in Niedersachswerfen und nebenbei Mitglied des Vereins und vormals der Alte Ewersberg, steht auf Mundart. Er berichtete gestern der nnz, dass die Nordthüringer Mundart bis hinaus nach Harzgerode gesprochen wurde und ein wenig mit dem Mansfeldischen verwandt ist. Wir müssen uns mehr mit unseren Wurzeln beschäftigen. Dazu gehören nicht nur historische Gebäude in der Stadt, sondern auch die Pflege der Mundart. Im 19. Jahrhundert wurde an den Nordhäuser Grundschulen noch in Platt unterrichtet, erst ab der fünften Klasse wurde das Hochdeutsche gelehrt, so Napiralla, der sich auch darüber wundert, dass es beide Bücher wohl auch im Nordhäuser Tabakspeicher gebe, bislang sich jedoch niemand darum gekümmert habe.
Jetzt wollen die Mitglieder des Rolandgruppenvereins das Nordhäuser Platt wieder salonfähig machen. Die nnz wird die Frauen und Männer dabei unterstützen. Beide Übersetzungen von Sandra Schmalbauch können Sie hier downloaden.
Übrigens: Die Antwort auf die eingangs gestellten Fragen sind wir noch schuldig. Als Aabel wird Mistjauche bezeichnet und ein Zeederli ist Sellerie.
Peter-Stefan Greiner
Downloads:
- Idioticon (303 kByte)
- Jahrbuch des Gymnasiums (386 kByte)



