Fr, 10:28 Uhr
30.01.2009
Schulverwaltung für Hort-Modelprojekt
Soll der Landkreis am Modelversuch des Landes teilnehmen und die Direktion der Horte übernehmen? Über diese Frage diskutierten gestern am späten Nachmittag die Schulleiterinnen der zwölf Grundschulen in Trägerschaft des Landkreises mit dem Fachbereich Schul- und Gebäudeverwaltung und Landrat Joachim Claus.
Das ist ein Thema, das sehr kontrovers diskutiert wurde. Wir haben es bereits 2008 mehrmals im Schul- und Kulturausschuss behandelt, sagte Hans Rumpf, Leiter des Fachbereichs Schul- und Gebäudeverwaltung. Inzwischen beteiligt sich eine Vielzahl von Landkreisen am Erprobungsmodell oder hat seine Teilnahme erklärt und der Tenor unter meinen Amtskollegen ist durchweg positiv.
Das Modelprojekt ist zunächst für vier Jahre geplant, wird wissenschaftlich begleitet und zum Abschluss evaluiert. Verläuft der Versuch erfolgreich, würde es in Gesetzesform gegossen und die Horte kommunalisiert. In der Projektphase bleiben die derzeitigen Mitarbeiterinnen der Horte weiterhin Angestellte des Landes Thüringen. Der Landkreis erhält das so genannte Direktionsrecht und kann damit die Nachmittagsgestaltung in den Grundschulen direkter beeinflussen. Wir würden dann Leitlinien für den Hort erarbeiten und mit Ihnen als Schulleiterinnen gemeinsam ein Konzept aufstellen, erläuterte Hans Rumpf.
Auch Neueinstellungen übernähme der Landkreis, wenn er sich am Modellprojekt beteiligt. Dabei ist genau geregelt, dass wir nur qualifiziertes Personal einstellen dürfen. Möglich sind auch Honorarverträge, um beispielsweise eine Sport-AG anzubieten, zitierte Hans Rumpf aus der Vereinbarung, die der Landkreis mit dem Kultusministerium abschlösse. Die Finanzierung der Personalkosten bleibt beim Land, das für das Modellprojekt den Ist-Stand und den Bedarf in den Horten vergleicht. Entsteht daraus eine Differenz, erhält der Landkreis diese Mittel, um die personelle Ausgestaltung der Horte wenn erforderlich zu verbessern.
Die Schulleiterinnen reagierten positiv auf das Vorhaben, wenn auch gleich viele Fragen entstanden. Sie hofften in erster Linie auf mehr Kontinuität in der Betreuung der Kinder. Denn bislang beschäftigt das Land befristet eingestellte Erzieherinnen maximal zwei Jahre. Zwar kann auch der Landkreis nur befristet einstellen – über unbefristete Verträge entscheidet weiter das Schulamt in Worbis – allerdings könnten sich die derzeit befristet Beschäftigten beim Landkreis neu bewerben. Die Leiterinnen begrüßten auch, dass ein Personalaustausch zwischen den Schulen beispielsweise im Krankheitsfall so einfacher und unbürokratisch möglich wäre. Die Option, im Modellprojekt mögliche Lücken im Personal zu schließen, stieß ebenfalls auf ein breites positives Echo.
Eigentlich wollte ich dieses Projekt mit der Stadt Nordhausen als zweiten Schulträger gemeinsam angehen und hatte sie darauf im vergangenen Sommer angesprochen. Aber wir hatten noch nicht die erforderlichen Entscheidungen in den Gremien, sprach Hans Rumpf. Die Stadtverwaltung Nordhausen übernimmt zum 1. April die Horte in den sechs Grundschulen in ihrer Trägerschaft. Der Bereichsleiter und Landrat Joachim Claus wollen das Hort-Modellprojekt erneut auf die Tagesordnung des Kreistages bringen. Fällt die Entscheidung dort positiv aus, könnte im günstigsten Fall noch im Frühjahr die Vereinbarung mit dem Thüringer Kultusministerium unterzeichnet werden.

