So, 13:46 Uhr
19.07.2009
w(iethoffs)w(ilde)w(oche)@nnz
Jürgen Wiethoff blickt in seiner Zeitungsnachshow für Sie diesmal wirklich nur mit einem zwinkernden Auge zurück auf eine mediale Woche...
Montag bis Freitag
hielt die Diskussion um eine erst Dienstag ausgestrahlte Fernsehsendung die nnz-Leser in Atem. Meinen Kurzkommentar der letzten Woche (Erst prügeln, dann ins Fernsehen? Aber klar doch. Strafe muss sein!) nehme ich hiermit mit Bedauern zurück. Diese Strafe, liebe Babette, war bei aller Kritik an dem bisherigen Verhalten zu hart. Und nun ohne alle Satire eine Fernsehkritik.
Vorab eines: Jeder Jugendliche, der – aus welchen Gründen auch immer – nicht den richtigen Weg ins Leben findet, hat die Bemühungen eines Jugendcoach verdient und sollte sie erhalten. Unabhängig davon, ob er sein bisheriges Leben im TV dargestellt sehen möchte oder nicht. Speziell ausgebildete Menschen wie Herr Lück sollten die konkrete Situation besser beurteilen können als Verwandte und Bekannte und (manchmal auch falsche) Freunde.
Was da Dienstagabend über die Bildschirme flimmerte, hatte die Bezeichnung Dokumentation nicht verdient. Zu offenkundig war, dass etliche Szenen nachgestellt waren. Man hatte unentwegt den Eindruck, ein Fernsehspiel mit Laiendarstellern zu schauen. Sehr zwiespältige Gefühle tun sich auf, wenn man bedenkt, dass dafür ein junger Mensch von jetzt auf gleich aus der einen Ausnahmesituation Außenseiter in der Gesellschaft Gleichaltriger in die andere Fernsehstar gerät.
Wenn als Ergebnis dieser Folge (Andere Teile habe ich bisher nicht gesehen und werde sie mir auch künftig nicht antun.) dann ein anderer junger Mensch schon während er zuschlägt fragt: Komme ich jetzt ins Fernsehen?, braucht man sich nicht zu wundern.
Das sollte auch und gerade Herrn Lück klar sein. Es ist für eine Gesellschaft sehr bedenklich, wenn notwendige Therapien möglicherweise nur aus Fernsehmitteln finanziert werden können. Dabei ist es ihm doch unbenommen, über seine Tätigkeit eine Dokumentationsreihe anfertigen zu lassen, mit allen positiven wie negativen Ergebnissen seiner Arbeit und fern allem Quotendenken. Niemand ist doch heute so blauäugig, anzunehmen, dass ein einzelner Jugendcoach quasi durch Handauflegen vor einer Fernsehkamera die Probleme aller jungen Menschen, die mit ihrem Alltag nicht fertig werden, lösen kann.
Die Not anderer Menschen sollte man nicht vermarkten. Peter Hahne hat es in einer seiner Kolumnen des Vorjahres bereits festgestellt, dass es gelegentlich sinnvoll ist, sich nicht nur der Vokabeln der Groß- und Ur-Großväter der heutigen Generation zu entsinnen, sondern auch deren tieferen Sinn zu begreifen: Das gehört sich nicht.
Montag
Kommentator brazil hat mir nachträglich den Gag für heute geklaut. Das ist gemein. Das macht man nicht. Ich gehe jetzt in die Ecke und bocke. Zum Thema der in Mühlhausen geklauten historischen Tür hatte der Kommentator angemerkt: die Veröffentlichung des Foto`s in der nnz hat somit verhindert, dass Tür und Tor offen stehen :-)
Dienstag
Die Kandidaten für die Landtagswahl am 30. August stehen heute in einem Onlineportal den Wählern in Thüringen Rede und Antwort. Das Projekt heißt -abgeordnetenwatch.de- Und in welcher Sprache reden und antworten die Kandidaten da? Denglisch?
Mittwoch
Der Fachbereich Jugend und Soziales des Landratsamtes Nordhausen plant einen Seniorenwegweiser für den Landkreis und seine Kommunen. So sollen sich die älteren Menschen besser zurechtfinden... Prima! Dann irren zukünftig nur noch die Jüngeren ziellos herum. Die haben auch noch mehr Zeit dazu. Komisch nur, dass der Fachbereich Jugend und Soziales heißt. Kann man wirklich heute einen Wegweiser nicht so aufbauen, dass ihn alle Generationen gleichermaßen verstehen und nutzen können? Keiner sollte jetzt mit der Begründung kommen, dass die Mittel dafür im Sachkonto Senioren stehen.
Donnerstag
Ein Praktikum der besonderen Art absolvierte der Nordhäuser Minister Dr. Klaus Zeh (CDU). Auf Einladung der Liga der freien Wohlfahrt arbeitete er am Donnerstag in der DRK-Kindertagesstätte Pumuck’l im Nordhäuser Ortsteil Bielen. Ein Minister im Kindergarten? Das geht gut. Das ist er im Wahlkampf (merke: nach Wieninger keine Sacharbeit) doch von der täglichen Arbeit her bestens gewöhnt.
Freitag
Minister Reinholz unterstützt den Opel-Bieter Magna. Er meinte, VEB Opels hatten wir hierzulande 40 Jahre lang. Von denen hat nicht einer überlebt. Dazu die Anmerkung eines Kommentators: Wenn es im grünen Ländle noch Arbeiter mit einen gesunden Klassenstandpunkt geben würde, hätten sie längst die Eisenacher Werke besetzt und in Arbeiterselbstverwaltung fortgeführt.bDie Sache hätte einen gewissen Charme. Eisenach hat Schlüsseltechnologie, Tradition (beides heißt Wartburg), eine zauberhafte Umgebung und in Richtung Westen sind vielleicht sogar noch Reste der Mauer in die Erneuerung rund um Eisenach einzubeziehen.
Dann brauchen wir noch ein paar sozialistische Planer, ca. 10 Parteisekretäre, die letzten Aluchips und natürlich den Hype auf die Mikroelektronik. Wenn die Planer jetzt gleich an die Arbeit gehen, könnte der erste sozialistische Opel so in ca. 6 Jahren die Entwicklungsstufen durchlaufen haben und so in ca. 11-15 Jahren könnten sofort abgegebene Bestellungen dann schon ausgeliefert werden, natürlich über die Kfz-HO. Ob die Kennzeichen der Autos dann gleich mit einem H enden, können sicher die Planer mit den Parteisekretären nebenbei beraten, wenn dann die Produktion anläuft.
Am Besten macht ihr da einen Neurervorschlag daraus, den ihr selbst realisiert, das bringt wieder DDR-Mark ohne Ende. Leider müsst ihr den dann außerhalb der Arbeitszeit bearbeiten, aber zu DDR-Zeiten hat sich auch keiner an diesen Überstunden gestört. Ach halt, da fällt mir noch was Wichtiges ein: Ein paar Funktionäre vom FDGB, die das alles absegnen, brauchen wir auch noch. Liebe Eisenacher, ihr braucht auch einen Fluchttunnel. Ich helfe gern graben.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz/knMontag bis Freitag
hielt die Diskussion um eine erst Dienstag ausgestrahlte Fernsehsendung die nnz-Leser in Atem. Meinen Kurzkommentar der letzten Woche (Erst prügeln, dann ins Fernsehen? Aber klar doch. Strafe muss sein!) nehme ich hiermit mit Bedauern zurück. Diese Strafe, liebe Babette, war bei aller Kritik an dem bisherigen Verhalten zu hart. Und nun ohne alle Satire eine Fernsehkritik.
Vorab eines: Jeder Jugendliche, der – aus welchen Gründen auch immer – nicht den richtigen Weg ins Leben findet, hat die Bemühungen eines Jugendcoach verdient und sollte sie erhalten. Unabhängig davon, ob er sein bisheriges Leben im TV dargestellt sehen möchte oder nicht. Speziell ausgebildete Menschen wie Herr Lück sollten die konkrete Situation besser beurteilen können als Verwandte und Bekannte und (manchmal auch falsche) Freunde.
Was da Dienstagabend über die Bildschirme flimmerte, hatte die Bezeichnung Dokumentation nicht verdient. Zu offenkundig war, dass etliche Szenen nachgestellt waren. Man hatte unentwegt den Eindruck, ein Fernsehspiel mit Laiendarstellern zu schauen. Sehr zwiespältige Gefühle tun sich auf, wenn man bedenkt, dass dafür ein junger Mensch von jetzt auf gleich aus der einen Ausnahmesituation Außenseiter in der Gesellschaft Gleichaltriger in die andere Fernsehstar gerät.
Wenn als Ergebnis dieser Folge (Andere Teile habe ich bisher nicht gesehen und werde sie mir auch künftig nicht antun.) dann ein anderer junger Mensch schon während er zuschlägt fragt: Komme ich jetzt ins Fernsehen?, braucht man sich nicht zu wundern.
Das sollte auch und gerade Herrn Lück klar sein. Es ist für eine Gesellschaft sehr bedenklich, wenn notwendige Therapien möglicherweise nur aus Fernsehmitteln finanziert werden können. Dabei ist es ihm doch unbenommen, über seine Tätigkeit eine Dokumentationsreihe anfertigen zu lassen, mit allen positiven wie negativen Ergebnissen seiner Arbeit und fern allem Quotendenken. Niemand ist doch heute so blauäugig, anzunehmen, dass ein einzelner Jugendcoach quasi durch Handauflegen vor einer Fernsehkamera die Probleme aller jungen Menschen, die mit ihrem Alltag nicht fertig werden, lösen kann.
Die Not anderer Menschen sollte man nicht vermarkten. Peter Hahne hat es in einer seiner Kolumnen des Vorjahres bereits festgestellt, dass es gelegentlich sinnvoll ist, sich nicht nur der Vokabeln der Groß- und Ur-Großväter der heutigen Generation zu entsinnen, sondern auch deren tieferen Sinn zu begreifen: Das gehört sich nicht.
Montag
Kommentator brazil hat mir nachträglich den Gag für heute geklaut. Das ist gemein. Das macht man nicht. Ich gehe jetzt in die Ecke und bocke. Zum Thema der in Mühlhausen geklauten historischen Tür hatte der Kommentator angemerkt: die Veröffentlichung des Foto`s in der nnz hat somit verhindert, dass Tür und Tor offen stehen :-)
Dienstag
Die Kandidaten für die Landtagswahl am 30. August stehen heute in einem Onlineportal den Wählern in Thüringen Rede und Antwort. Das Projekt heißt -abgeordnetenwatch.de- Und in welcher Sprache reden und antworten die Kandidaten da? Denglisch?
Mittwoch
Der Fachbereich Jugend und Soziales des Landratsamtes Nordhausen plant einen Seniorenwegweiser für den Landkreis und seine Kommunen. So sollen sich die älteren Menschen besser zurechtfinden... Prima! Dann irren zukünftig nur noch die Jüngeren ziellos herum. Die haben auch noch mehr Zeit dazu. Komisch nur, dass der Fachbereich Jugend und Soziales heißt. Kann man wirklich heute einen Wegweiser nicht so aufbauen, dass ihn alle Generationen gleichermaßen verstehen und nutzen können? Keiner sollte jetzt mit der Begründung kommen, dass die Mittel dafür im Sachkonto Senioren stehen.
Donnerstag
Ein Praktikum der besonderen Art absolvierte der Nordhäuser Minister Dr. Klaus Zeh (CDU). Auf Einladung der Liga der freien Wohlfahrt arbeitete er am Donnerstag in der DRK-Kindertagesstätte Pumuck’l im Nordhäuser Ortsteil Bielen. Ein Minister im Kindergarten? Das geht gut. Das ist er im Wahlkampf (merke: nach Wieninger keine Sacharbeit) doch von der täglichen Arbeit her bestens gewöhnt.
Freitag
Minister Reinholz unterstützt den Opel-Bieter Magna. Er meinte, VEB Opels hatten wir hierzulande 40 Jahre lang. Von denen hat nicht einer überlebt. Dazu die Anmerkung eines Kommentators: Wenn es im grünen Ländle noch Arbeiter mit einen gesunden Klassenstandpunkt geben würde, hätten sie längst die Eisenacher Werke besetzt und in Arbeiterselbstverwaltung fortgeführt.bDie Sache hätte einen gewissen Charme. Eisenach hat Schlüsseltechnologie, Tradition (beides heißt Wartburg), eine zauberhafte Umgebung und in Richtung Westen sind vielleicht sogar noch Reste der Mauer in die Erneuerung rund um Eisenach einzubeziehen.
Dann brauchen wir noch ein paar sozialistische Planer, ca. 10 Parteisekretäre, die letzten Aluchips und natürlich den Hype auf die Mikroelektronik. Wenn die Planer jetzt gleich an die Arbeit gehen, könnte der erste sozialistische Opel so in ca. 6 Jahren die Entwicklungsstufen durchlaufen haben und so in ca. 11-15 Jahren könnten sofort abgegebene Bestellungen dann schon ausgeliefert werden, natürlich über die Kfz-HO. Ob die Kennzeichen der Autos dann gleich mit einem H enden, können sicher die Planer mit den Parteisekretären nebenbei beraten, wenn dann die Produktion anläuft.
Am Besten macht ihr da einen Neurervorschlag daraus, den ihr selbst realisiert, das bringt wieder DDR-Mark ohne Ende. Leider müsst ihr den dann außerhalb der Arbeitszeit bearbeiten, aber zu DDR-Zeiten hat sich auch keiner an diesen Überstunden gestört. Ach halt, da fällt mir noch was Wichtiges ein: Ein paar Funktionäre vom FDGB, die das alles absegnen, brauchen wir auch noch. Liebe Eisenacher, ihr braucht auch einen Fluchttunnel. Ich helfe gern graben.
Jürgen Wiethoff

