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Mo, 07:02 Uhr
18.01.2010

nnz-Forum: Doppelmoral

Der im nnz-Forum erschienene Artikel „Ungeheizt“ von Herrn Meyer hat für einigen Wirbel gesorgt, es gab immerhin 23 Kommentare. Im Forum der nnz gibt es jetzt die Antwort eines Lesers...

Karikatur (Foto: H. Buntfuß) Karikatur (Foto: H. Buntfuß)

Ich möchte hier nicht jeden Kommentar auseinander nehmen, aber auf einen möchte ich doch einmal näher eingehen. Es handelt sich um den Kommentar „Ein enttäuschter Wähler" von einem Mitbürger, der sich „Ballzauber“ nennt. Er schreibt unter anderen an „Werner“:

„ ... ich bin kein Wähler der "Linken", aber auch ich kapiere, dass die Interessen der Unternehmen und der Parteien nicht immer überein kommen!
Also Sie können doch nicht erwarten, das z.B. ein Bankangestellter, der Parteimitglied der "Linken" oder der "Grünen" ist, Parteiinteressen in seinen Job vertritt, den dann hat er seinen Job nicht länger! Also hier werden zwei Dinge miteinander vermischt, was ein Fehler ist!“

Verehrte(r) „Ballzauber“ ist es nicht so, dass Frau Haase einer gGmbH vorsteht, die sich um Personen mit sozialen Problemen kümmert. Hat man sich das nicht auf die Fahnen geschrieben? Hört man nicht immer von Frau Grünwald und Frau Haase, wie „grottenschlecht“ die Hartzgesetze sind. Geht die Linkspartei nicht mit dem Slogan „Wir sind die Partei für soziale Gerechtigkeit!“ auf Stimmenfang?

Zu jeder Parteiversammlung lobt man sich selber, wie sozial man doch ist. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie das Beispiel Lift zeigt. Und Sie Frau/Herr Ballzauber schreiben sinngemäß, man solle Parteigesinnung und Job nicht vermischen. Das heißt im Klartext, man muss doppelzüngig sein! Man dient also zwei zueinander feindlichen Herren. Man ändert seine Ansichten je nachdem, wem man gerade in den Allerwertesten kriechen muss. Muss??

Ich möchte Ihnen nichts unterstellen, aber solche Ansichten sind für die weitere Verlodderung der „demokratischen“ Gepflogenheiten in diesem Lande sehr förderlich! Auf der einen Seite macht man auf sozial und auf der anderen lässt ist man, wenn es darauf ankommt, als ein eiskalter Unternehmer seine anvertrauten Mitarbeiter in der Kälte stehen und bettelt trotz ausreichender Fördermittel die Öffentlichkeit um Öfen an.
Harald Buntfuß
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Wolfgang Reinhardt
18.01.2010, 08:00 Uhr
linke Gesinnung
Ich kann Herrn Bundfuß nur beipflichten. Natürlich müssen auch Mitglieder der Linkspartei geltende Gesetze umsetzen, aber das sollte nicht unkritisch oder gar wider die Ausführungsbestimmungen geschehen, ansonsten gäbe es keinen Grund Links zu wählen.

Die in den Kommentaren aufgezeigten Einsatzbereiche der 1 € Jobber sind überwiegend Tätigkeiten, die reguläre Firmen ausführen können. Hier werden also Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgebotet. Das kann doch nicht Anliegen von Linken sein.

Gerade in Regierungsämtern oder bei gGmbHs könnte man beweisen, dass es einen Unterschied macht, wer Verantwortung trägt, Angehörige z.B. der FDP oder der Linkspartei. Ich bin kein Parteimitglied, aber Sympathisant der Linkspartei und daher ärgert mich die Arbeitsweise, in diesem Falle der Frau Haase, weil sie der linken Idee nicht dienlich ist.
Real Human
18.01.2010, 13:29 Uhr
Was immer die Partei befahl, ich führt' es aus, wohl tausendmal!
Nein, „Otschko“, Ihnen kann ich leider überhaupt nicht beipflichten, wenn Sie schreiben:

„Natürlich müssen auch Mitglieder der Linkspartei geltende Gesetze umsetzen, aber das sollte nicht unkritisch oder gar wider die Ausführungsbestimmungen geschehen, ansonsten gäbe es keinen Grund Links zu wählen.“

Genau das ist nämlich die gegenwärtige Generallinie der heutigen Wischi-Waschi-Linken, der Nachfolgerin einer Marionettenpartei von Breshnews (und anderer Diktatoren) Gnaden.

Bis zum 16. Juni 2007 nannte sie sich noch „Partei des Demokratischen Sozialismus“ und hatte damit immerhin noch ein politisches Programm in ihrem Namen. Das war allerdings ein Programm, das in den eiskalt-steinernen Herzen der alten SED-Kader nie wirklich Wurzeln schlagen konnte. Man erinnere sich: Wer zu SED-Zeiten für einen Demokratischen Sozialismus eintrat, konnte sicher sein, für einige Jahre in einem DDR-Knast zu verschwinden, wenn er sich kämpferisch dafür einzusetzen wagte.

Wie uns die „Wende“ gelehrt hat, ändern Menschen sehr schnell ihre Fassade, ihre oft schon im sozialistischen Kindergarten erworbene Mentalität aber meist nie. Viele haben später, als sie die real-“sozialistische“ Wirklichkeit kennen lernten, noch die Kurve zu einer anderen, allerdings oft nicht besseren, Einsicht gekriegt. Aber der (politisch) schlafwandlerische Mainstream der SED-Genossen schlug lieber jeden Morgen das ND auf und wusste damit – ohne jemals selbst nachdenken zu müssen – sofort, was sie ihren Kollektiven zu verkünden hatten.

Was immer die Partei befahl
Ich führt' es aus , wohl tausendmal
Gehorsam tat ich meine Pflicht
Denn denken braucht man dabei nicht
(Aus Wacholder CD: „Große Zeiten“, „Wendewalzer“)

Dann kam sie, die „Wende“ und aus braven „Klassenkämpfern“ wurden fast über Nacht ebenso brave „Demokraten“ – Demokraten einer Feierabend- und Wochenenddemokratie. Sonntags beamt man sich den Heiland aus einem virtuellen Universum herunter und auf Schicht versucht man seinen Konkurrenten-Kollegen beim Teamchef anzuschwärzen, wo es nur geht.

Ja, meine lieben Ex-“Klassenkämpfer“! Der olle Marx geißelte den Kapitalismus noch als tendenziell „faulend und parasitär“ (übrigens auch Heiner der Geißler von der CDU!). Jetzt haben wir ihn, den „parasitären und faulenden“ Kapitalismus und zwar so heftig, dass es sogar einem ehemaligen IWF-Direktor und heutigen Bundespräsidenten mulmig wurde.

Doch was tun unsere ehemaligen „Klassenkämpfer“? Sie agieren genau so, wie man es von Spießbürgern mit anerzogener Untertanen-Mentalität erwarten musste: Sie schleimen sich bei ihren neuen Herren ein. Sie zeigen immerhin eine charakterliche Kontinuität – Revolutionäre waren sie weder zu „DDR“-Zeiten noch in unserer heutigen „Demokratie“.

Nein, „Otschko“, Bürger mit einer revolutionären Gesinnung setzen keine Gesetze eines immer menschenfeindlicher werdenden Systems um, sondern bekämpfen es mit allen sinnvollen Mitteln. Sinnvoll wäre es z.B. wenn Frau Haase täglich eine Stunde Politische Aufklärung abhalten ließe, wie es die Sozialdemokraten noch zu Zeiten der Bismarck'schen Sozialistengesetze – meistens heimlich – taten. Stattdessen organisiert und führt sie eine Reparaturbrigade für das verkorkste und zum Untergang verurteilte System. Besser wäre es, so etwas den Betschwestern von der CDU zu überlassen.

Es reicht auch nicht, Subversion durch „Dienst nach Vorschrift“ zu betreiben. Nach jeder Revolutionstheorie ist es besser, wenn man die Systemwidersprüche sich verschärfen lässt, anstatt die durch eine systemische Krankheit hervorgerufenen Geschwüre mit Pflästerchen und frommen Sprüchen zu behandeln.

Wäre die Nordhäuser LINKE eine Partei, die für einen Demokratischen Sozialismus kämpft, hätte sie Frau Grünwald und Frau Haase längst wegen parteischädigenden Verhaltens ausschließen müssen. Das ist aber ungefähr das Gleiche, wie wenn man von einem Alkoholiker verlangen würde, seine Bier- und Schnapsvorräte zu vernichten. Noch etwas: Gerade dadurch, dass man sich NICHT in Regierungsämter drängt, kann man als wirkliche Opposition seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.

Doch:

So mancher, der sich dazumal
Den Hintern hat hat gewärmt
Man sieht es, doch man glaubt es kaum
Steht heut' in Ruhm und Ehr'

Schon wieder drängt die Ratte sich
Mit Macht zum Futtertrog
Nur die, die sich das Maul verbrannt
Steh'n abseits, wie zuvor
(Aus Wacholder CD: „Große Zeiten“, „Deutsches Trinklied“)
Mister X
18.01.2010, 13:39 Uhr
Sehr gelungen
Diese Karikatur und den Text halte ich für sehr gelungen. Es spiegelt den gegenwärtige politischen Alltag wieder.
H.Buntfuß
18.01.2010, 13:49 Uhr
Moral hin Moral her
Ist es nicht schon soweit, das die Doppelmoral zum Alltag der Politiker gehört? Schauen sie sich die beiden größten Nordhäuser Sozialvereine, wie sie sich gern in der Öffentlichkeit geben,einmal genau an. Wer sitzt in der so genannten Führungsetage, oder hat eine Festanstellung.

Nehmen wir Lift hier leitet ein „LINKES KREISTAGSMITGLIED“ die Geschäfte, Horizont wird von einen „SPD KREISTAGSMITGLIED“ geführt. Wobei man bei der „SPD“ ja spätestens seit der Einführung von „Hartz IV“weiß, dass diese Partei mit sozialer Gerechtigkeit nicht viel am Hut hat.


Sie hat ja erst die Wege für eine solch unsoziale Entwicklung geebnet. War es nicht Schröder und & Co. Die die Mindestlöhne, ein Euro- Jobs und die 360 Euro- Jobs eingeführt haben. Sie haben doch bewusst in Kauf genommen, das weite Teile der Bevölkerung verarmen.

Das kuriose an der Sache ist, dass sich beide Partei der Öffentlichkeit, als sozial gerecht darstellen. Die „SPD“ legt seit kurzen wieder Wert darauf, eine „ARBEITERPARTEI“ zu sein. Ich habe lange keinen besseren Witz gehört.
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