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Mi, 12:19 Uhr
10.02.2010

nnz-Forum: Klatsche für Merkel und Co.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz-IV-Regelsätzen beschäftigt sich ein Leser de nnz im Forum und hat wieder eine Karikatur parat...


Karikatur (Foto: H. Buntfuß) Karikatur (Foto: H. Buntfuß)

Nun ist es da, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Es ist, wie nicht anders zu erwarten, eine Blamage für Merkel und ihren Hofstaat. Was am meisten an dem Urteil auffällt, sind die Kommentare der einzelnen Parteien.

Ich verstehe ja vieles, aber dass sich eine Partei, wie die „SPD“ oder die „Grünen“ so weit aus dem Fenster hängen, ist mir unverständlich. Waren es nicht gerade diese beiden Parteien, die das Hartz- IV-Gesetz erfunden haben? Haben sie nicht unter Schröder die Niedriglöhne und die Ein-Euro-Jobs eingeführt? Damit haben sie doch erst die Grundlagen für das heutige Durcheinander gelegt.

Diesen Maßnahmen haben es erst ermöglicht, die Löhne dermaßen zu drücken, dass heute manche Alg-II-Familie ein höheres Einkommen hat als viele Working-Poor-Familien. Die Antwort der Anwälte der herrschenden Klasse lautet natürlich: Wir müssen das Alg-II senken, damit sich Arbeit wieder lohnt! Das ist eine wirklich zynische Schlussfolgerung der „Nieten in Nadelstreifen“. Das Schlimmste aber ist, dass diese Argumentation bei der Klasse der Skandalblatt-Leser und Werbe-Kanal-Glotzer auch noch auf fruchtbaren Boden fällt.

So haben es Leute wie Koch oder jüngst wieder Merz sehr leicht, Deutschlands (dumm gemachte) Arme gegeneinander aufzuhetzen. Herr Merz verlangt wieder einmal, die Bezüge der Alg-II- Empfänger auf 132 Euro zu kürzen.

Vor ein paar Tagen fiel mir im Archiv die Nordhäuser Volkszeitung vom 14.01.1932 in die Hände. Darin fand ich einen Speisezettel für Erwerbslose, darauf ist genau aufgeschlüsselt, was sie essen können und was es kostet. Ich will hier nicht den ganzen Speiseplan wiedergegeben. Nur so viel sei gesagt: Dem Erwerbslosen gestand man 1,81 Reichsmark pro Tag zu. Hierzu muss auch erwähnt werden, dass eine Reichsmark 1932 einen Gegenwert von 3,95 Euro hatte und 1936 entsprach der Wert sogar 4,26 Euro!

Wenn man der Argumentation von Merz folgt – er verlangt bekanntlich 132 Euro für den Monat – dann kommt man auf 4,40 Euro pro Tag. Ich habe hier 30 Tage für den Monat zu Grunde gelegt. „Der Führer“ hätte seinen Arbeitslosen also umgerechnet 7,71 Euro pro Tag zugebilligt also 3,31 Euro mehr als Merz & Co. Man sollte zwar einen „Demokraten“ nicht mit einem Diktator vergleichen, auch waren die Lebensumstände 1936 ganz anders als heute, aber eine solche Gegenüberstellung sollte doch einmal zum Nachdenken anregen.

Besonders verwerflich finde ich allerdings, dass man den Gesetzgebern eine Frist von fast einen Jahr gegeben hat, um diese Missstände abzuschaffen. Wie schnell und großzügig war man doch bei der Rettung der Banken, also des Vermögens der Reichen und Superreichen! Ich vermute mal, dass die Regierenden das Jahr nutzen und überlegen, wie sie die Verfassung ändern können, damit sie NICHT zahlen müssen.

Das wäre gewiss nicht das erste Mal. Erinnert sei hier an Schröder, als es um die Rentenanpassung West-Ost ging. Um nicht zu zahlen, hat man kurzerhand die Verfassung geändert. Und so einen Schritt traue ich den gegenwärtig Regierenden allemal zu. Und bei jeder Sauerei – die SPD ist bekanntlich immer dabei!

Man sollte also nicht zu viel Hoffnung in das Urteil legen, denn wie man den ersten Stellungsnahmen entnehmen kann, sind die Regierenden der Meinung, das Urteil müsse nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung der Regelsätze führen. Und das glaube ich der Regierung aufs Wort! Sie basteln eher am Grundgesetz herum und machen es passend für die jetzigen oder noch niedrigere Alg-II-Sätze. Auch die Einführung des FDP-Bürgergelds wäre eine ausgebuffte Alternative.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
denk-mal
10.02.2010, 14:15 Uhr
leider wahr . . .
grundsätzlich bin ich ähnlicher meinung wie sie herr Buntfuß. sie haben schon recht, wenn sie schreiben dass bei der rettung des kapitals sehr schnelle reaktionen kamen und ein deartiges tempo hier nicht entstehen wird.

nur das sie jetzt schon einschätzen könne, dass die variante mit dem bürgergeld, auch nur ein ausgebuffte nummer wird, halte ich für nicht gerechtfertigt.

würde man den Arbeitslosengeld II empfängern ein bürgergeld zahlen, wovon man leben kann, wenn auch nicht fürstlich aber dennoch würdig schlüge man damit mehrere fliegen mit einer klappe. erste fliege unter der klappe, ein gezahltes bürgergeld würde das lohnniveau anheben, denn wenn ich als bürger zb.: 950 euro bekäme, würde ich nicht mehr für 700 euro arbeiten gehen, zweite fliege, das geschrei nach mindestlöhnen würde verstummen, wenn die unternehmer die ware arbeit kaufen wollen, dann mit angemessenen geldsummen.

wenn diese arbeitssuchenden etwas dazu verdienen dürfen und könnten von diesem lohn auch noch einen angemessenen anteil (50%) behalten gingen diese , wenn es denn arbeit gibt auch arbeiten, weil menschen müssen motiviert werden. eine weitere fliege unter der selben klappe wäre die sicherung des sozialen friedens. die dritte fliege HartzIV empfänger müssten sich nicht entwürdigend behandeln lassen von irgendwelchen "behördenmenschen".

also nicht jede idee gleich schlecht machen, lieber abwarten, diese "soziale kälte partei-fdp" hat als erstes das kindergeld erhöht und . . . sie erinnern sich die cdu und spd hatten bei ihrer letzten gemeinsamen amtseinführung, erst mal die mehrwertsteuer erhöht, an das wie werden sie sich noch erinnern.
Georg
10.02.2010, 14:18 Uhr
Noch ist nicht viel gewonnen.....
Auch ich habe große Bedenken, das die Regierung versucht wieder zu tricksen. Das Urteil ist ja in dieser Beziehung leider sehr schwammig. Meine Hoffnung auf höhere Regelsätz ist nicht sehr groß. Es wird den Regierenden schon etwas einfallen um den Kinder und ALG II Beziehern nicht mehr zahlen müssen, Zeit genug haben sie ja nun dafür.
98maschr
10.02.2010, 16:15 Uhr
Reichsmark und co.
Schöne Milchmädchenrechnung, die in etwa dem Vergleich von Äpfel mit Birnen nahekommt.
Aber da Sie Wikipedia so mögen hätten Sie vielleicht den ganzen Artikel lesen sollen, dort steht nämlich auch, daß man für die Reichsmark einen fiktiven Golddeckungsbetrag gewählt hatte um so der Inflation entegen zu wirken. Insofern ist der Vergleich mit den 30er Jahren aber mal so dermaßen an der Realität vorbei...

Und in welchem Zusammenhang stehen die Gelder für die Banken mit der 1-jährigen Frist? Werter Herr Buntfuß, Sie schreiben doch hier soviel, bitte lernen Sie endlich mal logisch und vor allem sachlich zu argumentieren, ohne populistische Parolen rauszuhauen.
H.Buntfuß
10.02.2010, 17:38 Uhr
Bürgergeld ?
Sehr geehrter Herr denk – mal,

ich bin ja grundsätzlich auch mit einer Art von Bürgergeld einverstanden. Sie schreiben das Bürgergeld solle 950 Euro betragen, damit könnte ich leben, wie man so sagt.

Aber jetzt kommt es, Ihre Parteifreunde in Berlin sehen das ganz anders. Hier ein Beispiel. Die FDP forderte „Hartz IV“ durch ein Bürgergeld zu ersetzen. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart sagte, das „Hartz IV“-Urteil sei ein guter Anlass, um über die Reform des Sozialtransfersystems als Ganzes zu sprechen. Durch ein Bürgergeld würden die verschiedenen Sozialleistungen unbürokratischer, transparenter und leistungsgerechter. DABEI SOLLE DIE HÖHE DER „HARTZ IV“-SÄTZE NICHT UNTERSCHRITTEN WERDEN.

Wenn ich so etwas lese läuten bei mir die Alarmglocken, die „Hartz IV“ Sätze sollen nicht unterschritten werden, aber auch nicht überschritten. Der Steuerexperte, Hermann Otto Sloms, bringt es auf den Punkt, in dem er sagt bei „Hartz IV“-Leistungen seien insgesamt sogar Einsparungen möglich. Wie ist das zu verstehen?

Diese Aussagen sind nachzulesen in WELT Online.
denk-mal
11.02.2010, 07:46 Uhr
immer einverstanden ?
das ist zwar kein chat - trotzdem sei mir gestattet "werner" zu sagen, dass man als mitglied einer partei das selbständige denken nicht aufgeben muss und nicht der meinung einiger in einer partei folgen muss. meine praxisnähe sagt, dass 950 euro das absolute existenzminimum sind. jeder, der weniger verdient, hat die armutsgrenze unterschritten. der lebensunterhalt erfordert eigentlich schon mehr geld.
harzm
12.02.2010, 07:06 Uhr
Bürgergeld ???
Das Bürgergeld ist eine hervorragende Gelegenheit für die Unternehmen weiter die Löhne zu senken...Wie sagte doch einst Herr Brüderle: "Nach unseren Konzept MÜSSEN sie arbeiten gehen..." - Aber er hat noch nicht verlauten lassen, wo die Millionen Arbeitsplätze sind bzw. wo diese herkommen sollen...Zur Erinnerung: 662 Euro für jeden davon sollen unter andern die Abgaben bezahlt werden - wie es so schön heißt: Eine Leistung - statt mehrere...Die FDP wird irgendwann ihr Ziel erreicht haben, dass sich die Unternehmer vollkommen von den Abgaben befreien und alle Last nur noch der Arbeitnehmer zu tragen hat...

Bleibt die Frage offen ob das so funktionieren wird...Und noch ene Erinnerung: Die Mehrheit hat ja diese Koalition so gewollt...Schon der FDP-Spruch: Arbeit muß sich wieder lohnen - darauf sind die Wähler hereingefallen...Arbeit wird sich erst wieder lohnen, wenn ALLE Niedrig- und Minilohnbezahler, Zeitarbeits- und Verleihunternehmen vom Markt verschwunden sind - denn die arbeiten NUR auf der Basis geringster Bezahlung !!! Und das schadet der gesammten Gesellschaft...
smoky62
07.06.2010, 13:46 Uhr
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