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Sa, 16:34 Uhr
15.05.2010

Abschied zweier Männer

Die LINKE will sich an diesem Wochenende zwei neue Vorsitzende verpassen. Zuvor verabschieden sich die alten. Für die nnz in Rostock mit dabei ist Matthias Mitteldorf...


Bei stürmischem Regenwetter in Rostock begann der lange erwartete Bundesparteitag der Partei DIE LINKE um 10.00 Uhr pünktlich. Empfangen wurden Delegierte, Gäste und Journalisten vor der Stadthalle von Aktivisten der JUNGEN UNION, die in der Art an die Mauertoten erinnerten, wie vor zwei Monaten die Fraktion der Linken im Bundestag. Man hielt Namensschilder mit Geburts- und Sterbedatum über dem Kopf hoch. Ein Gast vor dem Tagesgebäude: “Hoffentlich holen die sich nichts weg bei dem Sauwetter, sonst sind wir Linken auch noch daran schuld.“

Begrüßt wurden die Delegierten vom Mecklenburgischen Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn. Der parteilose Rostocker OB Roland Methling schickte eine Senatorin in Vertretung für die Grußworte, die dem Parteitag Erfolg wünschte.

Bemerkenswert frisch, frech und angriffslustig gingen dann die beiden Noch- Parteivorsitzenden ans Rednerpult. Während Lothar Bisky, der als Fraktionschef auch die Vereinigte Europäische Linke/Nordisch-Grüne Liga im Europaparlament führt, auf die internationalen Herausforderungen einging, lag Oscar Lafontaines Fokus eher bei der deutschen Politik.

Bisky forderte, Deutschland sollte statt drittgrößter Waffenexporteur, besser vorbildlicher Exporteur von sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit werden. Er forderte ein weltweites Verbot von Hedegesfonds und prangerte den Wohlstandschauvinismus mit nationalistischen Zügen in der Mitte Europas an. „Die korruptesten Firmen und Firmen, die in Griechenland am meisten gezockt haben heißen: Siemens, Allianz und Deutsche Bank“, so Bisky. „Alles typische griechische Namen", fügte er ironisch dazu. Wenn diese Zocker, so Bisky, nur ihre Zinsen zurückerhalten, für die jetzt die gesamte EU bürgt und zahlt, gibt es bald in keinem Land mehr politischen Spielraum zur Gestaltung. Sein Fazit: Verstaatlichung der Banken und Entschuldung der Wackelstaaten.

Abschied (Foto: M. Mittteldorf) Abschied (Foto: M. Mittteldorf) Lafontaine bedankte sich bei allen Weggefährten aus PDS und WASG für den Aufbau der Partei DIE LINKE. Nur alle gemeinsam haben das Fünfparteiensystem in der BRD etabliert. DIE LINKE sitzt jetzt in 13 von 16 Landtagen, genau wie die Grünen und ist im Bundestag stärker als Grüne und CSU zusammen. Er beschwor die Anwesenden: „Ja wir sind auch PDS, die Partei des Demokratischen Sozialismus. Das heißt ganz einfach, wir streben eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung an. Punkt! Und Demokratie heißt für uns, die Minderheit beugt sich der Mehrheit, lässt sich aber nichts aufzwingen.“ Beide Redner wurden mit stehendem Applaus minutenlang bedacht.

Gäste in Rostock (Foto: M. Mittteldorf) Gäste in Rostock (Foto: M. Mittteldorf)

Für den Landkreis Nordhausen vertreten als Delegierte Barbara Schencke und Alexander Scharff ihre Genossen. Als Gäste nehmen Constanze und Birgit Keller (siehe Foto).
Autor: nnz

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Kommentare
98maschr
15.05.2010, 17:39 Uhr
Chance?
2 Populisten die den Leuten das Blaue vom Himmel versprechen weniger...vielleicht ist dies endlich die Gelegenheit für Die Linke sich von ihrer Traumwelt zu verabschieden und sich in die Realwelt zu begeben.

Aber wie sagte Gysi doch letztes Jahr so schön in Berlin? Die Linke will ja gar nicht regieren. Unter diesen Voraussetzungen braucht man sich natürlich nicht mit der Realität auseinander setzen ;)
Totaldemokrat
15.05.2010, 18:04 Uhr
Frisch & Frech?
Da hat der ehemalige Schauspieler Mitteldorf aber nun gewaltig übertrieben. Herr Bisky war frisch und frech? Eher müde und langweilig...

Lafo tönte dafür um so mehr, ja das gefällt den Roten.
Die Wahrheit wurde aber auch gesagt auf dem Parteitag, muß man ja zugeben.

Wulf Gallert, Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl 2011 in Sachsen-Anhalt sagte zum Beispiel: „Wir wollen stärkste Partei werden und wir wollen mitregieren.“ Außerdem meinte er: „Wir können den Wählern nur anbieten, was später in unserer Kompetenz liegt. Wir können in Sachsen-Anhalt nicht Hartz IV abschaffen.“

Die Roten hatten ihre Chance, diese Chance ist vor 20 Jahren abgelaufen.
Rainer-Zufall
15.05.2010, 20:33 Uhr
fassungslos
warum bekommt diese linksextreme Partei hier überhaupt so viel (positive) aufmerksamkeit?
Retupmoc
17.05.2010, 07:52 Uhr
Viel zu wenig Aufmerksamheit
Die LINKE bekommt viel zu wenig Aufmerksamheit. Leider bekommen in den Nachrichten nämlich die Parteien die Sendezeit, die Deutschland in den Ruin führen:

mit Entwertung des Euros
mit Hoffieren von Bänkern
mit Krieg in Afghanistan
mit Sozialabbau bei Arbeitern und Rentnern
mit Kostenerhöhungen im Gesundheitswesen

und
und
und

Der Platz würde nicht reichen für das was die Wandzeitungsredakteurin und der 18 % Träumer alles so sinnfreies loslassen. Sicher, die LINKE kann im Moment leider nicht viel tun, weil die Prozentzahlen noch nicht reichen um diese Dilettanten abzulösen. Aber dieser Tag wird kommen. Und die LINKE ist die einzige Partei, die hier noch versucht soziale Politik zu machen. Sparen sollen wir, die Steuern erhöht und Merkel, Guido und Co. erhöhen gleichzeitig ihre Bezüge. Na glaub ich es denn noch. Das hier noch Leute hinter denen herlaufen errinnert mich fatal an den rattenfänger von Hameln. Nur das es diesmal die Rattenfänger aus Berlin sind.

PS: Ich freue mich schon auf den Tag, lieber Rainer Zufall oder98maschr, wenn der Euro nicht mehr existiert, dieser Staat bankrott ist und Ihr Sparvermögen entwertet ist. Sie sind dann die Ersten, die nach Hilfe rufen...
L.J.
17.05.2010, 11:56 Uhr
abschied = neuanfang!?
Mensch kann zu DieLinke stehen wie er/sie will. Es ist doch im Endeffekt wie bei allen anderen demokratischen Parteien, selbst bei der extrem rechten NPD. Die "Alten" prägen und bestimmen das politische Bild der Partei und die "Jungen", welche innovative, frische, mitunter thematisch radikale Ideen oder einfach nur andere Lösungsansätze anbieten bzw fordern haben nicht die Möglichkeit, sich einzubringen.

Da bleibt immer und überall, wenn eine Spitze wechselt, wenn sich eine Partei neu konstituiert, die Hoffnung auf Veränderung. So auch hier. Ich hoffe für DieLinke, dass sie mit dem Wechsel auch einmal Debatten nicht nur anstösst, sondern sie zu Ende bringt, und das mit einem erkennbaren und spürbaren Ergebnis. Damit meine ich z.B. den Umgang mit den "Alten" Kommunisten, es soll sogar noch Stalinisten geben...mit dem romantisierten Bild von der DDR.

Denn, wenn Mensch, wie Partei, zu seiner Vergangenheit steht, sie aufarbeitet und dementsprechend auswertet und für sich nach vorne gewandt die Wege beschreitet, dann kann sie fr "Alt" und "Jung" attraktiv wirken und werden. Das bezieht sich alerdings nicht nur exemplarisch auf DieLinke, da können sich ohne Probleme CDU,SPD,FDP und Grüne einreihen..

Also, ich wünsche der neuen Führungsspitze gutes Gelingen und werde gespannt verfolgen, was es Neues gegen wird.

noch ein Nachtrag an "Rainer-Zufall"..wer wie sie, einfach so den Begriff "Linksextremismus" verwendet, sollte sich anfangen zu fragen: wieso er ohne zu hinterfragen Begriffe der Extremismustheorie verwendet? - welche aus der Totalitarismustheorie hervorgeht, und welche vor allem wissenschaftlich mehr als fragwürdig ist und somit eher dem Sprachgebrauch und einer versuchten Deutungshoheit des Verfassungsschutz Mund redet ...MAL NACHDENKEN!
Real Human
17.05.2010, 12:30 Uhr
Will der Hund zum Jagen getragen werden?
Oder braucht er öfters einen motivierenden Tritt ins Hinterteil?

„rwe62“ hat vollkommen Recht, wenn er die mangelnde Aufmerksamkeit der Medien gegenüber der Linken kritisiert. Für die nnz gilt das aber nicht. Allerdings war die Nordhäuser Linke auch selbst schuld, indem sie sich nach kritischen Beiträgen allzu oft in die Schmollecke zurückgezogen hat. Auch ihr eigener lokaler Internetauftritt ist eigentlich eine Antiwerbung, denn seit einem halben Jahr steht dort:

„Neugestaltung der Internetseite

Hallo, unser Internetauftritt wird in der nächsten Zeit Stück für Stück neu aufgebaut und mit interessanten und aktuellen Inhalten gefüllt. Aus diesem Grund ist unser Angebot zurzeit noch sehr beschränkt, es wird sich jedoch schnell füllen. Schauen Sie doch einfach regelmäßig vorbei und lassen sich von neuen Inhalten überraschen.

Ihre Die Linke.Nordhausen online Redaktion.“

Wo sind denn die „interessanten und aktuellen“ Inhalte? KEINE Webseite ist allemal besser als eine Ankündigung, auf deren Realisierung man mehr als ein halbes Jahr warten muss. (Allerdings ist die Webseite der Nordhäuser CDU kaum besser. Immerhin werden dort die Kreistagsmitglieder vorgestellt.) Ich selbst habe mir zu jeder Nordhäuser Parteigliederung ein „Lesezeichen“ erstellt, das ich etwa zweimal wöchentlich anklicke.

Ich weiß nicht, ob „rwe62“ Mitglied der Linken ist, aber mir drängte sich bisher der Eindruck auf, dass es für Nordhäuser Linke anscheinend unter ihrer Würde ist, sich unter einem Nicknamen zu äußern. Warum wohl? Und geht es da wirklich nur um eine Auseinandersetzung mit „offenem Visier“? Oder ist durch die Verwendung von Pseudonymen etwa die Parteidisziplin gefährdet?

Es genügt auch überhaupt nicht, sich nur anlässlich eigener Parteitage ins Gespräch zu bringen. Vielmehr wollen politisch interessierte Bürger auch wissen, wie sich die jeweilige Partei zu lokalen Themen positioniert.

Außerdem: Papiermedien sind immer mehr auf dem absteigenden Ast – genauso wie alte Konsumgewohnheiten. Nur scheint das die Altherrenriege der Nordhäuser Linken nicht wahr haben zu wollen (wie ähnliches schon einmal).

Es ist zu hoffen, dass die drei Berichte vom Parteitag keine Eintagsfliegen bleiben.
Retupmoc
17.05.2010, 14:07 Uhr
Mangelnde Aufmerksamheit
@ Outsider...ich bin kein Mitglied bei den LINKEN. ich war nicht in der SED und habe auch heute keine Lust Parteien zu hoffieren. Trotzdem habe ich eine Meinung zu Deutschland...

Was die LINKE in Nordhausen betrifft sehe ich das ganz genauso. Warum wird hier nicht mehr der Finger in die Wunden der Gesellschaft gelegt und das Wahlvolk mehr für Zusammenhänge sensibilisiert? Hier gehört wirklich mehr Frische in den Laden und nicht nur eine Internetseite, die nicht aktualisiert ist. Warum organisiert man nicht Demos gegen Sozialabbau, den Krieg in Afghanistan, die Hoffierung von Möwenpick, Lehmann - Brothers und Ackermann? Warum stehen nicht 100 Vertreter der Linkspartei vor der Arge und fordern : Weg mit Hartz IV ? Ich weiß, das alles eine Menge Arbeit macht, und ich bin auch bereit solche Aktionen zu unterstützen. Allerdings wenn sich die LINKEN mehr etablieren wollen und sich nicht auf den 5, 7 Prozent von NRW ausruhen wollen, muss einfach mehr bewegt werden. Nicht nur in Nordhausen, sondern bundesweit.
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