nnz-Forum: Wirrwarr beim Notdienst
Wer - gesundheitlich gesehen - plötzlich zu einem Notfall wird, der kann in Nordhausen was erleben. Eine Betroffene hat einen solchen Notfall dokumentiert und kommt zu dem Schluss, dass das Gesundheitssystem der mit Abstand größte Notfall sein muss...
"Am Mittwoch dieser Woche bekam ich auf Arbeit einen allergischen Anfall, welcher mit schwerer Atemnot verbunden war. Mein Kollege fuhr mich umgehend in das Südharzkrankenhaus, eine andere Kollegin meldete mich telefonisch bereits in der Notaufnahme an. Bei dem Notdienst wurde mir lediglich eine schlechte Kopie mit einer Telefonnummer (Hotline) gegeben und gesagt, ich solle doch vor das Krankenhaus gehen, die Nummer anrufen und dann würde mir geholfen. Das tat ich auch, allerdings nahm niemand unter der angegebenen Nummer ab, es wurden lediglich die aktuellen Sprechzeiten angesagt.
Mein Kollege und ich beschlossen zurück an den Arbeitsplatz zu fahren, da sich mein Gesundheitszustand kurzfristig besserte. Während der Fahrt verschlechterte sich dieser dennoch zusehnst, so dass ich erneut die Hotline anrief. Diesmal melde sich nach geraumer Wartezeit die diensthabende Notärztin. Sie sagte mir, dass sie mir nicht helfen könne, da sie keinen Fahrer und auch kein Fahrzeug hätte. Ich solle doch zurück in die Notaufnahme fahren und mir ein Rezept für Asthmaspray geben lassen, da dies verschreibungspflichtig sei.
Die Notaufnahme war allerdings nicht besetzt, so dass wir etwa fünf Minuten warteten, bis eine Praktikantin kam, welche langsam nach einer Kollegin suchte. Als wir endlich bei dieser vorsprechen konnten gab diese uns zu verstehen, dass sie gar keine Rezepte ausstellen darf. Meine Atemnot wurde immer akuter, so dass die Krankenschwester dann selbst bei der diensthabenden Notärztin anrief. Diese befand sich ebenfalls im Südharz-Krankenhaus, so dass mein Anruf und unserer Fahrten vom und zum Krankenhaus zurück eigentlich unnötig waren.
Hätte die Krankenschwester anstatt uns einen Zettel mit einer Hotline zu geben gleich bei der Notärztin angerufen bzw. mir sofort ein Rezept für das Asthmaspray gegeben, wären mir viel Stress, Schmerzen in der Lunge und Schwindelgefühl auf Grund des Sauerstoffmangels erspart geblieben. Nachdem ich im Behandlungszimmer der Notaufnahme auf die diensthabende Notärztin traf, stelle diese mir lediglich ein Rezept für besagtes Spray aus. Behandelt wurde ich im Krankenhaus nicht. So musste ich erst noch in eine Apotheke um dort das Spray, welches sofort Wohlergehen brachte, zu bekommen und zu inhalieren. Auch dieser Weg war unnötig, wenn mir die Ärztin zwei Sprühstöße des Sprays im Behandlungszimmer verabreicht hätte.
Der Service im Südharz-Krankenhaus und von der diensthabenden Notärztin lassen sehr zu wünschen übrig und man muss hoffen, dass ein akuter Ernstfall in Nordhausen und Umgebung ausbleibt, da schnelle und unbürokratische Hilfe in der Notaufnahme Nordhausen Fremdwörter sind.
AN /SK, Namen sind der Redaktion bekannt
Die nnz hat im Südharz-Krankenhaus in Nordhausen nachgefragt. Dazu gibt es seitens der Geschäftsleitung folgende Erklärung:
Es gibt ein klare Trennung zwischen der Rettungsstelle des Südharz-Krankenhauses und dem Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Der KV-Notdienst ist lediglich Mieter in den Räumen des Krankenhauses. Das Südharz-Krankenhaus kann und darf keine Rezepte ausstellen. Die Rettungsstelle ist grundsätzlich für die stationäre Versorgung der Notfälle zuständig und in dringenden Fällen, sofern der Notdienst verhindert oder nicht answesend ist. Jedoch können auch in diesem Fall keine Rezepte ausgestellt werden, lediglich eine Notversorgung ist zugelassen.
Autor: nnz
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Kommentare
Sven Svenson
06.08.2010, 09:33 Uhr
Nicht ganz richtig
Natürlich ist es für den Außenstehenden besorgniserregend was der Dame wiederfahren ist. Dazu muss man aber sagen, daß die Ärztin von der hier gesprochen wurde, im eigentlichen Sinn keine Notärztin ist. Die kassenärztliche Sprechstunde wird von niedergelassenen Ärzten abgesichert. Einen Notarzt bekommt man,wenn man die 112, also den Notruf alarmiert. Dieses wäre beim angegebenen Gesundheitszustand der Dame auch angemessen gewesen. Dann wäre die Dame auch vor Ort notärztlich versorgt und gegebenenfalls ins Krankenhaus verbracht worden.
adele
06.08.2010, 09:37 Uhr
Hilfe?
Auch ich hatte vor einiger Zeit einen Notfall, als ich diesen nach einer schmerzhaften Nacht im SHK in der Notaufnahme behandeln lassen wollte, wurde ich Früh um Acht von einer sehr unfreundlichen Dame weg geschickt. Mit dem Hinweis das die "Öffnungszeiten" ab 9.00 Uhr sind, he?
Ich nun mit dem Verdacht auf gebrochene Rippen, fragte ob es nicht die Möglichkeit gäbe mich anzumelden um geröntgt zu werden. Mit einem unwirschen Nein wurde mir die Glasscheibe die uns trennte zugezogen!!!!
Gesundheitsreform sei Dank, kam ich gegen 9.00 Uhr in ein überfülltes Wartezimmer...um es kurz zu machen, ich wurde erst eingewiesen, da sonst ein röntgen lt. dem Notarzt nicht durch geführt wird, ich kann mich bei Ergebnis, das kein Bruch vorliegt wieder entlassen lassen....TRAURIG und mit dem Hoffen das ich das nächste mal mich gleich nach Bleicherode oder Göttingen bringen lasse, verließ ich dieses Haus!
Und ich frage mich wo gehen meine Gelder, ich zahle auch noch zusätzlich, hin? Soll das wirtschaftlich sein, für mich ist das Abzocke auf Kosten der Patienten!!!!
MelleMaus
06.08.2010, 09:43 Uhr
Hat man wohl dann Pech
Mal wieder wie immer..der eine schiebts den andern zu.. Am besten man wird in Nordhausen nicht Krank und muß diese Dienste in anspruch nehmen. Aber selbst wenn man bis zu Behandlung die Wartezeiten sieht kann man echt nur mit dem Kopf schütteln.
Stephan Schreiber
06.08.2010, 11:35 Uhr
Wirrwarr beim Notdienst
Also als erfahrener Rettungssanitäter muss ich schon sagen das man doch bei akuten Fällen wie bei Ihnen doch gleich mal einen rettungswagen holen sollte.
Da Sie ja wie Sie beschreiben einen "allergischen Anfall" bekommen haben ist es in diesem Fall doch angebrachter den Rettungsdienst zu rufen als selber mit einen PKW zu fahren.
Erstens ist die Aufregung bei dem der Sie fährt viel hör und das Unfallrisiko größer. Zweitens bezahlen Sie doch Krankenversicherungsbeiträge und somit ist ein RTW oder KTW Transport gesichert.
Ich verstehe viele Bürger nicht warum Sie so was tun, in einem Erste-Hilfe-Lehrgang erfährt man was man in solchen Situationen zu tun hat. Allerdings sollte man aller 3-5 Jahre mal eine Auffrischung machen um solche dinge zu erfahren.
Ich kann nur sagen, hätten Sie einen RTW gerufen dann wäre Ihnen dies nicht passiert und Sie hätten eine sofortige Notfallversorgung bekommen!!!!
Also beim nächstenmal 112 rufen !!!!!!!!!!!!!!!!
NDHler
06.08.2010, 11:54 Uhr
Wirrwarr beim Notdienst...
Ich kann Herrn Schreiber und Herrn Svenson nur zustimmen. Bei dem beschriebenen Zustand wäre die einzig richtige Lösung die 112 gewesen.
Innerhalb von wenigen Minuten hätte Sie die medizinisch richtige Hilfe erhalten. Das Verhalten der beteiligten Personen war sicher gut gemeint, aber nüchtern betrachtet eigentlich unverantwortlich.
Leider scheuen viele Bürger immer noch die Notrufnummer 112 in Anspruch zu nehmen. Mir ist ein Fall aus Bayern bekannt, da ist ein Patient mit einem Privat KFZ von einem Kollegen mit deutlichen Infarktsymptomen quer durch eine mit Nordhausen vergleichbare Stadt ins Krankenhaus gebracht worden. Dort konnte dieser nur noch mit großer Mühe reanimiert werden. Also im Zweifel immer die 112 anrufen!!! Selbst wenn sich der Anruf später als nicht notwendig herausstellt, besser als oben beschrieben!!! Ärger gibt es nur bei mutwilligem Missbrauch!
adele
06.08.2010, 20:59 Uhr
Naja!
Also ich sehe das schon anderst, sollte Jeder , und wenn man Schmerzen hat, ist man ein Notfall, die 112 wählen, dann wäre ich gespannt wie sie das in der Notfall Ambulanz lösen wollen. Dann steht man erstmal im Gang auf den Tragen Schlange!!! Und die Formalitäten die ja immer vorher erledigt werden MÜSSEN!
Unrealisierbar, wäre aber ein Versuch wert !!!!!
Luftikus
06.08.2010, 22:33 Uhr
Rettungswesen ist Gesund
Ich kann meinen Vorrednern wie Herrn Schreiber nur beipflichten. Ich selbst war mehre Jahre im Rettungsdienst tätig. Bei akuter Atemnot, Kreislaufversagen und sonstigen schweren auch kurzzeitigen gesundheitlichen Veränderungen 112 rufen.
Die Rettungsstellen sind über die Stadt und den Kreis verteilt. So schnell wie die Kollegen da sind, fährt keiner legal zum Krankenhaus. Hier gibt es eine sofortige Stabilisierung des Kreislaufes und eine gründliche Untersuchung. Im Krankenhaus kann man immer noch entscheiden, ob man sich selbst entlässt oder zur Prüfung des Gesundheitszustandes eine Nacht im SHK bleibt.
Leider ist es so, wie meine Vorredner schon schrieben, Personen mit akuten Gesundheitsproblemen kutschen selbst zum Krankenhaus oder warten zu Hause ewig auf den Dienst habenden Hausarzt, als einfach 112 zu rufen.
Der guten Frau ist wirklich etwas passiert was so auch nicht sein darf, aber man muss bestimmte Reglements im Rettungswesen verstehen und einhalten.
dicker
07.08.2010, 12:26 Uhr
Unwissenheit der Patienten
Das seit dem 01.07.2010 der Notdienst neu geregelt ist, ist keine Neuheit. Doch über manche Abläufe sind die Einwohner des Landkreises anscheinend nicht richtig informiert. Der Kassenärztliche Notdienst wird von niedergelassenen Ärzten besetzt und dient der Versorgung aller ambulanten Patienten während der Schließzeiten der Hausärzte oder niedergelassenen Fachärzte.
Der Sitzdienst befindet sich in der Notaufnahme zu den bekannten Zeiten, ein Fahrdienst sichert den gesamten Landkreis ab. Die Notfallaufnahme des Südharzkrankenhauses ist seit dem 01.07.2010 nicht mehr ermächtigt, ambulant Patienten zu behandeln, da die Leistungen nicht abrechenbar sind. Das System hat sich nicht das Krankenhaus ausgedacht, sondern die Kassenärztliche Vereinigung. Die darin agierenden Berufsgruppen sind nur Teil des Systems.
Es kommt auch immer wieder im Zusammenhang mit der Notfallaufnahme zum falschen Verständnis. Die Notfallaufnahme ist eine stationäre Notfallaufnahme, also Patienten mit Einweisungsschein für einen Krankenhausaufenthalt oder Patienten, die mit Krankentransportwagen oder Rettungswagen kommen. Viele der Patienten die sich persönlich vorstellen, fallen fast vor Schreck um, wenn Ihnen erklärt wird, dass Sie mindestens eine Nacht im Krankenhaus bleiben müssen. Jetzt zu dem aktuellen Fall.
Bei so einem Notfall wie es der Frau passiert ist, mit Luftnot und Unwohlsein, war ein Notarzt und ein Rettungswagen indiziert. Das Sie dann nach kurzzeitiger Besserung wieder zur Arbeit zurück gefahren ist, ist höchst zweifelhaft und macht den ganzen Vorfall doch ein wenig unglaubwürdig und überzeichnet.
Sicherlich ist in dem Gesundheitssystem nicht alles super, aber trotzdem ist es noch sehr gut. Eine bessere Aufklärung der Einwohner würde viele Mißverständnisse verhindern und die Zusammenarbeit aller am Behandlungsprozeß Beteiligten deutlich verbessern.
Keilox
08.08.2010, 01:47 Uhr
Hilfe im Ernstfall
Sollte einem Menschen, der augenscheinlich wirklich ein gesundheitliches Problem hat, nicht sofort geholfen werden?
Wäre im Ernstfall nicht die Hilfe primär? Oder ist die Kostenabrechnung entscheidender als einem Menschen zu helfen?
In diesem Fall war eventuell der Weg zum Krankenhaus kürzer, als den Notarrt 112 zurufen.
Ist es nicht sinnvoller eine kurze Distanz selbst zurückzulegen, als den Rettungswagen zu alarmieren?
Es wird andauernd über zu hohe Krankkosten und Beitragserhöhungen debatiert.
Ich frage Sie, was kostet ein Einsatz des Rettungswagen?
Meines Erachtens sollte jedem Menschen, egal wie und auf welchen Wege er ins Krankenhaus gelangt, möglichst zeitnah und unkompiziert geholfen werden.
Ist es denn nicht möglich einen Arzt vor Ort (in der Notaufnahme) zu stationieren, der kurzfirstig helfen und Rezepte ausschreiben kann?
Es wäre auch möglich gewesen vom kassenärztlichen Notdienst dirket den diensthabenden Arzt anzurufen, noch dazu, dass die diensthabende Ärztin direkt im Haus war?
Problematisch wird die Sache, wenn ein Notfall ins Krankenhaus gebracht wird und kein Beteiligter ein Handy dabei hat oder das Handy kein Guthaben mehr hat.... Da kann die teure 0180-Nummer nicht abgerufen werden. Was dann????
Beste Grüße
dicker
08.08.2010, 18:07 Uhr
Mehr informieren!
Nach dem Kommentar von Keilox brennt es mir noch einmal auf der Seele, etwas zur Regelung des Notdienstes und über die Arbeit der Notaufnahme zu schreiben.
Die Regelung mit dem Notdienst des Landkreises ist beginnend vom KV - Notdienst über den Rettungsdienst sowie Notärzte bis hin zum Krankenhaus hier in unserer Region ein Luxus, den viele Menschen einfach nicht zu schätzen wissen.
Der Notdienst ist klar geregelt. Zu festen Zeiten erfolgt ein Sitzdienst im Krankenhaus.
Wenn der Feierabend hat, behandelt der Fahrdienst die Patienten, wenn es ihm zeitlich möglich ist auch in dem Raum der KV in der Notaufnahme.
Das System ist komplex und man muss es verstehen. Genauso muss man einschätzen können was einer dringenden Behandlung bedarf. "Mäxchen hat das mal schön beschrieben". Eine Zecke zu entfernen z.B. am Sonntag kostet den Patienten beim Notdienst 10,00 € Notfallgebühr, die er sparen kann, wenn er am Montag zu seinem Hausarzt geht. Denn dort war er vielleicht im Quartal schon einmal oder geht noch hin.
Das System kann sich nicht rechnen, weil die Menschen zwar die Leistungen bezahlen, der Leistungserbringer aber Geld dafür verlangen muss und der Patient den ganzen Luxus in Anspruch nehmen will - weil er hat ja schließlich auch einbezahlt. Und diese Rechnung geht zu Lasten der Versicherten - ganz klar. Wir müssen mal alle aufhören zu nölen. Wir jammern immer auf hohem Niveau.
Wir sollten uns mal überlegen wie gut es und in unserer Region geht. Ein Krankenhaus mit fast allen Fachdisziplinen, einen Rettungshubschrauber mit Notarzt, ein Notarzteinsatzfahrzeug, 5 Rettungswagen und 4 Krankentransportwagen, die Möglichkeit der Intensivverlegung per Straße und ein noch sehr gutes Hausarzt- und Facharztsystem im niedergelassenen Bereich. Und weil die Gesellschaft immer älter und kränker wird, muss man eben wenn man zum Arzt geht mit Wartezeiten rechnen. Nur wenn man das System versucht zu verstehen und ein bißchen Rücksicht aufeinander nimmt, dann merkt man dass wir medizinisch gut aufgestellt und abgesichert sind. Eigentlich müssten wir zufrieden sein.
Abschließend noch einmal mit die Sache mit der Hotline und dem Handy von "keilox". Wenn Sie kein Guthaben auf dem Handy um die Nummer anzurufen, ist das bitter. Es stehen jede Woche die KV - Zeiten in der Zeitung und es wird darauf hingewiesen, dass wenn die Zeiten enden, der Fahrdienst angerufen werden muss. Wenn dann das Handy nicht funktioniert hat man die Möglichkeit sich Alternativen zu suchen oder einfach dafür zu sorgen dass das Handy funktioniert.
meiner meinung nach
09.08.2010, 13:16 Uhr
Notdienst/ Rettungsdienst
Ich kann dem Vorredner nur zustimmen. Es ist notwendig, die Begrifflichkeiten mal etwas genauer zu definieren. Leider wissen die Bürger heutzutage alles über Computer, die Bundesliga oder Deutschlands neuen Superstar. Aber wenig über Gesundheit, Organisation des Gesundheitswesens geschweige denn über Erste Hilfe!
Leider trennt die liebe Lokalpresse die Begriffe NOTARZT und (KV-)NOTDIENST selbst nicht sauber. Hier wäre (wieder einmal) etwas mehr Recherche oder (eigene) Information gefragt! Aber es ist schön, in diesem Rahmen die Begriffe mal etwas aufzudröseln:
Die geschilderte Situation war ein NOTFALL und dabei ist es NICHT sinnvoll, den Patienten ins eigene Auto zu setzen und loszufahren. Man stelle sich nur vor, wenn dann eine tatsächlich lebensbedrohliche Situation entsteht. Dann macht man sich nur Vorwürfe, und (was die Kosten angeht), dann wirds erst richtig teuer für unser Gesundheitswesen und den braven Nordhäuser Steuerzahler!
Ohne das allumfassend hier darstellen zu können: NOTFÄLLE sind (potentiell) lebensbedrohliche Situationen und dazu zählen Luftnot, Kreislaufstörungen, Bewußtseinsstörungen, plötzliche Lähmungen, plötzliche schwere Schmerzen, schwerere Verletzungen oder Unfälle. In diesem Fall: 112! Die Rettungsleitstelle entscheidet, ob ein Rettungstransportwagen mit Rettungsassistenten ausreicht oder der NOTARZT mit Sonderwegerecht (Sondersignal, Blaulicht) zum Einsatz kommt. Er kann auch vom RTW nachgefordert werden.
Weniger schwerwiegende Gesundheitsstörungen, wie z.B. fieberhafte Erkrankungen beim sonst gesunden Menschen, evtl. bereits öfters aufgetretene Schmerzen bei bekannten Erkrankungen o.ä. sind ein Fall für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst= KV-NOTDIENST, WENN (und das ist wichtig!) ein Verschieben der Behandlung bis zur Vorstellung beim Hausarzt NICHT gerechtfertigt erscheint! Sicher gibt es immer Überschneidungen. Die Situation ist unklar, die Informationen am Telefon sind oft schwer interpretierbar, der KV-Dienst ist evtl. gerade unterwegs. Im Zweifel nochmals anrufen, im Zweifel über die Gesundheitssituation: 112! Die Rettungsleitstelle kann entscheiden, wen sie schickt. Auch der KV-Dienst kann natürlich den Notarzt nachfordern.
Es ist wichtig, den ambulanten NOTDIENST organsatorisch von der NOTAUFNAHME=RETTUNGSSTELLE zu trennen. Die räumliche Nähe ist jedoch sinnvoll, da der NOTDIENST natürlich auch stationäre Einweisungen vornehmen kann und muß. Und da sparen kurze Wege Kosten. Aber NOTAUFNAHME kommt von NOT und AUFNEHMEN und RETTUNGSSTELLE heißt, den PAt. ggf. auch zu RETTEN. Und darauf müssen sich die Verantwortlichen auch konzentrieren können. Und das geht nur durch organisatorische Trennung!
Ich höre die Nordhäuser schon, was sie sagen, wenn sie 3 Stunden warten müssen, wenn parallel ein Herzinfarkt oder ein Polytrauma versorgt werden muß.
Natürlich wäre im genannten Fall etwas mehr Hilfestellung des Pflegepersonals der Notaufnahme beim Herstellen des Kontakts zum KV-Dienst hilfreich gewesen.
Bevor wieder einmal gleich gemeckert wird, sollte man mal einen Vergleich mit anderen Ländern oder auch Regionen wagen: Und da stehen wir hier wirklich gut da! Auch wenn sicher im Einzelfall mal Probleme auftreten können.
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