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Fr, 07:11 Uhr
01.04.2011

nnz-Forum: Anti Gau? Ja aber…!

Ist die Atomwende einiger Parteien in Deutschland glaubwürdig? Diese Frage stellen wir seit einigen Tagen unseren Lesern. Bodo Schwarzberg hat darauf eine eindeutige Antwort gefunden...


Es ist unsäglich, was sich gegenwärtig in Deutschland bezüglich Zukunft der Kernenergie abspielt: Während FDP- und CDU-Vertreter, ja sogar CSU-Chef Seehofer aus Angst, angesichts der Volksmeinung zu den AKW immer mehr Ansehen und Stimmen zu verlieren, offenbar aus purer Verzweiflung selbst ihre ältesten Hüte über Bord werfen, meint CDU-Politiker Bosbach, man könne in einem hochindustrialisierten Land nicht allein auf Wind und Sonne setzen, ohne die Versorgungssicherheit mit Strom und den Wohlstand zu gefährden.

Ich frage mich, was Herr Bosbach mit Wohlstand meint! Will er der Bevölkerung Angst einjagen, dass ihre Flachbildschirme abends dunkel bleiben könnten, wenn Isar I nicht wieder ans Netz gehen sollte? Ich denke er und andere haben eine etwas beschränkte Auffassung von Wohlstand: Ich persönlich schätze den Wohlstand, mir in Zukunft vielleicht sicherer sein zu können, nicht wegen Jod 131 und Cäsium 137 in den Erdbeeren nach Warschau ziehen zu müssen, bedeutend höher ein! Weiterhin sind gerade sieben AKW vom Netz. Von irgendwelchen Stromsperren habe ich noch nichts gehört. Sie vielleicht liebe nnz-Leser?

Zitat (dapd): „Die vorübergehende Abschaltung von sieben Atomkraftwerken hat nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums keine negativen Auswirkungen auf die deutsche Stromversorgung. Auch Stromimporte seien in den kommenden drei Monaten nicht nötig, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin." Allgemein bekannt ist, dass schon gegenwärtig durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien ein Überangebot an Strom besteht.

40% des Energieverbrauchs in Deutschland erfolgt durch die Gebäudenutzung (Quelle wikipedia, Stichwort Energieeinsparung). In demselben wikipedia-Eintrag sind zahlreiche hochmoderne Lösungen angegeben, die Einsparungen auf diesem Sektor allein von 50% durch eine künftig konsequentere Gebäudeisolierung schätzen. Ganz zu schweigen von dem zusätzlichen Potential durch den Einsatz von Thermischen Solaranlagen, Geothermie und Wärmepumpenheizungen. Ist es nicht sinnvoller, all die vielen, die Wirtschaft ankurbelnden und der Ökologie dienlichen Maßnahmen umzusetzen, oder die gefährlichen AKW im Interesse einiger Großindustrieller zu erhalten?

Und schließlich: Eine um ein Grad niedrigere Zimmertemperatur spart sechs Prozent der Heizenergie. Jeder von uns kann also selbst etwas tun, um dem Klimawandel zu begegnen und b, die Atomkraft ad absurdum zu führen. Allein schon mit diesen belegbaren Fakten kann Bosbachs Äußerung als falsch entlarvt werden. Sie ist schlichtweg fahrlässig und beruht auf kurzsichtigem Denken, weil sie die Sicherheit der Bevölkerung zwischen den Zeilen für weniger wichtig hält, als die Erhaltung der profitträchtigen AKWs. Das Problem ist nur, dass dies kaum jemand wahrnimmt. Die Unwissenheit in der Bevölkerung ist zu groß, worauf die Politik setzen kann. Ist das intelligent oder dumm aus Sicht der Politik? Vielleicht hat Albert Einstein recht: „Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: Das Weltall und die Dummheit mancher Politiker.“

Die Fürsorglichkeit von Politik und Wirtschaft
Im Übrigen haben es heute offenbar nur wenige Zeitungen geschrieben: Beim Herunterfahren des AKW Isar 1 gab es eine Panne: Süddeutsche Zeitung online vom 23.3.: „Eon hatte Isar1 nach eigenen Angaben am Donnerstag gegen 16 Uhr vom Netz genommen. Fünf Stunden später sank der Kühlwasserstand im Reaktordruckbehälter so rapide ab, dass sich die automatische Schnellabschaltung auslöste. "Beim Herabfahren eines Reaktors kommt es immer zu Schwankungen des Kühlwasserstandes", erklärte die Eon-Sprecherin zu dem Vorfall. "Aber das Sicherheitssystem hat wie erwartet reagiert. Anschließend sei das Kühlwasser wieder auf Normalmaß angehoben worden. Die Ursache der Panne sei unklar, sie müsse untersucht werden.“

Der letzte Satz kommt mir irgendwie bekannt vor: Ich glaube, von Vertretern des Tepco-Managements. Die Bunderegierung hat ihr Atommoratorium laut Atomgesetz § 19/3 sinng. mit der drohenden Gefahr für Leib, Leben und Sachgüter verknüpft. Nun klagt der Konzern RWE gegen die Abschaltung des AKW Biblis A laut Süddeutscher Zeitung online u.a. mit der Begründung, die deutschen AKW seien sicher genug. Auch das dürfte eine weitere Falschaussage sein. Sicherlich droht keine akute Gefahr, da wir ja in Deutschland (möglicherweise) gegenwärtig nirgends eine Kernschmelze haben. Wie löchrig die RWE-Argumentation aber dennoch ist, was für eine Halbwahrheit sich RWE-Manager erdreisten zu äußern mag der Beitrag der österreichischen Zeitung Salzburger Fenster zeigen:

Zitat: „Salzburgs Atomgegner von der „Überparteilichen Plattform gegen Atomgefahren“ (PLAGE) weisen seit längerem auf die speziellen Gefahren durch diesen Uralt-Reaktor hin. Sie konnten damit auch unsere Politiker ein wenig aufwecken. So schrieb etwa der Salzburger Umwelt-Landesrat Walter Blachfellner im August an seinen bayerischen Amtskollegen Markus Söder, dass es sich bei der „Hochrisikotechnologie Atomkraft auf Grund der Grenzlage zu Österreich nicht um eine innerstaatliche Angelegenheit Deutschlands handelt“. Blachfellner verweist in dem Schreiben auf eine aktuelle Studie des „Intac-Institut“ (Hannover), die Isar 1 erhebliche Sicherheitsmängel attestiert. Unter anderem wird darin auf die Gefahr von Rissbildungen in den Rohrleitungen und dem unzureichenden Schutz des Atommeilers vor Flugzeugabstürzen hingewiesen. Das sei besonders relevant, weil schon einmal im Jahr 1988 nur zwei Kilometer vom Kraftwerkt entfernt ein Mirage-Kampfjet abgestürzt sei und Isar 1 in der Einflugschneise für den Münchner Flughafen liege.

Noch deutlicher wird die Umweltorganisation Robin Wood auf ihrer Seite bezüglich Isar I: Wieder ein Zitat: „Besonders problematisch ist der kleinvolumige und dünne Sicherheitsbehälter, der bei größeren Störfällen besonders leicht durch Überdruck versagen kann und bei einer Kernschmelze innerhalb von Minuten durchschmelzen würde - massive Freisetzungen radioaktiven Materials mit kurzer Vorwarnzeit wären die Folge.

Weitere grundlegende Sicherheitsdefizite sind eine eingeschränkte zerstörungsfreie Prüffähigkeit der Konstruktion, der schwächer ausgelegte Reaktordruckbehälter ohne nahtlose Schmiederinge, das schwach ausgelegte Notkühlsystem (unter anderem fehlt ein Mitteldruckeinspeisesystem) sowie die schwächer ausgelegte und teilweise vermaschte Notstromversorgung.

Hinzu kommen die grundlegenden Schwachstellen von Siedewasserreaktoren: Da der Primärkreislauf den Sicherheitsbehälter verlässt und der gesamte Dampfkreislauf radioaktiv ist, kann ein Rohrbruch z.B. im Maschinenhaus zu direkter Freisetzung radioaktiven Dampfes und zu großem Kühlmittelverlust führen, ohne dass ausgetretenes Kühlmittel über die Notkühlsysteme zurück geführt werden kann - in diesem Fall droht eine Kernschmelze. Bei Lecks im Kondensator ist auch eine Freisetzung direkt in das Flusswasser denkbar. Zur Reaktorabschaltung müssen die Absorberstäbe, anders als bei Druckwasserreaktoren, gegen die Schwerkraft mittels Hydraulik in den Reaktor eingefahren werden, das Abschaltsystem ist also nicht "ausfallsicher". Auch das alternative Abschaltsystem, die Borsäureeinspeisung, verlässt sich auf aktive Systeme (Hochdruckpumpen).“

Soviel zur Glaubwürdigkeit der RWE-Aussagen.

Allein diese Argumentationen unserer Industrie und Politik lassen schlimmes ahnen, wie die Bevölkerung erst im Falle eines schweren Störfalles wie in Fukushima hinters Licht geführt werden würde. Wie heute in mehreren Zeitungen zu lesen war, weigert sich Fukushima trotz gesundheitsschädlicher Strahlenwerte mit Blick auf die logistischen Herausforderung einer Evakuierung weiterer Hunderttausender Menschen, die Sicherheitszone um das explodierte AKW entgegen aller Empfehlungen von Sicherheitsexperten zu vergrößern. Dies zeigt, wie wenig Wert Politik und Industrie im Katastrophenfall das Leben der Menschen ist. Wir sollten in Deutschland und Europa jetzt handeln, statt auf unser Fukushima zu warten und den gewählten Volksvertretern und ihren Amigos in der Großindustrie unser Schicksal zu überlassen.

Zu letzterem Gedanken las ich übrigens in einer Online-Zeitung, dass sich ein Vertreter der baden-württembergischen Wirtschaft nach dem grünen Wahlsieg besorgt über die Zukunft des bisher guten Verhältnisses zwischen Wirtschaft und Politik geäußert hat. Da Herr Mappus, wie ich in einem früheren Beitrag schrieb, ja recht viel für die „Entwicklung“ des Stomriesen und AKW-Betreibers EnBW getan hat, ist eine solche Äußerung nicht verwunderlich.

Fazit
Vieles geht in Deutschland sehr, sehr langsam: Auch das Besinnen der Wirtschaft auf die gigantischen Chancen alternativer Energietechniken. Die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige. Und auch der Kernbrennstoff Uran 235, der sehr aufwendig in Zentrifugen herankonzentriert werden muss, wird knapper. Eine Alternative der Kernenergiewirtschaft könnte der verstärkte Einsatz des viel häufigeren Uran 238 in schnellen Brütern sein, da dieses Nuklid nur dort Energie liefern kann. Allerdings fällt beim Brutprozess viel hochgiftiges Plutonium an. Das und deren im Vergleich zu Leichtwasserreaktoren schwerere Beherrschbarkeit wäre ein Horrorszenario. Ganz zu schweigen von dem dann noch größeren Endlagerproblem.

Wir haben die Alternativen.

Deutschland könnte bei den alternativen Energien Vorreiter sein. In einigen Jahren wird die Welt dies brauchen, um Wohlstand zu schaffen und zu erhalten und um einen Wohlstand a la Bosbach in die Geschichtsbücher zu verbannen.

Zur Demo in Nordhausen
Schade übrigens, dass bei der Anti-AKW-Demo am Montag nur so wenige Lokalpolitiker anwesend waren. Mit ihrer Anwesenheit aber könnten sie ein Zeichen setzen, wie wichtig ihnen der Schutz ihrer Bürger tatsächlich ist. Aber am kommenden Montag um 18 Uhr haben sie ja am unteren Rautenstraßen-Kreisel wieder eine Chance. Man sollte dann öffentlich fragen, warum denn viele Volksvertreter, denen die Menschen in unserer Stadt angeblich so am Herzen liegen, zu einer von ihrer Grundanlage her lebenswichtigen und zutiefst menschlichen Demo nicht kommen. Aber vielleicht kommen sie ja doch?

Wenn wir erst „unser“ deutsches Fukushima oder Tschernobyl haben, wird man die Krokodilstränen, die Beteuerungen und die Rollen rückwärts der Eliten kaum noch zählen können, jener also, die auf das Verdrängungsverhalten der mit der Bewältigung ihres Alltags befassten Menschen setzen. Wenn die Menschen erst dann den europaweiten und weltweiten Ausstieg fordern ist es, siehe Japan, zumindest für eine große, auf Dauer verstrahlte Region, zu spät.

Laut faz.net gibt es weltweit gegenwärtig 442 in Betrieb befindliche Reaktoren, 62 sind im Bau und sogar 287 in Planung. Sollten wir das wirklich zulassen?
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Kommentare
Herr Taft
01.04.2011, 08.07 Uhr
Guten Morgen
RWE muss klagen, da RWE rechtlich dazu verpflichtet ist, Schaden von seinen Aktionären abzuwenden. Mit Biblis verdient RWE 700 TEUR am Tag - es geht also um viel Geld. Klagt RWE nicht, wird es seinerseits vermutlich von seinen eigenen Aktionären verklagt - die dann Recht bekämen. So funktioniert unsere Gesellschaft nunmal - sie ist bei Weitem nicht perfekt aber rückblickend betrachtet die erfolgreichste Form des menschlichen Zusammenlebens.

Die Mehrzahl der Wähler wohnt in Mietwohnungen in den großen Ballungszentren. Diese haben keine Möglichkeit ihren Strom aus Solarzellen, oder ihre Wärme aus einer Solarthermieanlage zu holen. Den Mieter interessiert nur seine Nebenkostenabrechnung. Das Hemd ist eben näher als die Hose...

Wenn die Menschen intelligente Ameisen wären, denen nur ihre Gemeinschaft am Herzen läge, dann könnten Ihre Aufrufe erfolgreich sein. Der Mensch denkt jedoch zunächst an sich, egal ob Hartz4-Empfänger, Konzern-Boss oder Politiker. Das kann man bejammern, anprangern und verachten - dennoch bleibt es eine Tatsache. Wir alle sind Menschen und können nicht aus unserer Haut.

Ich glaube auch nicht, dass wir alle dumm sind - danke für das Kompliment. Ich glaube jedoch sehr wohl, dass sich viele ihrer vermeintlichen Ohnmacht ergeben haben.
Besorgter Bürger
01.04.2011, 08.15 Uhr
Ich bin ja so froh!
...darüber, dass ich von Herrn Schwarzberg endlich aufgeklärt werde. Ich dachte, dass ich beim Runterdrehen der Heizung Geld und Gas spare und damit auch für weniger Treibhausgase sorge, wenn ich ein bisschen friere. Jetzt weiß ich, Schwarzberg sei Dank, dass ich so auch einen aktiven Beitrag gegen die Kernkraftlobby leiste.

Genauso, wenn ich mein Einfamilienhäuschen in Styropor einpacke. Das ist zwar weder für's Haus noch für die Gesundheit seiner Bewohner gut, aber es versetzt den AKWs den Todesstoß. Wen interessierts, dass eine Riesenindustrie mit Dreckschleudern energetisch uneffizient Schaumplastik herstellt, die dann völlig überteuert unsere Bausubstanz verschandelt. Dank Herrn Schwarzberg kenne ich jetzt alle Zusammenhänge. Danke, Danke, Herr Schwarzberg! Kandidieren Sie als OB, ich werde Sie wählen. Und auf den Kreisel am Kornmarkt kommt endlich ein 200 Meter hoher Windgenerator.
Bodo Schwarzberg
01.04.2011, 09.55 Uhr
Keine Vorverurteilung
Liebe Vorkommentatoren,
ich erkenne aus Ihren Beiträgen zum einen den Vorwurf, ich würde die Bevölkerung für dumm erklären. Zum Ausdruck kommen sollte aber lediglich die Tatsache, dass die Bevölkerung von der Politik gezielt nicht die Informationen erhält, die gegen sie verwendet werden könnten. Das hat nichts mit einer angeblichen "Dummheit" der Bevölkerung zu tun. Diese möchte ich diesbezüglich eher in Schutz nehmen, weil sie es von den von ihr gewählten Leuten erwarten kann und muss, dass sie nicht betrogen werden. Dies freilich entbindet aber niemanden davon, sich selbst zu informieren, wenn es um seine Sicherheit geht. Dafür haben wir uns ja die Mündigkeit und Freiheit erkämpft. Zum Zweiten kommt ja in Ihren Beiträgen auch zum Ausdruck, dass diese Art des Umganges seitens der Politik gut funktioniert: Viele Menschen ergeben sich dem angeblich Unvermeidlichen.

Dass dies aber nicht zwangsläufig so sein muss, haben wir im Herbst 1989 gesehen. Wenn wir die Wahrheit von oben nicht erfahren, dann stehen einem in Zeiten der Pressefreiheit alle Möglichkeiten offen, sich über die Wahrheit kundig zu machen. Nichts anderes wollte ich hier vermitteln.
Retupmoc
01.04.2011, 10.19 Uhr
Sehr geehrter Herr Schwarzberg,
leider ist der Mensch ein Herdentier und mit vernünftigen Argumenten kaum erreichbar. Bestimmte Zeitungen, wie die mit den vier Buchstaben, und Fernsehsender, die linientreuen Vorständen unterstellt sind, bestimmen leider in diesem Land die Meinung des Volkes.

Nur ganz kurz, und meist auh nur unter dem kurzfristigem Eindruck eines größeren Unglückes wachen einige Leute auf. Nehmen Sie doch mal den geschilderten Störfall im KKW Isar 1. Ich wette, das nicht einmal 5 % der Herde wissen, das es ihn gab. Warum? Ganz einfach, im Gegensatz zu Österreich wurde hier der Vorfall nahezu komplett verschwiegen. In den Heute - Nachrichten war da nichts von zu sehen. Aber sowas wird ja von der Regierung gesteuert.

Frau Merkel weiß ja als FDJ - Sekretärin wie das geht, denn das hat sie ja sicher in den Jahren vor 1990 auch schon so gemacht. Aber lassen wir sie alle merkeln, freie deutsche Jugend voran. Die Herde hat nichts anderes verdient.
Herr Taft
01.04.2011, 10.51 Uhr
bitte kein Streit
Herr Schwarzberg, Ihr Engagement in allen Ehren - jedoch ist Ihre Sichtweise vielleicht ein wenig zu einseitig. Allen sind die Gefahren der Atomkraft bewusst, alle wissen um die Macht der Konzerne. Wie jedes Ding haben auch diese beiden mindestens ZWEI Seiten. Die Wirtschaft versorgt Millionen von Menschen mit Einkommen und somit für deren Lebensgrundlage.

Die Politik hat in der jüngeren Vergangenheit dafür gesorgt, dass Deutschland Vorreiter in nahezu allen Belangen des Umweltschutzes in Europa ist - was sehr zu Lasten der Wirtschaft gegangen ist, aber auch Innovationen gefördert hat. Die gleichen Politiker bekommen nun Prügel für ihr Vorgehen in Sachen Atomkraft. Die Dinge brauchen ihre Zeit. Es gibt kein Jing ohne ein Jang...

Das Silizium, welches dringend für Solarzellen benötigt wird, wird an anderer Stelle unter dramatischer Umweltbeeinträchtigung aus der Erde geholt. Die Litium-Gewinnung zur Batterieherstellung für die künftigen Elektroautos ist auch nicht im Naturschutzgebiet möglich. Auch das Kupfer, was für die Herstellung der Generatoren in den Windrädern, Wasserkraftwerken usw. benötigt wird, wird aus gigantischen Kupfer-Minen geholt.

Es entstehen giftige Abwässer und Schlämme, die Ihre Umgebung ebenso auf Jahrzehnte verseuchen...und selbst wenn wir auf unsere Flachbildschirme verzichten und wieder in Höhlen ziehen, brauchen 8 Mrd. Menschen im Winter viel Brennholz um ihre Lagerfeuerchen anzuzünden...
Bodo Schwarzberg
01.04.2011, 11.45 Uhr
Lieber Herr "nussbaum"
Ich gebe Ihen teilweise recht: Auch alternative Enerienutzung zieht unter Umständen Umweltschäden nach sich, wie z.B. die weltgrößte Kupfermine in Chile, die ich selbst gesehen habe, zeigt. Beim Silizium kann ich Ihnen allerdings nur bedingt folgen. Silizium wird aus Sand gewonnen, der ohne größere Umweltprobleme gewonnen werden kann.

Ebenso Lithium: Letzteres wird z.B. im Salar de Uyuni in Bolivien aus den dort abgelagerten Salzen und nur oberflächlich gewonnen (der See besteht praktisch komplett aus Salz), so dass hier (ich habe Salzseen dort besucht) mit einem relativgeringen Naturschaden gearbeitet werden kann. Übrigens plant ein Konsortium bei Zinnwald im Erzgebirge einen (unterirdischen) Lithiumabbau, so dass sich hier, schon auf Grund der hiesigen sttrenggen Gesetze kaum Umweltschäden ergeben dürften.

Und schließlich sehr geehrter Herr Nussbaum: Sie geben mir gewiss recht, dass die Umweltschäden, die ein geborstener Reaktor verursacht, flächenmäßig und hinsichtlich seiner langfristigen Auswirkungen selbst mit den Schäden durch die weltweit größte Kupfermine nicht zu vergleich sind. Denn eine verstrahlte Fläche, in der niemand mehr leben kann, nützt noch nicht einmal der Wirtschaft bzw. den von Ihnen hervorrgehobenen Arbeitspläzen.

Vergessen Sie also bitte nicht, dass jedes Wirtschaften nur in einer intakten Biosphäre möglich ist. Und endlich: Sie haben meine Zeilen nicht richtig gelesen: Von in Höhlen schlafen habe ich nichts geschrieben, sondern vo den großen ökonomischen und ökologischen Chancen der alternativen Energiewirtschaft. Geben Sie mir recht?
Bodo Schwarzberg
01.04.2011, 11.55 Uhr
Lieber rwe,
Sie haben mit der "menschlichen Herde" recht. Aber ich möchte hier niemanden aus der Bevölkerung vor den Kopf stoßen, weil es letztlich "nur" das Volk ist, das Veränderungen herbeiführen kann. Da bringt es wohl eher wenig, den Bürger von der Straße gegen sich aufzubringen. Ich möchte das Gegenteil.

Die Wirksamkeit einer offensiven Darstellung der Problematik zeigt ja unser Gespräch. Sie, Herr Nussbaum und die vielen anderen, die Ihre und meine Beiträge lesen, machen sich Gedanken. Das ist gut so! Das ist der erste Schritt zur Meinungsbildung, zum Engagement und für Veränderung. Der kritische Disput unter Austausch z.T. gegensätzlicher Argumente hat 1989/90 zur Wende geführt. Das brauchen wir.
Herr Taft
01.04.2011, 12.19 Uhr
Gerne gebe ich Ihnen Recht
Es ist keine Frage, dass abgewogen werden muss, welches das größere Übel ist. Unbestritten ist auch Ihr Sachverstand. Ich weise nur darauf hin, dass es keine Lösung gibt, die ALLEN und ALLEM gerecht werden kann. In diesem Dilemma stecken unsere Politiker.

Hinzu kommt, dass Lösungen, die heute möglicherweise einvernehmlich entschieden werden, morgen bereits auf Widerstand stoßen. Gestern war es CO2, heute sind es die AKWs, wer sagt uns, dass es morgen nicht die Solaranlagen sind, gegen die vorgegangen wird ?

Entscheidungen der Politiker richten sich in meinen Augen zu allererst danach, wie groß die (künftige) Wählergruppe ist, die die Entscheidung befürwortet und somit die Macht der jeweiligen Regierung stützen. Warum sollte eine Partei/Koalition gegen die Interesse derer agieren, die künftig eben dieser Partei/Koalition ihre Stimme geben ?

Der gemeine Wähler lässt sich jedoch seine Meinung BILDen und wählt letztlich den, der verspricht seinen Geldbeutel zu entlasten oder im Arbeit zu verschaffen.

Die Geschichte mit den Höhlen war eine Übertreibung bezüglich Ihrer Anspielung auf die Flachbildfernseher und Ihrer Einlassung zum verleiteten Konsumverhalten in einem anderen Ihrer Beiträge...

Schöne Grüße
FRAU nussbaum *lach*
mussmalsagen
01.04.2011, 12.32 Uhr
, Zitate nicht zum eigenen Vorteil verändern
Mir gefällt das Engagement des Autors, und da sei ihm auch das Prinzip "in der Übertreibung liegt die Anschauung" über den gesamten Artikel verteilt, erlaubt.

Ich möchte nur vorsichtig zu bedenken geben, dass Einsteins Zitat heißen muss: "Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind, die menschliche Dummheit und das Weltall, wobei ich mir bei letzterem nicht so sicher bin."

Außerdem sollte man bei der Verwendung von Zitaten den Kontext des Urhebers beachten. Nach meinem Kenntnisstand wollte Einstein in solchen Dingen nicht so wörtlich genommen werden- im Gegenteil- Für die menschliche Dummehit ist es mehr eine Aufforderung an alle zur Selbstkritik und keine Feststellung, und zum Weltall sind es ja heute noch die beiden diskutablen Hauptideen der (Un)endlichkeit.

Aber abschließend möchte ich Herrn Schwarzberg zum gelungen Wachrütteln gratulieren.
-Insider-
01.04.2011, 12.56 Uhr
man
dreht sich doch sinnlos im kreis bei dieser diskussion. die dagegenpartei + die sozialhenker + die gängigen umweltschutzorganisationen dreschen auf cdu und fdp ein. dabei sollte man endlich mal anmerken: auch als rot-grün die schachfiguren in berlin waren gab es AKWs und das diese unter unglücklichen umständen gefährlich sind, wissen wir doch nichts erst seitdem japan über beide ohren strahlt.

zum thema: der wohlstand ist durch die abschaltung der AKWs gefährdet...diese behauptung stimmt doch. der strompreis wird durch diese überhastete zwangsabschaltung wieder mal in die höhe schiessen. sicherheit ja, aber nicht zu jedem preis. vorallem da die panik hier in deutschland total übertrieben ist.

um noch ganz kurz die sache hier anzusprechen mit der schafherde "mensch":
schaut man abseits der 3-Affen Presse (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen) ist es zutiefst erschütternd wie der mensch benutzt, betrogen und belogen wird und in diesem vergleich ist die atompolitik mit weitem, ja nahezu gigantischem abstand unser kleinstes problem.

freundlichst
ihr insider
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