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Sa, 10:05 Uhr
11.06.2011

Das heimliche Leben

Seit gestern ist sie zu sehen: Die Ausstellung „Wildkatzen - Ihr heimliches Leben“ Wer hat sie wirklich schon einmal zu Gesicht bekommen? Die Wildkatze, ein heimlicher und scheuer Jäger, der auf leisen Pfoten durch den Wald schleicht, kennen nur wenige Menschen...

Wildkatze (Foto: Dörfer) Wildkatze (Foto: Dörfer)

Durch ihre heimliche und versteckte Lebensweise bleibt die überwiegend nachtaktive und seltene Katze meist im Verborgenen. Einst lebte sie fast überall in den zusammenhängenden großen Waldgebieten Mitteleuropas. Der Mensch veränderte durch seine Nutzungen jedoch ihren Lebensraum und verfolgte sie durch Jahrhunderte als blutrünstige Bestie. Dies führte zu einem sehr starken Bestandsrückgang, in vielen Bereichen sogar zur Ausrottung.

Heute genießt die Wildkatze europaweiten Schutz und ist langsam wieder auf dem Vormarsch. In naturnahen Wäldern streift diese hoch spezialisierte, kleine Raubkatze wieder umher. Dort gibt es ausgehöhlte Baumstämme, Wurzelteller, alte Steinbrüche, heckenreiche Waldränder und naturnahe Bachtäler.

Die Ausstellung informiert über ein Wildtier unserer heimischen Fauna, das durch seine verborgene Lebensweise für die meisten Menschen weitgehend unentdeckt bleibt. Gleichzeitig wirbt sie für diese faszinierende Katze und fordert zu ihrem aktiven Schutz auf. Dazu ist es wichtig, dieses wunderbare Tier „zurück in die Köpfe und Herzen der Menschen zu holen“ (Heinz Sielmann, 2001). „Wer bin ich?“ und „Wie lebe ich?“ sind Fragen, die in der Ausstellung ausführlich abgehandelt werden. Außerdem wird erklärt, warum die Wildkatze gnadenlos verfolgt wurde und immer noch gefährdet ist. Vernetzungs- und Schutzmaßnahmen werden aufgezeigt.

Großformatige Tafeln informieren mit Texten, Abbildungen und eindrucksvollen Fotos über die spezielle Lebensweise der Wildkatze, über den Zusammenhang zwischen Räuber und Beute oder über natürliche Feinde und über aktuelle Gefährdungen. Durch Installationen und interaktive Stationen wird der Besucher aktiv eingebunden und intensiv an die „Faszination Wildkatze“ heran geführt.

Die Ausstellung ist im Auftrag des Naturpark Solling-Vogler gemeinsam von dem Biologen Karsten Dörfer und der Landschaftsplanerin Birgit Czyppull konzipiert und erarbeitet worden. Die meisten Fotos stammen von dem bekannten Naturfotografen Jürgen Borris.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten bis Ende Juli im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg zu sehen. Der Eintritt ist frei. Info: 05582-923074
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
11.06.2011, 10:50 Uhr
Wildkatze? Es gibt bedrohtere Arten!
Ich selbst habe einmal für ein paar Sekunden eine Wildkatze im Steinmühlenthal zwischen Appenrode und Rothesütte gesehen. Allerdings habe ich einige Jäger gesprochen, die ihr gar nicht so selten begegnen. Ich finde es einerseits gut, mit Ausstellungen und Kampagnen auf Wildkatze, Luchs, Auerhuhn etc. und deren Bedrohung aufmerksam zu machen.

Praktisch alle großen nationalen und internationalen Umweltverbände nutzen attraktive Tiere, am besten solche mit dem die Menschen sensibilisierenden Kindchenschema, um für ihre Ziele und damit für Spenden zu werben. Und sicherlich ist es ihnen nur so möglich, Menschen auf sich und die bedrohten Arten und Lebensräume aufmerksam zu machen.

Eine "hässliche" Zikade oder eine winzige Schnecke, die eventuell viel gefährdeter ist, reizen nur wenige, um ihre Schatulle zu öffnen. Und genau das ist das Problem: Für viele attraktive Arten gibt es Zucht- und Auswilderungsprogramme. Im Harz gibt es so dadurch viele Luchse, wie es sie wohl nie zuvor gegeben hat, viel mehr, als dieser Art mit ihren riesigen Revieren eigentlich zuträglich ist.

Dies geben mittlerweile auch Experten zu. Es gibt Programme für den Panda und jüngst trafen sich sogar Staatschefs, um über die Rettung der letzten Tiger zu beraten. Für Programme zur Erforschung der letzten 200 atlantischen Nordkaper werden Millionen ausgegeben. Ein Millionär hält einige der weltweit letzten 20 Java-Nashörner und züchtet sie. All das begrüße ich: Aber auf der Strecke bleibt die viel größere Zahl vom Menschen als unattraktiv angesehene Arten, von denen zig Tausende verschwinden, ohne das es die Bevölkerung überhaupt bemerkt.

Selbst in unseren heimischen Gesetzen und Bestrebungen der Naturschutzbehörden tauchen sie kaum einmal auf, nicht im Bundesnaturschutzgesetz und nicht in der EU-FFH-Richtlinie. Ich selbst pflege den womöglich letzten deutschen Standort der vom Aussterben bedrohten Klebrigen Miere (Minuartia viscosa) bei Halle gemeinsam mit einem anderen Botaniker, habe für ein Erhaltungsprogramm im Botanischen Garten Halle gesorgt.

Wir werden diese Art wahrscheinlich retten können, zumal sie in ganz Mitteleuropa mittlerweile fast verschwunden ist. Das Pflänzchen wird maximal zehn Zentimeter groß, es verschwindet wegen seiner Unscheinbarkeit fast vor dem umliegenden Grün. Die winzigen weißen Blüten sind fast immer geschlossen. Zudem erscheint die Art nur wenige Wochen im Jahr. Eine Publikation bereiten wir vor.

Die Art taucht aber in keinen offiziellen Schutzprogrammen auf. Einzig die Roten Listen geben Auskunft. Niemand interessiert sich offiziell dafür. Unzählige andere Beispiele ließen sich anfügen.

Ich fordere die Umweltverbände (auch meinen eigenen, den BUND) und die Behörden daher auf, nicht nur Störche, Seeadler und Co. zu bewerben. Diese stehen "nur" am Ende der Nahrungsketten. Deren Basis jedoch bricht, fast unbemerkt, an vielen Stellen ein.

Aber so ist halt diese Gesellschaft: Nur wer und was schön, laut und groß ist, wird gehört oder gesehen. Ein Dilemma für den Artenschutz. Übrigens: Die Wildkatze ist im Harz häufig. Ich könnte auf Anhieb 20 Arten aufzählen, die im Harz nur noch ein einziges oder zwei Vorkommen haben. Zu denen gab es meines Wissens nach aber noch nie eine Ausstellung.
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