Do, 09:18 Uhr
05.08.2004
nnz-Forum: Deutschland einig Vaterland?
Nordhausen (nnz). Deutschland einig Vaterland? Dieser Frage – vor allem unter aktuellen Aspekten – widmet sich ein Statement eines nnz-Lesers aus Bleicherode.
Die politischen Ideen der Regierung und der dominierenden Parteien zur sogenannten Krisenbewältigung werden immer skuriler und obskurer Letzter Höhepunkt: die buschzulagenmotivierten Wessiimporte zur Absicherung der 17-seitigen Einführung, Zahlung und Kontrolle der Arbeitslosenhilfe II (neudeutsch für Sozialhilfe)! Arbeitslose, Kranke und Rentner werden zunehmend zum Spielball der Politik! Jugendliche suchen vergeblich nach Ausbildungs und Arbeitsplätzen, wer beschäftigt da wohl Familienväter- und- mütter jenseits der 45? Was soll eigentlich noch alles passieren?
Wie dick ist die Ossi-Haut? Heute und im Alter gut versorgte Politiker beschäftigen sich schon lange überwiegend mit sich selbst oder mit ihrer Partei, auch dann wenn sie großzügigerweise Lottomittel unter der Bevölkerung verteilen oder Bänder bei selten gewordenen ersten Spatenstichen und Firmeneröffnungen durchschneiden.
Da wird eine niemandem so richtig klare Agenda 2010 aus der Taufe gehoben, Hartz IV treibt mittlerweile sein Unwesen (Geld scheint doch keine Rolle zu spielen !!!), eine Gesundheits- und Rentenreform löst die andere ab, unüberlegt, von Leuten entschieden, die schon lange nur noch den grünen Tisch kennen und in politischen Talksendungen immer schön oberflächlich bleiben. Spitzenmanager (nicht die Inhaber oder Aktionäre) zahlen sich horrende Gehälter - bei rückläufiger Umsatz - und Ertragssituation - , Politiker und Spitzengewerkschafter kassieren in diversen Aufsichtsräten nochmals!
Parteispendenaffären, Verschleuderung von Steuergeldern durch sogenannte öffentliche Kompetenzträger (siehe Schwarzbuch), Millionenabfindungen bei Konzernfusionen, großzügige Annahme von Bestechungsgeldern u.v.a. sind an der Tagesordnung!
Wer handelt hier denn unmoralisch? Der in den Arbeitsagenturen künftig zu bewachende Langzeitarbeitslose, der trotz Chancenlosigkeit bemüht ist, Arbeit zu finden und sich auf nunmehr 17 Seiten wegen rund 330 € im Monat offenbart, unter Androhung von Strafe, falls richtige Angaben an der falschen Stelle gemacht werden? Oder der Millionär, der Steuerermäßigungen erhält, wenn er doch sein Kapital nach Deutschland zurücktransferiert und dies dann trotzdem nicht tut?
Ist das alles nicht irgendwie pervers und im Osten der Republik noch viel perverser?
Vergessen sind schon lange die Milliarden Wiedergutmachungszahlungen an die Alliierten (so genannte Reparationen), die allein die ehemalige DDR und damit jeder Ostbürger tragen musste und, bezogen auf den Vermögensstatus, noch heute tragen muss! Aber vergessen wird von den Altbundesbürgern dagegen nicht, sich aufzuregen, wenn die neuen Bundesländer Fördergelder zur Ankurbelung der Wirtschaft erhalten und diese auch noch angeblich verschwenden.
Aber halt, wie war bzw. ist es denn tatsächlich mit den großzügigen Fördergeldern bestellt? Wohin sind sie denn geflossen? Über 80 % der geförderten Investitionen wurden in angeblich wirtschaftlich und juristisch selbständigen Tochterunternehmen und Zweigniederlassungen von Konzernen und mittelständischen Betrieben aus Deutschland West in Deutschland Ost getätigt. Viele davon gingen nach Ablauf der Fördermittel-Bindefrist den Bach bzw. bezogen auf die geförderten Investitionsgüter gen Westen die Elbe runter! Auch heute noch! Typische Beispiele findet jeder in seiner eigenen Region.
Viele von Ossis gegründete Firmen haben erhebliche Probleme mit der Eigenkapitalausstattung. Woher soll sie auch kommen? Banken sind in den neuen Bundesländern schon lange nicht mehr kreditfreudig und beantragte Fördermittel fließen nun mal über die Hausbank, müssen besichert werden und bringen den Banken nur eine schmale Marge. Folge ist trotz wachsender Zahlen von Ich-AG‘s (für viele Arbeitslose der letzte Rettungsanker, zumindest für 3 Jahre) ein weiteres Verschwinden von Produktions- und Handwerksbetrieben oder deren saubere Integration in altbundesdeutsche Unternehmen, die erneut Fördermittel abkassieren.
So sehen wir alle zu, wie die neuen Bundesländer zielgerichtet (abgesehen von einigen Vorzeigeobjekten) zum Konsumtionsstandort degradiert werden (waren sie ja irgendwie schon immer), beliefert durch altbundesdeutsche Unternehmen, die bereits heute und künftig zunehmend in Polen, Tschechien, Lettland usw. produzieren werden. Die Schere zwischen Ost und West, zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Die Befürchtung, Deutschland-Ost könne zum Armenhaus in Good old Germany werden, ist leider nicht von der Hand zu weisen.
Wir werden die Auswirkungen der politischen Entscheidungen Berlins recht bald zu spüren bekommen und zwar wir alle, die aus den verschiedensten Gründen der angestammten Heimat in den neuen Bundesländern nicht den Rücken kehren, hier bleiben und unsere Arbeit verrichten oder die 17 Seiten ausfüllen oder das Krankenbett hüten oder Rente beziehen, oder... oder...!!!
Das sind Fakten. Und um nicht selbst als lösungsmittelfreier Kritikus verschrieen zu werden, folgen eigene Lösungsansätze, gern zum Nachahmen oder gemeinsamen Umsetzen, im nächsten Leserbeitrag, den die nnz morgen veröffentlichen wird.
Frank Linsel, Ringstrasse 12, 99752 Bleicherode
Autor: nnzDie politischen Ideen der Regierung und der dominierenden Parteien zur sogenannten Krisenbewältigung werden immer skuriler und obskurer Letzter Höhepunkt: die buschzulagenmotivierten Wessiimporte zur Absicherung der 17-seitigen Einführung, Zahlung und Kontrolle der Arbeitslosenhilfe II (neudeutsch für Sozialhilfe)! Arbeitslose, Kranke und Rentner werden zunehmend zum Spielball der Politik! Jugendliche suchen vergeblich nach Ausbildungs und Arbeitsplätzen, wer beschäftigt da wohl Familienväter- und- mütter jenseits der 45? Was soll eigentlich noch alles passieren?
Wie dick ist die Ossi-Haut? Heute und im Alter gut versorgte Politiker beschäftigen sich schon lange überwiegend mit sich selbst oder mit ihrer Partei, auch dann wenn sie großzügigerweise Lottomittel unter der Bevölkerung verteilen oder Bänder bei selten gewordenen ersten Spatenstichen und Firmeneröffnungen durchschneiden.
Da wird eine niemandem so richtig klare Agenda 2010 aus der Taufe gehoben, Hartz IV treibt mittlerweile sein Unwesen (Geld scheint doch keine Rolle zu spielen !!!), eine Gesundheits- und Rentenreform löst die andere ab, unüberlegt, von Leuten entschieden, die schon lange nur noch den grünen Tisch kennen und in politischen Talksendungen immer schön oberflächlich bleiben. Spitzenmanager (nicht die Inhaber oder Aktionäre) zahlen sich horrende Gehälter - bei rückläufiger Umsatz - und Ertragssituation - , Politiker und Spitzengewerkschafter kassieren in diversen Aufsichtsräten nochmals!
Parteispendenaffären, Verschleuderung von Steuergeldern durch sogenannte öffentliche Kompetenzträger (siehe Schwarzbuch), Millionenabfindungen bei Konzernfusionen, großzügige Annahme von Bestechungsgeldern u.v.a. sind an der Tagesordnung!
Wer handelt hier denn unmoralisch? Der in den Arbeitsagenturen künftig zu bewachende Langzeitarbeitslose, der trotz Chancenlosigkeit bemüht ist, Arbeit zu finden und sich auf nunmehr 17 Seiten wegen rund 330 € im Monat offenbart, unter Androhung von Strafe, falls richtige Angaben an der falschen Stelle gemacht werden? Oder der Millionär, der Steuerermäßigungen erhält, wenn er doch sein Kapital nach Deutschland zurücktransferiert und dies dann trotzdem nicht tut?
Ist das alles nicht irgendwie pervers und im Osten der Republik noch viel perverser?
Vergessen sind schon lange die Milliarden Wiedergutmachungszahlungen an die Alliierten (so genannte Reparationen), die allein die ehemalige DDR und damit jeder Ostbürger tragen musste und, bezogen auf den Vermögensstatus, noch heute tragen muss! Aber vergessen wird von den Altbundesbürgern dagegen nicht, sich aufzuregen, wenn die neuen Bundesländer Fördergelder zur Ankurbelung der Wirtschaft erhalten und diese auch noch angeblich verschwenden.
Aber halt, wie war bzw. ist es denn tatsächlich mit den großzügigen Fördergeldern bestellt? Wohin sind sie denn geflossen? Über 80 % der geförderten Investitionen wurden in angeblich wirtschaftlich und juristisch selbständigen Tochterunternehmen und Zweigniederlassungen von Konzernen und mittelständischen Betrieben aus Deutschland West in Deutschland Ost getätigt. Viele davon gingen nach Ablauf der Fördermittel-Bindefrist den Bach bzw. bezogen auf die geförderten Investitionsgüter gen Westen die Elbe runter! Auch heute noch! Typische Beispiele findet jeder in seiner eigenen Region.
Viele von Ossis gegründete Firmen haben erhebliche Probleme mit der Eigenkapitalausstattung. Woher soll sie auch kommen? Banken sind in den neuen Bundesländern schon lange nicht mehr kreditfreudig und beantragte Fördermittel fließen nun mal über die Hausbank, müssen besichert werden und bringen den Banken nur eine schmale Marge. Folge ist trotz wachsender Zahlen von Ich-AG‘s (für viele Arbeitslose der letzte Rettungsanker, zumindest für 3 Jahre) ein weiteres Verschwinden von Produktions- und Handwerksbetrieben oder deren saubere Integration in altbundesdeutsche Unternehmen, die erneut Fördermittel abkassieren.
So sehen wir alle zu, wie die neuen Bundesländer zielgerichtet (abgesehen von einigen Vorzeigeobjekten) zum Konsumtionsstandort degradiert werden (waren sie ja irgendwie schon immer), beliefert durch altbundesdeutsche Unternehmen, die bereits heute und künftig zunehmend in Polen, Tschechien, Lettland usw. produzieren werden. Die Schere zwischen Ost und West, zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Die Befürchtung, Deutschland-Ost könne zum Armenhaus in Good old Germany werden, ist leider nicht von der Hand zu weisen.
Wir werden die Auswirkungen der politischen Entscheidungen Berlins recht bald zu spüren bekommen und zwar wir alle, die aus den verschiedensten Gründen der angestammten Heimat in den neuen Bundesländern nicht den Rücken kehren, hier bleiben und unsere Arbeit verrichten oder die 17 Seiten ausfüllen oder das Krankenbett hüten oder Rente beziehen, oder... oder...!!!
Das sind Fakten. Und um nicht selbst als lösungsmittelfreier Kritikus verschrieen zu werden, folgen eigene Lösungsansätze, gern zum Nachahmen oder gemeinsamen Umsetzen, im nächsten Leserbeitrag, den die nnz morgen veröffentlichen wird.
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| Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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