Di, 06:34 Uhr
07.06.2011
Schweiß und Glück
Sechs Langstreckenwanderer aus Dresden, Gießen, Lieskau bei Halle und Nordhausen starteten am vergangenen Sonnabend kurz nach 11 Uhr zum 7. Harz-Hunderter am Bahnhof Sangerhausen. Hier der Bericht von Wanderführer Bodo Schwarzberg...
In den kommenden 27 Stunden erwanderten wir 16 Harzer Wandernadeln. Damit haben wir unser Ziel erreicht, mit dem ersten Hunderter der neuen Serie Harzer Wandernadel alle Stempelstellen östlich der Linie Sangerhausen-Ballenstedt zu besuchen.
Bei warmen und zum Teil, je nach Empfinden, heißem Wetter, waren auf der Tour vor allem Getränke gefragt. Zwar führten wir bis zu 2 Liter im Rucksack mit, jedoch nahmen wir auch einige ursprünglich nicht geplante Gaststätten in unsere Pausenliste auf. Vielleicht war es die unbarmherzige Sonne, die einen Teilnehmer bereits kurz hinter Wippra, nach 32 km, zum Aufgeben brachte. Mit leichtem Schwindel ließ er sich von einem Touristenpaar von der Wippertalsperre zum nächsten Bahnhof fahren. Mittlerweile geht es ihm wieder gut.
Wir verbliebenen fünf genossen trotz der Hitze die einzigartig schöne Landschaft mit den Stationen Wippra, Pansfelde, Konradsburg, Burg Falkenstein und Ballenstedt bis hin zum Ziel Quedlinburg. Ganz nebenbei überquerten wir damit den Harz von Süd nach Nord, wobei auf Grund der vielen anzuwandernden Wandernadeln viele Umwege geplant in Kauf genommen wurden. Aus einer Luftlinie von vielleicht 40 km, wurden so 103 km.
Durchaus stolz war ich darauf, dass es mir in nur gerade einmal drei Tagen in der vergangenen Woche gelungen war, den Hunderter zu organisieren und die Route so abzuradeln und im Gedächtnis zu behalten, dass es nur zu zwei winzigen Verlaufern kam.
Dass dies nicht selbstverständlich ist, erklärt sich aus der oftmals unregelmäßigen oder auf weiten Strecken auch fehlenden Wegenarkierung im Ostharz. Noch einen Tag vor der Tour sagte mir der Vertreter eines Tourismusverbandes, dass dies wohl am fehlenden Geld liege. Das aber kann nicht stimmen. Ich kenne kein ostdeutsches Touristengebiet, in dem viele Wanderwege so nachlässig und dilettantisch wie in Harz markiert sind, nicht in der Dübener Heide, nicht im Elbsandsteingebirge, nicht im Thüringer Wald und schon gar nicht bei den gewiss ärmeren Tschechen.
In der tschechischen Republik sind selbst Wege fernab jedes landschaftlich reizvollen Touristengebietes meist hervorragend ausgeschildert und markiert. Ich führe dieses im Harz außerhalb der Touristenzentren verbreitete Dilemma ausschließlich auf die Unfähigkeit und den Unwillen der zuständigen Verwaltungen zurück. Selbst das frühere Braunkohlegebiet südlich von Leipzig ist besser ausgeschildert, als weite Teile des Ostharzes. Wenngleich sich die Situation im Landkreis Nordhausen ein wenig verbessert hat, sollte sich auf keinem Fall mit dem geringfügig Erreichten zufriedengegeben werden. Dies betrifft vor allem die Wege, die die Hauptwanderwege miteinander verbinden.
Sehr traurig stimmten uns auch die Beobachtungen, die wir bezüglich der Wandernadelstempelstellen machen mussten: Eigentlich sollen diese ja den Wandertourismus ankurbeln: Aber gerade dort, wo die meisten Touristen sind, sahen wir auch die meisten Zerstörungen. Das betraf vor allem das Selketal: Kaum noch ein Stempel verfügte noch über seinen Stempelgummi, der Stempelkasten 207 am Mausoleum bei Meisdorf gar war heruntergerissen worden. Zudem türmte sich gerade im Selketal an einigen Raststellen der Müll (siehe Bilder). Wenn ich all das sehe, überdenke ich mitunter meine ständige Kritik an den schlecht markierten Wanderwegen: Denn sind sie gut markiert, ziehen sie mit mehr Menschen auch mehr Randalierer und ganz spezielle Stempeldiebe an.
Auch ist mir gerüchteweise zu Ohren gekommen, dass zwar die Aufstellung der Wandernadelkästen finanziert wurde, Geld für deren Unterhaltung aber kaum zur Verfügung steht. Die Erfahrung aber müsste doch lehren, dass mit Zerstörern immer zu rechnen ist. Im Klartext: Wer das Wandernadelsystem installiert hat und Träger dieses Systems ist, handelt kurzsichtig und verschwendet öffentliche Mittel, wenn er nicht auch für eine Folgefinanzierung sorgt. Ich hoffe, dass sich die Harzer Behörden ihrer Verantwortung hier mehr bewusst sind, als bei der Markierung der Wanderwege. Das betrifft alle drei Harzer Bundesländer.
Leider konnten wir die von mir geplanten Zeiten beim 7. Harz-Hunderter nicht einhalten. Dies lag zum einen an einigen ungeplanten Gaststätteneinkehren zwecks Ausgleichs des Flüssigkeitshaushaltes, aber auch daran, dass das persönliche Wandertempo der Teilnehmer unterschiedlich ist. Die daraus resultierenden Wartezeiten lassen sich aber nicht (immer) planen. Froh waren wir daher, als wir trotz zweistündiger Verspätung im Schlosshotel Ballenstedt noch ein Frühstück serviert bekamen.
Zu den besonderen Erlebnissen auf der Tour gehörte der Sonnenaufgang auf dem, Weg ins Selketal mit der Burg Falkenstein im Morgenlicht und der weite Blick über das Selketal, der sich uns von der gegenüber liegenden Selkesicht (Stempel 204) bot. Aber auch das einmalig wohlschmeckende Bier aus der Wippraer Privatbrauerei ist immer wieder eine Wanderung wert. Die vielen reich tragenden Kirschbäume am Nordrand des Harzes zwischen Ballenstedt und Quedlinburg waren eine ebenso willkommende Abwechslung für uns dürstende Wanderer.
Der Wanderleiter selbst ließ sich auch die Rückfahrt mit der Harzer Schmalspurbahn von Quedlinburg nach Nordhausen nicht entgehen. Zwar war ich etwas müde, habe aber dennoch die Fahrt durch unsere wunderbare Harzlandschaft genießen können.
Ältester erfolgreicher Teilnehmer war Klaus Rieder aus Gießen mit 67 Jahren. Mit dabei auch Katrin Behrend aus Dresden, die so viele Hunderter absolviert hat, wie keine andere Frau in Deutschland (knapp 300).
Den nächsten Hunderter führe ich im August: Beim 6. Harz-Hunderter EXTREM geht es vom 12. bis 14. August zum mittlerweile vierten Mal über den gesamten Harz – allerdings nicht, wie oft gegangen, von Nord nach Süd, sondern von West nach Ost (Seesen-Brocken-Lutherstadt Eisleben) über 147 km mit zwei Nächten ohne Schlaf. Teilnehmen kann jeder, über 50 und mehr Kilometer allerdings nur mit dem Nachweis einer absolvierten Nonstopwanderung über wenigstens 50 km in den vergangenen sechs Monaten.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzIn den kommenden 27 Stunden erwanderten wir 16 Harzer Wandernadeln. Damit haben wir unser Ziel erreicht, mit dem ersten Hunderter der neuen Serie Harzer Wandernadel alle Stempelstellen östlich der Linie Sangerhausen-Ballenstedt zu besuchen.
Bei warmen und zum Teil, je nach Empfinden, heißem Wetter, waren auf der Tour vor allem Getränke gefragt. Zwar führten wir bis zu 2 Liter im Rucksack mit, jedoch nahmen wir auch einige ursprünglich nicht geplante Gaststätten in unsere Pausenliste auf. Vielleicht war es die unbarmherzige Sonne, die einen Teilnehmer bereits kurz hinter Wippra, nach 32 km, zum Aufgeben brachte. Mit leichtem Schwindel ließ er sich von einem Touristenpaar von der Wippertalsperre zum nächsten Bahnhof fahren. Mittlerweile geht es ihm wieder gut.
Wir verbliebenen fünf genossen trotz der Hitze die einzigartig schöne Landschaft mit den Stationen Wippra, Pansfelde, Konradsburg, Burg Falkenstein und Ballenstedt bis hin zum Ziel Quedlinburg. Ganz nebenbei überquerten wir damit den Harz von Süd nach Nord, wobei auf Grund der vielen anzuwandernden Wandernadeln viele Umwege geplant in Kauf genommen wurden. Aus einer Luftlinie von vielleicht 40 km, wurden so 103 km.
Durchaus stolz war ich darauf, dass es mir in nur gerade einmal drei Tagen in der vergangenen Woche gelungen war, den Hunderter zu organisieren und die Route so abzuradeln und im Gedächtnis zu behalten, dass es nur zu zwei winzigen Verlaufern kam.
Dass dies nicht selbstverständlich ist, erklärt sich aus der oftmals unregelmäßigen oder auf weiten Strecken auch fehlenden Wegenarkierung im Ostharz. Noch einen Tag vor der Tour sagte mir der Vertreter eines Tourismusverbandes, dass dies wohl am fehlenden Geld liege. Das aber kann nicht stimmen. Ich kenne kein ostdeutsches Touristengebiet, in dem viele Wanderwege so nachlässig und dilettantisch wie in Harz markiert sind, nicht in der Dübener Heide, nicht im Elbsandsteingebirge, nicht im Thüringer Wald und schon gar nicht bei den gewiss ärmeren Tschechen.
In der tschechischen Republik sind selbst Wege fernab jedes landschaftlich reizvollen Touristengebietes meist hervorragend ausgeschildert und markiert. Ich führe dieses im Harz außerhalb der Touristenzentren verbreitete Dilemma ausschließlich auf die Unfähigkeit und den Unwillen der zuständigen Verwaltungen zurück. Selbst das frühere Braunkohlegebiet südlich von Leipzig ist besser ausgeschildert, als weite Teile des Ostharzes. Wenngleich sich die Situation im Landkreis Nordhausen ein wenig verbessert hat, sollte sich auf keinem Fall mit dem geringfügig Erreichten zufriedengegeben werden. Dies betrifft vor allem die Wege, die die Hauptwanderwege miteinander verbinden.
Sehr traurig stimmten uns auch die Beobachtungen, die wir bezüglich der Wandernadelstempelstellen machen mussten: Eigentlich sollen diese ja den Wandertourismus ankurbeln: Aber gerade dort, wo die meisten Touristen sind, sahen wir auch die meisten Zerstörungen. Das betraf vor allem das Selketal: Kaum noch ein Stempel verfügte noch über seinen Stempelgummi, der Stempelkasten 207 am Mausoleum bei Meisdorf gar war heruntergerissen worden. Zudem türmte sich gerade im Selketal an einigen Raststellen der Müll (siehe Bilder). Wenn ich all das sehe, überdenke ich mitunter meine ständige Kritik an den schlecht markierten Wanderwegen: Denn sind sie gut markiert, ziehen sie mit mehr Menschen auch mehr Randalierer und ganz spezielle Stempeldiebe an.
Auch ist mir gerüchteweise zu Ohren gekommen, dass zwar die Aufstellung der Wandernadelkästen finanziert wurde, Geld für deren Unterhaltung aber kaum zur Verfügung steht. Die Erfahrung aber müsste doch lehren, dass mit Zerstörern immer zu rechnen ist. Im Klartext: Wer das Wandernadelsystem installiert hat und Träger dieses Systems ist, handelt kurzsichtig und verschwendet öffentliche Mittel, wenn er nicht auch für eine Folgefinanzierung sorgt. Ich hoffe, dass sich die Harzer Behörden ihrer Verantwortung hier mehr bewusst sind, als bei der Markierung der Wanderwege. Das betrifft alle drei Harzer Bundesländer.
Leider konnten wir die von mir geplanten Zeiten beim 7. Harz-Hunderter nicht einhalten. Dies lag zum einen an einigen ungeplanten Gaststätteneinkehren zwecks Ausgleichs des Flüssigkeitshaushaltes, aber auch daran, dass das persönliche Wandertempo der Teilnehmer unterschiedlich ist. Die daraus resultierenden Wartezeiten lassen sich aber nicht (immer) planen. Froh waren wir daher, als wir trotz zweistündiger Verspätung im Schlosshotel Ballenstedt noch ein Frühstück serviert bekamen.
Zu den besonderen Erlebnissen auf der Tour gehörte der Sonnenaufgang auf dem, Weg ins Selketal mit der Burg Falkenstein im Morgenlicht und der weite Blick über das Selketal, der sich uns von der gegenüber liegenden Selkesicht (Stempel 204) bot. Aber auch das einmalig wohlschmeckende Bier aus der Wippraer Privatbrauerei ist immer wieder eine Wanderung wert. Die vielen reich tragenden Kirschbäume am Nordrand des Harzes zwischen Ballenstedt und Quedlinburg waren eine ebenso willkommende Abwechslung für uns dürstende Wanderer.
Der Wanderleiter selbst ließ sich auch die Rückfahrt mit der Harzer Schmalspurbahn von Quedlinburg nach Nordhausen nicht entgehen. Zwar war ich etwas müde, habe aber dennoch die Fahrt durch unsere wunderbare Harzlandschaft genießen können.
Ältester erfolgreicher Teilnehmer war Klaus Rieder aus Gießen mit 67 Jahren. Mit dabei auch Katrin Behrend aus Dresden, die so viele Hunderter absolviert hat, wie keine andere Frau in Deutschland (knapp 300).
Den nächsten Hunderter führe ich im August: Beim 6. Harz-Hunderter EXTREM geht es vom 12. bis 14. August zum mittlerweile vierten Mal über den gesamten Harz – allerdings nicht, wie oft gegangen, von Nord nach Süd, sondern von West nach Ost (Seesen-Brocken-Lutherstadt Eisleben) über 147 km mit zwei Nächten ohne Schlaf. Teilnehmen kann jeder, über 50 und mehr Kilometer allerdings nur mit dem Nachweis einer absolvierten Nonstopwanderung über wenigstens 50 km in den vergangenen sechs Monaten.
Bodo Schwarzberg













