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Di, 06:41 Uhr
07.06.2011

nnz-Forum: Nicht auf den ersten Blick

Die nnz hatte ausführlich über den ersten Familienspieltag auf dem Werksgelände von Knauf in Rottleberode berichtet. Dazu die Anmerkung eines Lesers im Forum der nnz...


Nachdem, ich glaube, in drei Bilderserien in der nnz die Begeisterung der Besucher des Spaßnachmittages bei Knauf zum Ausdruck gebracht wurde, möchte ich ein wenig zur Besinnung mahnen. Erst einmal ist es verständlich, dass sich viele Familien einen derartigen Event bei schönem Wetter nicht entgehen lassen möchten. Verständlich ist auch, dass Knauf alles daran setzt, sich ein positives Image zu verschaffen.

Vergessen wir nicht, dass das Unternehmen sein Geld mit der Zerstörung von Landschaften verdient, und zwar nicht nur im Südharz, wie ein paar Klicks im Internet schnell verraten. Immer wieder stößt der Konzern bei seiner "Arbeit" auf Widerstände, führt oder wehrt sich in Prozessen, die er leider, wie z.B. erst jüngst bei Freiburg, gegen viele Widerstände gewinnt. Der Gips, der im Gebiet des Südharzer Zechsteinrandes abgebaut wurde und wird, lag Millionen Jahre dort. In wenigen Jahrzehnten verschwinden ganze Berge.

Der Kohnstein, der einst bis fast an die Zorge heranreichte, ist ein warnendes Beispiel. Noch vor einiger Zeit äußerte Knaufs Werkleiter Materlik laut nnz sein Unverständnis darüber, dass es in Thüringen keine neuen Aufschlüsse von Steinrüchen geben darf. Stellt man derartige Äußeruungen, die Erweiterung des Stenbruchs Rüsselsee über die Köpfe der Gemeinden durch ein anderes Gipswerk hinweg, die Bestrebungen der Stadt Ellrich, den Gipslastern am Himmelsberg eine bessere Straße zu bauen und die sonstigen europaweiten Aktivitäten Knaufs und anderer einerseits dem Knaufschen Spaßnachmittag gegenüber, erst dann entsteht meines Erachtens ein realistisches Bild.

Erst dann wird deutlich, welche Interessen das Unternehmen mit derartigen Veranstaltungen verfolgt. Wenn ein Autohaus zu Familiennachmittagen einlädt, dann erklärt sich dies aus seinem nachvollziehbaren Interesse, Autos zu verkaufen. Da Knauf aber seine Produkte europa- oder gar weltweit anbietet, braucht er solche Events im kleinen Rottleberode gewiss nicht für seine Produktwerbung. Die paar Gipstüten, die die Firma dadurch mehr verkaufen kann, dürften sich kaum im Jahresabschluss niederschlagen.

Die Gründe für derartige Veranstaltungen liegen ausschließlich in der Aufpolierung seines Images begründet. Und das ist nunmal bei einem Unternehmen, das Berge abbaut und Wald abholzt, nicht so einfach zu pflegen.

Steinbruch Knauf (Foto: privat) Steinbruch Knauf (Foto: privat)

Besonders traurig stimmt mich persönlich auch, dass sich die Biosphärenreservatsverwaltung aus Rossla an der Veranstaltung beteiligt hat. Ob aber ein Steinbruch von den Ausmaßen jenes im Alten Stolberg etwas mit der für ein Biosphärenreservat geforderten nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zu tun hat, darf arg bezweifelt werden. Ich finde deren Engagement auch deswegen sehr kritikwürdeig, weil Sachsen-Anhalt ja das Problem Gipsabbau nicht hat. Denn bekanntermaßenn befindet sich der Knaufsche Steinruch auf Thrünger Staatsgebiet. Und er liegt eigentümlicherweise außerhalb des Biosphärenreservates. Wie also ist es zu erklären, dass das Biosphärenreservat mit Knauf gemeinsam feiert? Ich hoffe, dass ich an dieser Stelle demnächst eine Reaktion der Reservatsverwaltung verkünden kann.

Auch die gelegentlichen Stelldicheins von Vertretern der Nordhäuser Stadt- und Kreispolitik bei den Gipswerken hat meiner Meinung nach ein Geschmäckle. Einerseits sprechen sie sich gegen neue Steinbrüche aus, andererseits machen sie den Bergbauunternehmen ihre Aufwartung. Misstrauen gegenüber ihnen ist daher ebenso angebracht.

Wenngleich gelegentlich argumentiert wird, Knauf tue viel für die Renantierung seines Steinbruchs, dann sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ursprüngliche dennoch für immer verloren ist. Nur noch wenige Prozent unserer Landschaft nutzt der Mensch nicht intensiv. Wir sollten die letzten halbwegs naturbelassenen, jahrmillionenalten Landschaften nicht kurzfristigen Profitinteressen opfern.

Der Gipsabbau ist nicht Fukushima. Das ist ein gewaltiges Problem. Leider braucht es fast immer "knallende", strahlende und unmittelbar gefährliche Ereignisse, damit Gefahren erkannt werden und protestiert wird. Der Hitzesommer 2003, der von vielen Forschern auf den Klimawandel zurückgeführt wird, forderte in Europa 15.000 "zusätzliche" Menschenleben. Da dies zwar eine gigantische Katastrophe war, aber kein unmittelbar Schuldiger benannt werden konnte, fehlte den üblichen Protestlern das "Feindbild".

Protestiert wurde daher nicht. Mit dieser menschlichen Eigenschaft lässt sich vortrefflich Politik machen. Nur wer sich unmittelbar bedroht sieht, eignet sich Wissen zu dem zugrundeliegenden Problem an, kann und möchte mitreden. Wer also protestiert denn z.B. gegen die Situation am Kohnstein oder am Steibnruch Hohe Schleife? Wer fragt nach, wo denn die Mittel geblieben sind, die doch angeblich für die Rekultivierung vorgesehen waren? - Tausende fahren täglich am Kohnstein vorbei. Man gewöhnt sich halt, weil niemand unmittelbar bedroffen ist.

In der Bevölkerung und in den Verwaltungen gibt es eine Mehrheit gegen neue Steinbrüche und alle diesbezügliche Bestrebungen. Hierzu wurden auch Beschlüsse gefasst. Ich wünsche mir eine insgesamt konsequentere Haltung aller. Den Wunsch Materliks nach neuen Steinrüchen, geschrieben in einem nnz-Beitrag, sollte Anlass genug dafür sein.

In einer pluralistischen Gesellschaft sehe ich es als BUND-Mitglied als eine meiner selbstgestellten Aufgaben, vordergründigen Reizen, wie dem Spaßnachmittag von Knauf, ein wenig Nachdenklichkeit entgegenzusetzen. Der erste Eindruck ist nicht immer auch der richtige.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen

Hinweis der Redaktion: Herr Schwarzberg wünscht Kommentare bitte nur mit Klarnamen abzugeben
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
helferlein
07.06.2011, 08:39 Uhr
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