Mi, 09:20 Uhr
13.08.2003
Ja, aber nicht auf Pump
Nordhausen/Erfurt (nnz). Das Bundeskabinett wird sich heute unter anderem mit der Steuerreform beschäftigen. Deren letzte Stufe soll vorgezogen und gegenfinanziert werden. Was aber sagen Thüringer Unternehmen dazu. Die IHK hatte nachgefragt.
Die Industrie- und Handelskammer Erfurt hat in einer Umfrage unter 234 Unternehmen des Kammerbezirkes das Stimmungsbild aus der Wirtschaft eingeholt: Ungeachtet aller politischen Diskussionen sollte nach fast einhelliger Meinung der Unternehmer die steuerliche Entlastung so schnell wie möglich vorgenommen werden. Rund 94 Prozent befürworten ein Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004, wertet IHK-Präsident Niels Lund Chrestensen die vorliegenden Ergebnisse. Dabei stoße die bisherige Strategie der Bundesregierung - die Gegenfinanzierung weitestgehend über die Neuverschuldung zu realisieren - bei den Managern auf wenig Gegenliebe.
Eine Reform auf Pump sei aus Sicht der Unternehmer ökonomisch nicht zu vertreten. Die künftige Handlungsfähigkeit des Staates würde aufgrund des Schuldendienstes immer mehr eingeschränkt. Für mehr als die Hälfte der Firmenchefs liege der Königsweg in einem vertretbaren Mix aus Neuverschuldung und Subventionsabbau. Ein Drittel plädiere sogar für eine Gegenfinanzierung ausschließlich durch den Wegfall von Subventionen.
Die größten Chancen für derartige Sparmaßnahmen sehen die Unternehmer in einer pauschalen Kürzung sämtlicher Subventionen um jeweils 10 Prozent für die nächsten Jahre, der sog. Rasenmähermethode, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Ein Drittel der Befragten spreche sich für die Abschaffung der Eigenheimzulage aus und jeder vierte habe nichts gegen die Reduzierung der Entfernungspauschale.
Auf wenig Akzeptanz stoße hingegen die Erhöhung der Dienstwagenpauschale, eine Verlängerung der Abschreibungsfristen oder die Abschaffung der Investitionszulage. Nach neuesten ökonomischen Analysen führender Wirtschaftsforschungsinstitute ist auf die Hälfte aller Subventionen von jährlich fast 60 Mrd. Euro volkswirtschaftlich verzichtbar, so Grusser. Mit einem konsequenten Abbau wäre es möglich, den Spitzensteuersatz schon mittelfristig unter 40 und den Eingangssteuersatz auf weniger als 15 Prozent zu drücken.
An der Frage, ob die vorgezogene Steuerreform eine Belebung der Konjunktur nach sich ziehe, scheiden sich die Gemüter. Positive Konjunktureffekte erwarten nur 45 Prozent der Manager. Für 55 Prozent der Befragten ist die allgemeine Verunsicherung aus der Diskussion über zusätzliche Steuer- und Abgabenlasten so groß, dass ein Vorziehen der Steuerreform nach Ansicht der Unternehmer keine wesentlichen konjunkturellen Wachstumsimpulse mit sich bringen würde.
Fazit: Das Vorziehen der Steuerreform von 2005 auf 2004 wird von der Wirtschaft fast uneingeschränkt begrüßt, versetzt sie aber noch nicht in Euphorie. Es könnte ein wichtiger Schritt sein, um die Kehrtwende in der Konjunkturpolitik der Bundesregierung einzuleiten. Die mit der vorzeitigen Steuersenkung mobilisierten knapp 18 Milliarden Euro brächten insbesondere dem Mittelstand Erleichterungen und könnten einen ersten Investitionsschub auslösen.
Autor: nnzDie Industrie- und Handelskammer Erfurt hat in einer Umfrage unter 234 Unternehmen des Kammerbezirkes das Stimmungsbild aus der Wirtschaft eingeholt: Ungeachtet aller politischen Diskussionen sollte nach fast einhelliger Meinung der Unternehmer die steuerliche Entlastung so schnell wie möglich vorgenommen werden. Rund 94 Prozent befürworten ein Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004, wertet IHK-Präsident Niels Lund Chrestensen die vorliegenden Ergebnisse. Dabei stoße die bisherige Strategie der Bundesregierung - die Gegenfinanzierung weitestgehend über die Neuverschuldung zu realisieren - bei den Managern auf wenig Gegenliebe.
Eine Reform auf Pump sei aus Sicht der Unternehmer ökonomisch nicht zu vertreten. Die künftige Handlungsfähigkeit des Staates würde aufgrund des Schuldendienstes immer mehr eingeschränkt. Für mehr als die Hälfte der Firmenchefs liege der Königsweg in einem vertretbaren Mix aus Neuverschuldung und Subventionsabbau. Ein Drittel plädiere sogar für eine Gegenfinanzierung ausschließlich durch den Wegfall von Subventionen.
Die größten Chancen für derartige Sparmaßnahmen sehen die Unternehmer in einer pauschalen Kürzung sämtlicher Subventionen um jeweils 10 Prozent für die nächsten Jahre, der sog. Rasenmähermethode, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Ein Drittel der Befragten spreche sich für die Abschaffung der Eigenheimzulage aus und jeder vierte habe nichts gegen die Reduzierung der Entfernungspauschale.
Auf wenig Akzeptanz stoße hingegen die Erhöhung der Dienstwagenpauschale, eine Verlängerung der Abschreibungsfristen oder die Abschaffung der Investitionszulage. Nach neuesten ökonomischen Analysen führender Wirtschaftsforschungsinstitute ist auf die Hälfte aller Subventionen von jährlich fast 60 Mrd. Euro volkswirtschaftlich verzichtbar, so Grusser. Mit einem konsequenten Abbau wäre es möglich, den Spitzensteuersatz schon mittelfristig unter 40 und den Eingangssteuersatz auf weniger als 15 Prozent zu drücken.
An der Frage, ob die vorgezogene Steuerreform eine Belebung der Konjunktur nach sich ziehe, scheiden sich die Gemüter. Positive Konjunktureffekte erwarten nur 45 Prozent der Manager. Für 55 Prozent der Befragten ist die allgemeine Verunsicherung aus der Diskussion über zusätzliche Steuer- und Abgabenlasten so groß, dass ein Vorziehen der Steuerreform nach Ansicht der Unternehmer keine wesentlichen konjunkturellen Wachstumsimpulse mit sich bringen würde.
Fazit: Das Vorziehen der Steuerreform von 2005 auf 2004 wird von der Wirtschaft fast uneingeschränkt begrüßt, versetzt sie aber noch nicht in Euphorie. Es könnte ein wichtiger Schritt sein, um die Kehrtwende in der Konjunkturpolitik der Bundesregierung einzuleiten. Die mit der vorzeitigen Steuersenkung mobilisierten knapp 18 Milliarden Euro brächten insbesondere dem Mittelstand Erleichterungen und könnten einen ersten Investitionsschub auslösen.

