eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (lb_1)
Sa, 12:33 Uhr
25.04.2026
Analyse zur Seelano-Umfrage-Manipulation

Wenn die Mehrheit aus dem Tor-Netzwerk kommt

Online-Umfragen sind eine schöne Sache: Sie geben Lesern eine Stimme, sie liefern Stimmungsbilder, sie erzeugen Beteiligung. Sie haben aber auch eine Schwachstelle - sie lassen sich technisch beeinflussen...

Eine Auswertung der jüngsten NNZ-Abstimmung zum Thema Seelano zeigt exemplarisch, wie ein ursprünglich klares Stimmungsbild durch eine koordinierte Aktion gekippt wird und wie sich solche Eingriffe statistisch wieder herausrechnen lassen.

Die Frage lautete: Was halten Sie von der beantragten Umwidmung der Seelano Ferienhäuser in Wohnhäuser?

Option 1 - bin dafür
Option 2 - bin dagegen
Option 3 - ist mir egal

Ein aktuell auch sehr emotional diskutiertes Thema.
Umfrage (Foto: vgf) Umfrage (Foto: vgf)

Drei sehr deutliche Unstimmigkeiten

1. Massive Verschiebung der Stimmenverteilung im Verlauf
Am ersten Tag (21.04.) lag »bin dagegen« klar vorne und führte in fast jeder Stunde mit ca. 50-70 % Anteil. »bin für« dümpelte bei ca. 15-25 %.

Ab dem zweiten Tag (22.04.), beginnend mit dem ersten Schub um 7-8 Uhr morgens, kippt das Verhältnis abrupt. In den Stunden 07:00-17:00 entfallen plötzlich 60-75 % aller Stimmen auf »bin dafür«.

Beispiele:
  • 22.04. 10:00 Uhr: 100 Stimmen, davon 74 für Option 1
  • 22.04. 12:00 Uhr: 104 Stimmen, davon 73 für Option 1
  • 22.04. 23:00 Uhr: 41 Stimmen, davon 40 für Option 1, 1 für Option 2, 0 für Option 3

So eine plötzliche Stimmungsumkehr ist ohne externen Einfluss extrem unwahrscheinlich. Und wenn am späten Abend nur noch eine Option Stimmen sammelt, ist das kein organisches Abstimmungsverhalten mehr.

2. Tor-Exit-Nodes dominieren die spätesten Stunden
Von 86 Stimmen am 22.04. zwischen 22:00 und 23:59 kommen 63 von Tor-Exit-Nodes (rund 73 %). Erkennbar an Subnetzen wie:
  • 192.42.116.x (Universität Amsterdam Tor-Exit)
  • 185.220.x.x (quintex / Foundation Applied Privacy)
  • 109.70.100.x, 185.100.87.x, 23.129.64.x, 198.98.51.x, 45.84.107.x und weitere bekannte Tor-Exits

Reguläre Leser nutzen praktisch selten »Tor« zum Voten. »Tor« ist ein Anonymisierungsnetzwerk, das den Internetverkehr über mehrere weltweit verteilte Server umleitet, sodass die tatsächliche IP-Adresse des Nutzers für die aufgerufene Webseite nicht erkennbar ist.
Wenn ein Drittel bis zwei Drittel der späten Stimmen über Anonymisierungsdienste kommt, ist das ein klassisches Signal für ein automatisiertes oder koordiniertes Voting, bei dem der Absender seine Herkunft verschleiert.

3. Frequenz-Anomalie
  • Die Stimmrate explodiert plötzlich: Vom 21.04. (ca. 20-30 Stimmen/h) auf Spitzen von 100-104 Stimmen/h am 22.04. - ohne erkennbaren Anlass.
  • Spitzenzeiten der "1"-Welle liegen exakt um 10, 12, 15 Uhr - das passt eher zu Schub-Aufrufen als zu organischem Traffic.

Anzeige symplr (mr_1)

Was wahrscheinlich passiert ist

Aus diesen Mustern lässt sich ein plausibles Szenario ableiten: Am ersten Tag lief die Abstimmung normal. Am zweiten Tag wurde der Link vermutlich in einer oder mehreren Gruppen geteilt - etwa in einem Messenger-Channel - mit der Bitte, für Option 1 zu stimmen. Das an sich ist noch nicht schlimm und legitim.
Gegen Abend sind die Aktiven auf Tor umgestiegen. Das erklärt die hohe Tor-Konzentration in den späten Stunden.

Wichtig: Eine solche Mobilisierung muss nicht automatisiert sein. Es braucht keinen Bot. Es genügen wenige Dutzend motivierter Personen, die einem Aufruf folgen. Die statistische Auffälligkeit wäre die gleiche.

Die Bereinigung

Mit einem kleinen Auswertungsskript lässt sich der Datensatz nachträglich filtern. Drei Kriterien wurden angewendet: Stimmen aus bekannten Tor-Exit-Knoten, Stimmen von IPs mit mehr als drei Einträgen im Datensatz und Stimmen aus Minuten mit auffällig vielen gleichzeitigen Einträgen.
 
Insgesamt wurden 210 von 1.305 Stimmen markiert (16 Prozent). Die Differenz zwischen Roh- und bereinigter Auswertung sieht so aus:

-Rohdatenbereinigt
bin dafür 716 (54,9 %) 452 (45,4 %)
bin dagegen 425 (32,6 %) 385 (38,7 %)
ist mir egal 164 (12,6 %) 158 (15,9 %)
Gesamt: 1.305 995


 
»bin dafür« verliert prozentual am meisten - der Push-Effekt ist also messbar. »bin dafür« bleibt aber selbst nach Bereinigung der Spitzenreiter. Anders gesagt: Die Manipulation hat das Verhältnis verschoben, aber nicht erfunden. Eine relevante Anzahl von Lesern hat tatsächlich für »bin dafür« gestimmt.

Was das für Online-Umfragen bedeutet

Solche Auswertungen sollten nicht den Eindruck erwecken, dass Online-Abstimmungen wertlos wären. Sie sind ein nützliches Beteiligungsinstrument, sofern man ihre Grenzen kennt.

Drei Punkte sind wichtig:
Erstens: Nicht-repräsentativ ist nicht gleich manipuliert. Wer abstimmt, ist nie ein Querschnitt der Bevölkerung - das gilt für jede freiwillige Online-Befragung. Auffällig wird es erst, wenn das Stimmungsbild von technischen Mustern (gleichzeitige Einträge aus Anonymisierungsdiensten, Frequenzspitzen) durchsetzt ist.

Zweitens: Eine Bereinigung ist immer ein Schätzwert. Es gibt keine Garantie, dass jede Tor-Stimme manipulativ war oder dass jede Mehrfach-IP böse gemeint ist (in einer WG mit gemeinsamem Anschluss votet vielleicht auch jeder einmal). Die bereinigten Zahlen sind vorsichtige Annäherungen, keine objektiven Wahrheiten.

Drittens: Transparenz hilft. Wenn über das Ergebnis einer Umfrage berichtet wird, gehört die Information dazu, ob und wie das Stimmungsbild überprüft wurde. Sonst werden Umfragen, die manipulativ beeinflusst wurden, als objektive Lesermeinung verkauft - und das ist weder fair gegenüber den ehrlichen Teilnehmern noch gegenüber den Lesern des Berichts.

Bleibt festzuhalten: Unsere Umfrage wurde nachweislich beeinflusst. Wer dahinter steckt, lässt sich aufgrund der genutzten Anonymisierungsdienste nicht ermitteln.
Volker Georg Franke
technischer Support

Transparenz Hinweis
Bei der Teilnahme an Online-Umfragen speichern wir die IP-Adresse und einen Browser-Identifikator zusammen mit Ihrer Stimme. Zweck ist die Abwehr von Mehrfach-Stimmabgaben und automatisierten Manipulationen. Rechtsgrundlage ist Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO (berechtigtes Interesse an der Integrität der Abstimmung).

Das resultiert dann in dem Satz:
»Die Umfrage lief vom 21.04.2026 bis 22.04.2026. Es wurden 1305 Stimmen abgegeben. Davon wurden 208 Stimmen nicht gewertet.«
Das Protokoll wird spätestens 30 Tage nach Abschluss der Umfrage gelöscht, das Umfrageergebnis in absoluten Zahlen in einer Datenbank gespeichert.
Autor: vgf

Anzeige symplr (lb_3)
Kommentare
P.Burkhardt
25.04.2026, 15:37 Uhr
Spannend, Herr Franke...
...Tor ist eine Möglichkeit, was ist mit verschiedenen VPNs ?

Insbesondere spannend finde ich, dass bei so einem, nur regional interessantem Thema offenbar versucht wird zu manipulieren... ich frage mich, wie das erst bei anderen Themen abgeht
Anmerkung techn. Support:
Solange man mit demselben VPN-Server verbunden bist, hat man eine feste Ausgangs-IP – die des VPN-Servers.
Bei Tor wechselt die Exit-IP regelmäßig – standardmäßig alle ~10 Minuten.
Kleinfurrscher88
25.04.2026, 15:49 Uhr
Nordhausen…
Was hier abgeht in der Stadt und dem Kreis ….?
Compliance- Regeln ? Wird das auch mal geprüft? …
Was hat die Allgemeinheit davon? Das fragt sich nie jemand ?
Privatisierung und Wertsteigerung auf Kosten der Allgemeinheit! Mehr ist das nicht… seit Jahrzehnten sieht man das in dieser Stadt.
Rein infrastrukturell stehen wir noch genauso dar wie vor 25 Jahren. .
Ohne Beziehungen und Komplexe Verflechtungen würde es vermutlich der Stadt und Kreis für die Zukunft besser gehen . Aber es ist schier aussichtslos…
Traurig traurig….
Wenn alle Kassen leer sind sitzt der der Jahre lang davon gut gelebt hat, in seiner Bude am See und geniest sein Leben.
Anmerkung techn. Support:
Ich kann da jetzt nur einen indirekten Bezug zu Artikel konstruieren. Würde eher unter einen anderen Artikel passen.
Kluge schöne Frau
25.04.2026, 19:34 Uhr
Umfrage
Wieso hat man dann erst das falsche und nicht das bereinigte Ergebnis veröffentlicht? Die nnz verliert durch so etwas an Glaubwürdigkeit.
Anmerkung techn. Support:
Wenn die Umfrage ausläuft wird sie automatisch veröffentlicht. Die manuelle Analyse kann erst nach Ablauf erfolgen und braucht Zeit.

Es muss ja auch erst mal einer merken. 👍 Aktuell ist die Umfrage deaktiviert. Ich arbeite an einer Lösung.
Flitzpiepe
26.04.2026, 10:22 Uhr
Das ist ein Katz und Maus Spiel
Das viel zu viel Aufwand verursacht und trotzdem nicht alle Mehrfachabstimmungen ermittelt.
Macht es wie andere Umfrageportale und es kann nur mit einer Anmeldung abgestimmt werden.
Um automatische Anmeldungen nur zur Manipulation der laufenden Umfrage zu vermeiden, gibt es eine Wartezeit für Abstimmungen über die Länge der aktuellen Abstimmung. Eventuell könnte man auch noch mindestens einen freigegeben Kommentar verlangen.
Ich nehme seit Jahren nicht mehr an diesen Abstimmungen teil, weil man die Ergebnisse einfach in die Tonne treten kann und meist die Frage + Antwortmöglichkeiten schon sehr tendenziös gestellt wird.
iMaze
27.04.2026, 07:51 Uhr
armse(e)lig
Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich armse(e)lig.

Wer bei einer Online-Umfrage auf Tor-Netzwerke und Klick-Wellen zurückgreift, gibt damit stillschweigend zu, dass das eigene Argument der offenen Debatte nicht standhält. Wozu sonst der Aufwand?

Die Seelano-Frage ist ein legitimes Thema – und genau deshalb ärgert mich diese Aktion. Sie vergiftet eine Diskussion zusätzlich, die echte Argumente verdient. Stattdessen wird geschoben, getrickst und anonym agiert. Das ist nicht nur technisch nachweisbar armselig, sondern auch feige.
Fönix
27.04.2026, 10:09 Uhr
Warum war die Laufzeit
dieser Umfrage so extrem kurz?

"Die Umfrage lief vom 21.04.2026 bis 22.04.2026"

So konnte ich meine Stimme nicht abgeben, obwohl mich dieses Thema durchaus interessiert. Ganz einfach, weil ich diese Umfrage gar nicht wahrgenommen habe, als sie aktiv war.
Andere Umfragen liefen in der überwiegenden Zahl der Fälle deutlich länger. Nicht jeder durchforstet die nnz in einem zwölfstündigen Rhythmus, sondern eher nach einem unregelmäßigen Muster z.B. in Abhängigkeit vom Suchtpotential auch nur der zur Verfügung stehenden Zeit. Auch diese Aspekte haben im Zusammenhang mit dem extrem kurzen Zeitfenster für die Abstimmung mit Sicherheit einen Einfluss auf das Wahlergebnis ...

Was mir bei der weiteren Betrachtung auch noch aufgefallen ist:

Diese Umfrage zu Seelano ist auf der aktuellen nnz-Startseite nicht dargestellt. Weder unter "aktuelle Umfrage" noch unter "letzte Umfrage". Oder habe ich etwas übersehen?
Anmerkung techn. Support:
Die Idee zur Umfrage kam erst durch einen Kommentar unter einem Artikel. Die kurze Umfragedauer war dem Termin der Stadtratssitzung geschuldet.
Aktuell ist die Umfrage deaktiviert, weil ich nach einer Lösung suche die Manipulationsinformation visuell mit der Umfrage zu verknüpfen.
Ohne diese Info würde die manipulierte Umfrage als Fakt, unwidersprochen im Netz stehen.
Eine Nachträgliche Anpassung der Ergebnisse ist technisch schwierig.
Fönix
27.04.2026, 10:32 Uhr
Herzlichen Dank
an den "Technischen Support" alias vgf für die ausgesprochen aufschlussreiche Aufklärung über die Wahrnehmung und die Hintergründe des Abstimmungsverhaltens! Das lässt tief blicken, mit welchen "Bandagen" bestimmte Klientel arbeiten, wenn es um ihre Interessen geht ...

Dass diese Umfrage deshalb aus dem "normalen" Präsentationsablauf herausgenommen wurde kann ich sehr gut nachvollziehen und finde es auch richtig!
Lautaro
27.04.2026, 17:32 Uhr
Danke für den Artikel Herr Franke !
Wenn aber die Befürworter von Seelano einen ordentlichen Prozentsatz dazu schummeln, ändert das an der Meinung der Gegenseite gar nichts.
Deshalb kann ich mir den Sinn dieser Aktion nicht erklären.
Was ich auch nicht verstehe.....selbst über TOR muss ich mich bei der NNZ einloggen um dann eine Fake-Stimme abzugeben, oder wurden die Accounts schon über TOR angelegt ?
Nebenbei, sooo sicher ist TOR schon lange nicht mehr. Es reicht, um sich mal ein Ebook zu laden. Ganz hysterische Menschen halten es mittlerweile für einen Honeypot der Behörden. aber darum geht es natürlich nicht.
Am Ende bleibt immer noch die Frage, warum jemand bei einer Umfrage ohne Folgen schummelt ?
Anmerkung techn. Support:
Für die Teilnahme an Umfragen müssen Sie nicht angemeldet sein.
Eine Anmeldung ist nur für die Bewertungsfunktion (Daumen) erforderlich.
Zur Motivation möchte ich mich nicht äußern.
Lautaro
27.04.2026, 18:15 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf – Gelesen.
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (bb_2)